Heft 
(1937 - 1938) 1
Seite
38
Einzelbild herunterladen

88

teilung bisweilen bei dem sicher deutschen Angerdorf des deut­schen Ostens. s

Die Wiener Schule hat endlich eine Zwischenlösung vor­geschlagen, nach der das Runddorf aus strategischen Gründen angelegt worden sein soll. Es fände sich nämlich überall da, wo Germanen und Slawen in kriegerischen Auseinandersetzungen aufeinander gestoßen seien. Aber auch dieser Weg ist unbefrie­digend, da er eine große Anzahl von Fragen offen läßt. Außerdem müßte dann auch eine einheitliche strategisch günstige Lage für die Wahl des Dorfplatzes maßgebend gewesen sein, was durchaus nicht immer der Fall ist. Endlich müssen wir uns in diesem Falle fragen, warum das Runddorf dann nicht regelmäßig über die ganze Kampfzone verbreitet ist, was keineswegs zutrifft. So ist z. B. das Runddorf im ganzen Havelland nur sehr vereinzelt zu finden.

Alle Für und Wider hier zu erörtern, würde über den Rahmen eines kurzen Aufsatzes weit hinausgehen, wir wollen uns daher den Runddörfern unserer engeren Heimat, der Prignitz, zuwenden und sehen, was wir von hier aus zur Klärung der Frage beitragen können.

Da der Begriff Runddorf oft mißbraucht wird, wollen wir uns noch einmal ins Gedächtnis rufen, was eigentlich als Rund­dorf zu bezeichnen ist und was nicht.

Unter einem Runddorf verstehen wir eine Dorfanlage, bei der sich die Höfe um einen mehr oder weniger kreisrunden Platz herumlagern. An die Rückseite der Höfe schließt sich fächer­förmig, d. h. am Hofe anschließend schmal, nach der Grenze der Feldmark breiter werdend, die Feldflur (Wiese, Acker, Wald). Nur ein Eingang führt in das Runddorf hinein. Sehr oft treffen sich drei und mehr Straßen kurz vor dem Dorfeingang und vereinen sich zu der einen Eingangsstraße. Auf dem runden Dorfplatz befindet sich gewöhnlich ein Teich, die Kirche, die Schmiede und mitunter auch die Schule und evtl, das Armen­haus.

Zu der fächerförmigen Fluraufteilung (Sektorenflur) ist aber einschränkend zu bemerken, daß diese mitunter ganz fehlt, bis­weilen nur Garten und Wiese umfaßt, während die Aecker in Gewannflur aufgeteilt sind. (Daß die Sektorenflur, wo sie vor­handen ist, oft eine spätere Erscheinung aus vordem vor­handener Gewannflur ist, wurde bereits erwähnt).

Unseres Erachtens ist in die gesamte Forschung durch allzu viele Unterteilungen nur Verwirrung hineingetragen worden. Es ist selbstverständlich, daß der Mensch, besonders der schöpferisch begabte deutsche Mensch diese oder jene kleine Abweichung von