Heft 
(1937 - 1938) 1
Seite
39
Einzelbild herunterladen

39

einer starren Form vornimmt. Wir brauchen Wohl keine Be­denken zu tragen, ein Dorf noch als Runddorf zu bezeichnen, auch wenn der Dorfplatz sich leicht der Dreiecksform nähert, vorausgesetzt, daß alle anderen Bedingungen erfüllt sind, wie es z. B. bei Bresch (Westprignitz) der Fall ist. Jedoch ist hierbei größte Vorsicht am Platze. Maßgebend wird immer die älteste nachweisbare Form der Dorsanlage sein müssen. Es wäre natürlich denkbar, und ist in der Tat auch so gewesen, daß nach­trägliche Veränderungen der ursprünglichen Dorfform stattgefunden haben. Die Gründe dafür können im Wüst-Werden einzelner Höfe, in Bränden usw. liegen. Hatte das Dorf vor der Ge­staltsänderung eine andere Form als die des Rundlings, so scheidet es für unsere Frage nach der völkischen Zugehörigkeit desselben natürlich aus.

Nun ist es aber mit großen Schwierigkeiten verknüpft, wirklich die älteste Form der Dorfanlage zu erfassen, besonders bei uns in Brandenburg, wo das hierfür nötige Urkundenmaterial un­geheuer spärlich fließt. Es ist notwendig, die Frage von sehr vielen Seiten her zu beleuchten, und doch bleibt das Ergebnis oft unbefriedigend. Wir sind also genötigt, andere Quellen zur Erforschung der Dorsformen zu suchen.

Diese Quellen sind uns durch die Bodenforschung in Ver­bindung mit der Flurkartenforschung gegeben. Ohne Boden­forschung dürfte die Frage nach der völkischen Zu­gehörigkeit der mittelalterlichen Dorfsormen überhaupt nicht wahrheitsgemäß zu lösen sein.

Die archäologische Landesaufnahme der Ost- und West­prignitz hat ergeben, daß heute kaum ein einziges Dorf auf dem gleichen Platze steht, auf dem es die deutschen Siedler des Mittel­alters dereinst errichtet haben. Wieviel weniger werden sich also Dörfer erhalten haben, die noch aus der Zeit stammen, als Slawen die Prignitz besetzt hatten. Es ist ebenso wichtig wie interessant, daß Gerhard Fischer in einer 1936 erschienenen aus­gezeichneten Arbeit überDas Land Lebus" ch.feststellen konnte, daß sich nicht einmal die Flurform vom Mittelalter her erhalten, sondern im Laufe der Jahrhunderte eine völlige Umwandlung erfahren hat. Die gleiche Feststellung machte Liebchen für Klein­beesten und Groß-Köris (Kreis Teltow). Man ersieht daraus, daß sich in sehr vielen Fällen die gesamte Siedelform seit dem Mittelalter geändert hat. Es ist also allergrößte Vorsicht vor voreiligen Schlüssen aus dem heutigen Erscheinungsbilde geboten, auch dann, wennslawische" Ortsnamen die Beweisführung zu

9 Gerhard Fischer. Das Land Lebus. Franksurt/Oder 1936.