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stützen scheinen, wie ebenfalls Fischer in der erwähnten Arbeit betont. 2)
Wie sieht cs nun in der Prignitz inbezug auf die Runddörfer aus?
In beiden Prignitzer Kreisen gibt es insgesamt 63 mit Sicherheit als Runddörfer zu bezeichnende Anlagen; davon entfallen auf die Westprignitz 36. Es kommen ferner noch 12 Dörfer hinzu (7 Westprignitz, 5 Ostprignitz), bei denen die Dorfform nicht ganz klar ist, die aber sehr wahrscheinlich früher Runddörfer waren. Von den Runddörfern haben 26 deutsche, 24 wahrscheinlich slawische Namen. Runddörfer mit deutschen Namen sind z. B.: Hülsebeck, Groß und Klein Berge, Groß Buchholz. Die übrigen Namen sind nicht sicher der einen oder der anderen Gruppe zuzuweisen. Bei den slawischen Dorfnamen dürfen wir aber nicht vergessen, daß eine ganze Reihe von ihnen erst im Laufe der Zeit slawisch gemacht worden sind, teils weil man sie verlesen oder verhört hat, teils weil mau glaubte, es müßte so sein und teils endlich in tendenziöser Absicht von einem tschechischen Historiographen.
In der Westprignitz kommen endlich noch 6 Runddörfer hinzu, die durch die Sektoreuslur auf alten Flurkarten als solche erkennbar sind (Gr. Lüben, Klein Gülitz, Golm, KI. Werziu. Gr. Retzin und Sagast). In den heutigen Dörfern sind die betreffenden Stellen noch entweder als „alte Dorfstelle" oder aber (bei den ersten fünf) mit den einstigen Namen bekannt. Daß es sich in allen 5 Fällen nicht um slawische, sondern um deutsche Dörfer gehandelt hat, beweist die graue, klingende Tonware, die sich an den in Frage stehenden Dorfstellen findet.
Wir hätten hier also einwandfrei nachweisbar fünf Runddörfer, die von Deutschen „aus wilder Wurzel", d. h. an Stellen, wo vorher kein slawischer Ort gestanden hatte, als solche gegründet worden sind. Weitere Untersuchungen fehlen.
Als Gegenbeweis wurden an zwei Stellen wüste slawische Dörfer beobachtet, in Schönfeld und Bresch, die beide keine Runddörfer waren. Bei Schönfeld liegt wahrscheinlich ein Sackgasseudorf oder ein Straßendorf vor, bei Bresch handelt es sich eindeutig um ein slawisches Straßendorf. Die Ackerflur, auf der das Dorf einst lag, heißt heute noch „die Wenddörfer". So scheint es überhaupt in der Prignitz (und auch der Altmark) üblich zu sein, daß Stätten, an denen dereinst slawische Siedlungen gelegen haben, den Flurnamen „Wenddörfer", „Wendungen", „Heuer-" oder „Hünerland" u. ä. erhalten
r) Seite 50.