Heft 
(1937 - 1938) 1
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haben. Hier sind auch die Stellen, wo wir mit Sicherheit slawische Tonscherben finden^). Mitunter weist auch der Flur­name Zedlitz, Sedliste o. ä. auf eine einstige slawische Sied­lung hin.

Es liegt hier also offensichtlich ein wahrscheinlich rassisch empfundener Gegensatz zwischen Deutschen und Slawen vor, der es auch unwahrscheinlich machen dürfte, daß die deutschen Siedler mit dem Runddorf eine slawische Dorfform übernommen haben sollten. Wenn dieser Ueberlegung auch keine Beweiskraft zukommt, so wird sie doch gestützt durch die Beobachtungen draußen in der Natur, eben durch die erwähnten wüsten Rund­dorfstellen mit deutschen Siedlungsresten.

Wichtig ist in diesem Zusammenhänge aber noch folgende Tatsache. Wir kennen eine Anzahl Burganlagen aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit, von denen ich nur zwei als Beispiel herausgreifen möchte: Die Pipinsburg und Oppeln. Ersteres ist eine sächsische Volksburg, letzteres eine slavische Anlage. In Oppeln haben wir eng nebeneinander gebaute Häuser an geraden Straßen. Die Häuser der Sachsen in der Pipinsburg lehnen sich an den Jnnenwall an und umschließen einen freien runden Mittelplatz.

Gehen wir zurück in die urgermanische Bronzezeit, so kennen wir in der Prignitz Dörfer jener Zeit aus Lenzersilge, Viesecke, Perleberg. In den beiden ersten Orten, besonders in Lenzersilge haben wir deutlich ein Dorf mit rundem Mittelplatz.

Wenn es auch vielleicht was leider wegen starker Störung nicht sicher festzustellen war nicht ein Runddorf war, so war es ein Platzdorf. In Perleberg (Fundplatz 49) haben wir jedoch eine Form, die sich stark dem Runddorf nähert.

Leider fehlen noch Untersuchungen ganzer Dorfanlagen aus den Zeiten zwischen urgermanischer Bronzezeit und sächsischer Frühzeit, sodaß wir noch keine geschlossene Reihe aufweisen können.

Wir möchten aber in den angeführten Tatsachen doch einen Anhaltspunkt dafür sehen, daß das Runddorf nicht gemeinhin als slawische Dorfform anzusprechen ist. Die Bodenfunde werden auch hier den Ausschlag geben müssen. Diese zeigen aber für die Prignitz mindestens, daß das Runddorf eine deutsche Siedel­form ist, vielleicht während der Zeit der Wiedereindeutschung von Deutschen geschaffen, wie das Angerdorf, vielleicht aber

2 ) Die BezeichnungWendenkirchhof" hat, wie ich in der Vor­geschichte des Kreises Westprignitz gezeigt habe (S. 92) nichts mit den Slawen zu tun. Es finden sich dort ausnahmslos germanische Gräber. In derOstprignitz wie in derAltmark wurde die gleicheBeobachtung gemacht.