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!Die Himmelsrichtungen werden noch in den alten Bezeichnungen ngegeben: Leptentrio (das Siebengestirn des Großen Bären im Norden), iAsriöies, Oriens und Occläerm. Zwei Putten halten ine Tafel mit dem Maßstab, der nach der „Miliaria Oerma- chica", der deutschen Meile, berechnet ist. Aus eigenen Anschauungen und vorhandenen Plänen mag der Kartenzeichner sein ^wunderliches Kartenbild geformt haben. Von einer genauen 'andesvermessung ist wenig zu erkennen. Der 63. Breitengrad, der südlich von Wittenberge verläuft, findet sich nördlich über Perleberg. Wege und Straßen, die heute auf einer Landkarte Unentbehrlich sind, fehlen völlig. Außer den Ortschaften sind lediglich die Landesgrenzen, Flußläufe, Seen und Wälder eingetragen. Die Landkarte gehörte damals noch nicht zum Handwerkszeug des Reisenden, der sich auf die Wegeangaben der Einwohner verlassen mußte. Die mündlichen Auskünfte führten ihn sicherer zum Ziel als diese Prignitzer Landkarte aus dem 17. Jahrhundert. Die Schwesterdörfer Blüthen und Strehlen liegen etwa eine Meile voneinander entfernt, ähnlich verzeichnet liegen die Ortschaften Gleusin (Glövzin) und Premslin. Dieses Dorf erscheint sogar noch einmal in der Nähe von Wentdorf als Gr. und Kl. Premslin. Die beiden nebeneinander gesetzten Ortsnamen Molich und Motterich gelten wahrscheinlich nur für eine Gemeinde, das heutige Motrich. Die Darstellung der westlichen Prignitz ist am stärksten verzerrt worden: Die Gemeinden der Lenzer Wische bilden eine dichtgedrängte Gruppe in der Nähe von Mödlich und Seedors, der Ortsname Lenzen dagegen taucht etwa 20 Kilometer von dem Stadtgebiet Lenzen entfernt bei Baarz auf. Im Raume der Ostpriguitz rückt Heiligengrabe von Techow fast 10 Kilometer weit ab.
Wüste Dörfer, wie sie Dr. Bohm in ihrer „Vorgeschichte des Kreises Westprignitz" aus Bodenfunden und Urkunden nachgewiesen hat, werden vom Kartenzeichner als noch bestehende Ansiedlungen aufgeführt, z. B. Rudow bei Lenzen und Dobrow (Dambrow) bei Ferbitz, obwohl diese Dörfer 1496 und 1542 . urkundlich als wüst erwähnt sind (nach Dr. Bohm). Die leichtfertige Arbeit des Herausgebers, der ohne weitere Nachprüfung (aus älteren Kartenwerken bereits verschwundene Ortschaften , übertrug, bietet immerhin wertvolle Hinweise für die Heimat- (sorschung und bestätigt und ergänzt die Vermutungen und .^Schlüsse über die Lage der wüsten Dorfstellen. Neben den von ÄDr. Bohm nachgewiesenen wüsten Dorfstellen erscheinen aus st der Karte zwischen Wittenberge und Wilsnack noch die Orts- 4 namen Gr. und Kl. Heinersdorf und in der Nähe von Pentewist X lBentwisch) der Ort Tutzelke. Vielleicht ist dieser Ortsname 4 eine Verstümmelung des Namens Tuschendike (Zwischendeich).