44
Im Jahre 1724 erschien die „Landcharte des Chur-Fürsten- tums Brandenburg" bei den Verlegern Covens und Mortier in Amsterdam, herausgegeben vom Freiherrn von Gundling, der zum historischen Tabakkollegium Friedrich Wilhelms l. gehörte, dort aber etwa die Rolle eines Hofnarren spielte. Die Fortschritte der Kartenkunst treten auf dieser Karte bereits deutlich hervor. Gundling benutzte den Vielfarbendruck und gebrauchte weit mehr Kartenzeichen als seine Vorgänger. Vor allem hat er die wichtigsten Handelsstraßen dargestellt: die Hamburger Landstraße führt über Lenzen, Man km ns und Nä- belihn (Nebelin) nach Perleberg und von dort über Kletzke und Fehrbellin nach Berlin. Bei kleineren unwichtigen Niederlassungen tauchen immer noch die Fehler der älteren Karten auf. Auch Gundling verlegt Kowinckel (Kuhwinkel) dicht an die Elbe und Heiligengrabe südlich von Wittstock. Der Rambower und der Rudower See fehlen.
Mit einer ausführlichen „Einleitung zu dem so anmuthig als nützlichen Studio der Geographie" begann Matthäus Seutter aus Augsburg seinen länderkundlichen Atlas aus dem Jahre 1745, der seinem häufigen Vorkommen nach wohl als Lehrbuch in den damaligen Schulen der Prignitz eingeführt worden war. lieber die Prignitz sagt der Herausgeber:
„Nachdem die Prignitz zur alten Marck geschlagen worden ist, hat es 4 Theile: die alte Marck zur Linken, darinnen sind: Stendal die Haupt-Stadt, Soltwedel davon die Markgrafen in der Historie Vorkommen. Gardelegen und Tangermünde sind mittelmäßig. Perleberg die beste Stadt in der Prignitz. Havelberg, ehedem ein Bistum, gehört auch dahin. Wittstock ist durch die Schwedische Victorie bekannt worden . . ."
In gutem Kupferstich mit einem fein ausgeführten Bildnis des Herausgebers auf dem Kartentitel fertigte 1794 eine Nürnberger Werkstatt die „Generalcharte über die sämtlichen Königlich Preußischen Staaten nach astronomischen Beobachtungen und den vorzüglichen Spezialcharten entworfen von F. L. Güsse- feldt". Wegen des kleinen Maßstabes sind neben Heiligengrabe lediglich die Städte und Flecken der Prignitz genannt. Güssefeld hat erstmalig die Beschriftungsarten und Kartenzeichen der modernen Landkarte angewendet. Hierin liegt die Bedeutung seiner Arbeit.
Ein Jahr später brachten die Homann'schen Erben in Nürnberg, eine der ältesten und bedeutendsten deutschen Druckereien, die ebenfalls von Güssefeldt entworfene „Charte von der Prignitz, mit Röm. Kayserl. allergnäd. Freyheit" auf den Markt.