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Geologische Plauderei.
^iV>er in anderen Gegenden Deutschlands paläontologische Stu- dien zu betreiben gedenkt, wird gut tun, sich mit einem kleinen Hammer auszurüsten, denn wo die Versteinerungen nicht durch Flüsse herausgewaschen sind, stecken sie im Gestein und müssen mit behutsamer Hand herausgeklopft werden. Oft wie in den Schieferbrüchen des Jura sind die Versteinerungen weicher als die umgebende Gesteinsmasse und dann gehört schon eine sehr große Uebung und Geschicklichkeit dazu, den fossilen Rest, der hier eingebettet ist, freizulegen. So mühsam hat es der Prignitzer nicht — er braucht in den Sand- und Kiesgruben, wenn er ein begnadetes Auge hat, nur nach Versteinerungen zu greifen, und sie liegen, von der Natur schon sorgfältig herausgearbeitet, in seiner Hand.
Freilich wird da manch einer Wohl sagen: ja, was kann man aber in der Prignitz Wohl auch Besonderes finden. Im Juraschiefer sind die großen vorweltlichen Tiere, die Saurier, in ihren verschiedensten Formen erhalten, im Solenhofener Gestein finden sich die Reste des ersten Vogels und die Fußspuren der rätselhaften Handtiere Aber bei uns? Da findet sich allenfalls ein Seeigel oder eine Muschel oder solch Kleinzeug. Und doch hat der, der so redet, Unrecht. Kaum ein Gebiet ist so reichartig an verschiedensten Versteinerungen wie die norddeutsche Tiefebene. Und das ist begreiflich, denn hier ist durch eine einmalige in riesenhaften Ausmaßen stattfindende Zerstörung der verschiedensten Gebirgsstöcke durch die Eiszeit eins überaus reiche Speisekarte zusammengekommen. Es gehören nur die glückliche Hand und das glückliche Auge dazu, um Seltenes zu finden, und der wird sie haben, der Liebe zu diesen Dingen im Herzen trägt.
^ An dieser Liebe aber fehlt es in unserem Volke nicht. Es ist ein altes Erbteil, denn besinnlicher Geist, der die Dinge wägend betrachtet und in das Weltbild einzureihen suchte, war schon bei unseren vorgeschichtlichen Ahnen vorhanden. Dafür zeugt jener vorgeschichtliche Fund aus Groß Wirschleben, eine Urne, die neben dem Leichenbrand des darin Beigesetzten über 50 Muscheln und Schneckenversteinerungen enthielt, die einer benachbarten durch die Saale ausgewaschenen Kalksteinschicht entstammen. Der Sammler hat immer ein oder zwei sorgfältig ausgesuchte Stücke der verschiedenen Formen gewählt. Da aber dieser Gelehrte der Vorzeit seiner so sorgfältig ausgesuchten und zusammengefügten Sammlung zwei lebende Schneckenformen, die diesen versteinerten verwandt waren, hinzufügte, so erhalten wir dadurch einen Einblick in seine wahrhaft wissenschaftliche