Heft 
(1937 - 1938) 1
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nicht in unser Museum, sondern nach Berlin in das Märkische Museum kam.

Aus der Zeitwende ist das materialecht hergestellte Haus von Vehlow zu nennen. Das schöne Modell mit den Balken­wänden und dem tief herunter reichenden Strohdach zeigt uns schon das Niedersachsenhaus, in dem Stall und Scheune mit dem Wohnhaus zu einer Einheit zusammengeschlossen sind. In der Diele ist die Herdstelle, an der die Frau ihren beherrschenden Platz hat, von dem sie das ganze Getriebe lenken und bestimmen kann. All die wundervollen Nachbildungen und Modelle sind in der Werkstatt des Reichsbundes für Vorgeschichte gearbeitet. Sie sind in der AusstellungLebende Vorzeit", die von Ulm nach Berlin und von hier aus weiter über Deutschland wandert, ausgestellt gewesen. In unserem kleinen Rahmen und nach unserem bescheidenen Können möchten wir für unsere Besucher auch die Prignitzer Vorzeit zu einer lebenden machen und werden versuchen, auf diesem Wege weiter zu gehen. Hier sei dankbar des Kreisausschusses gedacht, der durch eine Spende zum 25 jährigen Bestehen des Heimatmuseums uns die Anschaffung der erwähnten Stücke und ihre Aufstellung erst ermöglichte.

Im vergangenen Jahre erkrankte unser langjähriger treuer Museumsarbeiter Ziegler schwer. An seine Stelle mußte eine neue Kraft eingestellt werden. Herr Guthke aus Dahlhausen hat die Führungen und die Betreuung der Sammlungen über­nommen und hilft auch fleißig bei den Grabungen mit. Aber auch der Zustand von Herrn Ziegler hat sich soweit gebessert, daß er in Notfällen immer wieder im Museum vertritt, und vor allem, daß er die für uns so notwendige Arbeit des Urnenkittens weiter leistet, in der er ein unerreichter Meister ist. Möchte uns seine Treue und Mitarbeit noch lange erhalten bleiben.

Neben dieser Umgestaltung der Ausstellungsräume wurden die Grabungen nicht vernachlässigt. Wir können auch hier reiche Erfolge buchen. Im Jahre 34 haben drei Grabungen statt­gefunden, eine aus der Urgermanen zeit in Dannenwalde, die unter anderem in den Formen sehr bemerkenswerte Beigefäße brachte. Im Herbst wurde dann die Schlußgrabung in Kuhbier Lurchgeführt. Durch diese Schlußgrabung konnten die Grenzen des frühkaiserzeitlichen Friedhofes festgestellt werden. Gegenüber den 166 bei der ersten Grabung aufgefundenen Gräbern konnten noch 95 freigelegt werden. Eine Veröffentlichung der Kuhbierer Gesamtgrabung ist in Vorbereitung. Die letzte Grabung jenes Jahres fand in Wulfersdorf statt, wo ein sehr zerstörter spät­kaiserzeitlicher Friedhof zu untersuchen war. Es konnten durch die Grabung noch 70 Gräber gerettet werden, die sonst unbeachtet