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Heimatgebiet erkennen. Damit wissen wir, daß überall dort, wo diese Artform auftaucht, Nordleute gewesen sind. So ist unsere Axt zur Geschichtsquelle geworden.
Wissenschaftlich wird die Axt als Knaufhammeraxt bezeichnet, weil der Nacken zu einem runden Knopf oder Knauf, wie bei einem Polierhammer, umgebildet ist. Der Knauf wird besonders dadurch stärk hervorgehoben, daß der Nackenteil eingeschnürt ist. Der Querschnitt hat fast Kreisform. Das Loch selbst liegt in einer flachen Vertiefung, die sich oben und unten bis zur Schneide, welche leicht gebogen ist, hinzieht. Die geschweiften Seiten besitzen in der Mitte einen schwachen Grat oder eine Leiste, so daß der Querschnitt beim Schaftloch und beim Schueiden- teil fast sechseckig aussieht. Auf Grund dieser Tatsache haben einige Forscher, wie z. B. Nils Aberg, die Knaufhammeraxt mit der „vielkantigen Streitaxt" in Verbindung gebracht und sie selbst als „vielkantige Streitaxt" bezeichnet. Diese Benennung ist zweifellos verfehlt, da nicht der mehr oder weniger veränderliche Querschnitt die Hauptsache ist, sondern der knopf- artige Knauf. Eine Ableitung von der vielkantigen Axt ist auch nicht möglich, da nicht bewiesen werden kann, daß diese älter ist als die Knaufhammeraxt, außerdem gibt es Beile mit Knaufhammernacken, die als Vorformen angesehen werden können.
Man hat nun versucht, aus typologischen Erwägungen heraus auf Grund der Vertiefung auf der Ober- und Unterseite der Axt ältere Formen von jüngeren zu trennen. Wie weit es möglich ist, kann noch nicht endgültig gesagt werden. Wesentlich ist, daß die Knaufhammeraxt zur Großsteingrab-, Megalithoder Trichterbecherkultur gehört und daß sie für die Südost- Ausbreitung charakteristisch ist. Vom Kerngebiet ausgehend, finden wir sie in ganz Ostdeutschland; in Böhmen, Mähren, Oesterreich, der Schweiz und sogar am oberen Bug und Dnjestr ist sie anzutreffen. Selbst zur Remedello-Kultur Italiens und nach Troja scheinen Verbindungen zu bestehen.
Zeitlich sind die Knaufhammeräxte in die Dolmenzeit bzwt in die ältere Ganggräberzeit einzustusen. Da in der Dolmenzei. schon Kupfer vorkommt und Kupferäxte mit gleichen Formen gefunden wurden, glaubten viele Forscher annehmen zu müssen, daß es sich hier um eine Nachbildung von Metallformen handelt. Ein Beweis für diese Behauptung konnte bisher nicht erbracht werden. Man folgte meist nur den Anschauungen des großen, schwedischen Forschers Montelius. Mit gleichem Recht kann behauptet werden, daß die Metalläxte den Steinformen nuch- gebildet wurden. Die neueren Forschungen bestätigen immer mehr diese Annahmen.