Heft 
(1939 - 1940) 1
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Steinreihe, die an beiden Längsseiten aufgepackt war. Diese Grabart erinnert an die gleichaltrigen Bestattungen in Baum­särgen, wie sie in Jütland, Schleswig usw. entdeckt worden sind. Auch hier wurde ein Pflaster als Unterlage hergerichtet und der Sarg durch Steine vor einem Verkanten geschützt. Die Stelle des Baumsarges nimmt in unserem Grabe die Hülle aus Baumrinde ein. Von der Toten selbst blieb nur wenig erhalten: einige Bruchstücke des Schädels mit dünnem, gebuckeltem Bronzeband vermutlicher Besatz eines Haarnetzes oder einer leichten Kappe und geringe Reste der Arm- und Beinknochen aus den Ringen, deren Salze sie konservierten. Anders ver­hält es sich mit dem Schmuck, mit dem die Bestattete wie zu Lebzeiten versehen wurde. In der flachen Steinmulde lagen, im Osten beginnend und immer in einiger Entfernung vonein­ander nach den Körperteilen, an denen sie einst getragen worden waren: zwei rundstabige Halsringe, eine Spiralplattenfibel mit bandförmigem Bügel, zwei Armringe von beiden Armen, zwei Fingerspiralen von beiden Händen, etwas tiefer und zur Mitte hin mehrere Ringbruchstücke von den Quasten der herab­hängenden Gürtelenden und schließlich von jedem Bein ein Paar Beinringe, sämtlich aus Bronze und gut erhalten. Sicher ist die Tote bekleidet beigesetzt worden. Zu Füßen stand in geringer Entfernung ein kleines Tongefäß, das mit Steinen umstellt war. Sein Inhalt bestand aus feinem Sand. Wahr­scheinlich enthielt es ehemals eine Wegzehrung. Wir haben das Grab im Museum so aufgestellt, wie wir es bei der Ausgrabung vorfanden. Es ist wegen seiner eindringlichen Sprache von germanischer Totenehre ein besonders fesselnder Anziehungs­punkt geworden. (Veröffentlicht mit Abbildungen in Heft 4/1939 der MonatsschriftGermanen-Erbe", Verlag C. Kabitzsch, Leip­zig und imJahrbuch der Prignitz 1940", Verlag F. Grunick Nachf., Perleberg).

Aus Lanz erwarben wir eine mittel ständige Lappenaxt, womit eine Lücke in unserer Sammlung ge­schlossen worden ist.

InKribbe wurde ein Steinplattengrab derjüngeren Urgermanischen Zeit (1200 bis 800 v. d. Ztr.) ent­deckt; jedoch zerbrachen dem Finder Urne und Deckschale derart, daß sie nicht mehr zusammengesetzt werden konnten.

Bei Bauarbeiten in Perleberg, Ravenslandstraße gab die Erde drei Zylinderhalsterrinen von verwasche­ner Form frei. Die eine Urne enthielt eine schlecht gearbeitete Feuersteinpfeilspitze mit eingezogener Grundseite, während einer anderen ein kleines Töpfchen von der gleichen Form wie die Urne selbst beigegeben war.