JÜDISCHE WUNDERMÄNNER UND MAGIER
Karl Erich Grözinger als Gastprofessor in Chicago
Der Geschichte der jüdischen Wundermänner und Magier im aschkenasischen Judentum zwischen dem 11. und 20. Jahrhundert und deren Verhältnis zu christlichen Gestalten vom Schlage eines Dr. Johann Faust waren eine vierwöchige Gastprofessur von Prof. Dr. Karl Erich Grözinger aus dem Bereich Religionswissenschaft der Potsdamer Uni an der Universität Chicago und zwei Gastvorträge am Baruch College, New York und an der Duke University, North Carolina gewidmet. Anläßlich dieses Gastaufenthaltes fand zugleich ein Symposium zum Thema „Hasidism and Jewish Folklore“ statt, auf dem Prof. Grözinger ebenfalls sprach.
Die Beiträge von Grözinger zeichneten eine Entwicklungsgeschichte des jüdischen Ba’al Schem anhand j}iddischer und hebräischer Volkserzählungen sowie Texten von Franz Kafka aus Deutschland, Polen und Böhmen nach. Wichtigstes Resultat war die Beobachtung, daß sich das Bild dieser volkstümlichen Helfergestalt mit der voranschreitenden jüdischen wie Christlichen CGeistesgeSchichte veränderte. So stand z.B. im 14./15. Jahrhundert der exemplarisch fromme und demütige Asket im Vordergrund, für den der Gebrauch der magischen Gottesnamen in der Erschafftung eines Golem seine mystiSche Klimax fand. Im 16./17. Jahrhundert wandelte sich der jüdische Wundermann zu einem jüdischen Faust vom Typ des Renaissancemagiers, der nicht durch eine als häretisch gebrandmarkte Teufelsbündelei verfolgt war, wie z.B. der von protestantischen Ängsten geprägte Dr. Johann Faust des Volksbuches von 1587. In den Jahrhunderten danach hat vor allem die askeüsch-messianische lurianische Kabbala das Bild erneut verändert. Der Ba'al Schem wurde nun zum Sündenpropheten und zum Individualsoteriologischen Psychagogen, der den Seelen aus der Seelenwanderung half. Dessen berühmtester Vertreter ist der Begründer des osteuropäischen ChassidisMus Israel Ba’al Schem Tov.
Wissenschaftler von der Bar Ilan University, Israel und der Universität Chicago zeigten Sine ähnliche Entwicklung anhand der oft varlierten Erzählung vom einfältigen FromMen, der nicht zu beten verstand, auf und erläuterten dies am Beispiel der Maid von Ludomir, der einzigen chassidischen weib
Die Universität Chicago war für vier Wochen der Ort der Gastprofessur von Prof. Dr. Karl Erich Grözinger.
lichen Heiligengestalt, die sich insbesondere den Frauen zuwandte. Das 19. Jahrhundert ließ den jüdischen Wundermann im Westen schließlich den Weg der Aufklärung betreten, während er in Polen zwischen die Mühlsteine der aufklärerischen und der Chassidischen Politik geriet.
Das Symposium samt Blockseminar von Karl Erich Grözinger hat die Kooperation zwischen Chicago und Potsdam weiter vertieft, Sie soll im Sommersemester 1998 mit einem Gegenbesuch von Prof. Dr. Michael Fishbane von der Universität Chicago und 1999 mit einem Zwillingskongreß in Chicago und Potsdam zum Profil des aschkenasischen Judentums weitergeführt werden. KEG
Foto: zg.
DFG-Förderung für Literaturwissenschaftler
Die Deutsche Forschungsgenmeinschaft (DFG) hat dem Institut für Germanistik der Universität Potsdam 368.000 Mark für Forschungen zur Literatur- und Wissenschaftsgeschichte der Mark Brandenburg in der Frühen Neuzeit bewilligt. Mit dem Geld werden zwei wissenschaftliche Mitarbeiter für zunächst zwei Jahre finanziert. Eine Verlängerung der Förderung wurde in Aussicht gestellt.
Das von dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Knut Kiesant geleitete Forschungsprojekt war bis 1996 durch das WissenschaftlerIntegrations-Programm gefördert worden. Erste Ergebnisse liegen bereits vor. Lothar Noack und Jürgen Splett veröffentlichten vor wenigen Monaten im Berliner AkademieVerlag eine umfangreiche Arbeit zu den Brandenburgischen Gelehrten der Frühen Neuzeit in Berlin-Cölln. Vier weitere Bände zur Wissenschaft und Literatur in der Region zwischen 1486 und 1713 sind geplant. Auch über die Veröffentlichung einer CDROM zur Kulturgeschichte der Region wird bereits nachgedacht. mef
GEOFORSCHUNGSZENTRUM IN NEUEN GEBÄUDEN
Das Potsdamer Geoforschungszentrum hat ein neues Zuhause: Bis Mitte Januar bezog die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung Brandenburgs ihre neuen Gebäude auf dem Telegrafenberg. Ein mehr als fünfjähriges Provisorium ist damit beendet. Seit 1992 waren die mittlerweile 560 GFZ-Mitarbeiter in 17 unterschiedlichen Gebäuden untergebracht. Jetzt haben sie den überwiegenden Teil ihrer Labore und Büros in den fünf miteinander verbundenen Neubauten. Baustellen wird es auf dem Telegrafenberg allerdings weiterhin geben. In den kommenden 15 Jahren sollen im„Wissenschaftspark Albert Einstein“ weitere 24 Millionen Mark für Sanierungsmaßnahmen investiert werden. mef/ Foto: Fritze
Ausstellung in Bonn
Noch bis zum 19. Aprıl dieses Jahres können Besucher die Ausstellung„Arktis-Antarktis“ in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland bestaunen. Themen der dortigen Exposition sind beispielsweise die Eroberung der Pole, die Menschen der Arktis und die künstlerischen Visionen von Eiswüste und Weltrand. Die Schau widmet sich der wissenschaftlichen Polarforschung und stellt diese durch künstlerische Beiträge in einen gesamtkulturellen Zusammenhang. Den Besucher erwarten auf circa 2000 Quadratmetern eine Inszenierung mit multimedialen Darstellungen wissenschaftlicher Experimente und Installationen sowie etwa 500 Leihgaben, darunter historische wissenschaftliche Geräte, Expeditionsrelikte, kostbares Kartenmaterial und Kunstwerke aus aller Welt.
An der Vorbereitung der Ausstellung war auch das mit der Universität Potsdam kooperierende Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven, beteiligt. Die Wissenschaftler stellten Exponate zur Verfügung, schrieben Beiträge für den begleitenden Katalog, lieferten Material für die Multimedia- Show. zg./PG.
Außer montags ist die Bonner Ausstellung in der Zeit von 10.00 bis 19.00 Uhr, dienstays und mittwochs bis 21.00 Uhr, zu besichtigen. Der Eintritt kostet 8,00 DM, ermäßigt 4,00 DM.
PUTZ 1-2/98
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