Heft 
(1.1.2019) 1/2
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JÜDISCHE WUNDERMÄNNER UND MAGIER

Karl Erich Grözinger als Gastprofessor in Chicago

Der Geschichte der jüdischen Wunder­männer und Magier im aschkenasischen Judentum zwischen dem 11. und 20. Jahr­hundert und deren Verhältnis zu christli­chen Gestalten vom Schlage eines Dr. Jo­hann Faust waren eine vierwöchige Gast­professur von Prof. Dr. Karl Erich Grö­zinger aus dem Bereich Religionswissen­schaft der Potsdamer Uni an der Univer­sität Chicago und zwei Gastvorträge am Baruch College, New York und an der Duke University, North Carolina gewid­met. Anläßlich dieses Gastaufenthaltes fand zugleich ein Symposium zum Thema Hasidism and Jewish Folklore statt, auf dem Prof. Grözinger ebenfalls sprach.

Die Beiträge von Grözinger zeichneten eine Entwick­lungsgeschichte des jüdi­schen Baal Schem anhand j}iddischer und hebräischer Volkserzählungen sowie Texten von Franz Kafka aus Deutschland, Polen und Böhmen nach. Wichtigstes Resultat war die Beobach­tung, daß sich das Bild die­ser volkstümlichen Helfer­gestalt mit der voran­schreitenden jüdischen wie Christlichen CGeistesge­Schichte veränderte. So stand z.B. im 14./15. Jahr­hundert der exemplarisch fromme und de­mütige Asket im Vordergrund, für den der Gebrauch der magischen Gottesnamen in der Erschafftung eines Golem seine mysti­Sche Klimax fand. Im 16./17. Jahrhundert wandelte sich der jüdische Wundermann zu einem jüdischen Faust vom Typ des Renaissancemagiers, der nicht durch eine als häretisch gebrandmarkte Teufels­bündelei verfolgt war, wie z.B. der von pro­testantischen Ängsten geprägte Dr. Johann Faust des Volksbuches von 1587. In den Jahr­hunderten danach hat vor allem die aske­üsch-messianische lurianische Kabbala das Bild erneut verändert. Der Ba'al Schem wur­de nun zum Sündenpropheten und zum Individualsoteriologischen Psychagogen, der den Seelen aus der Seelenwanderung half. Dessen berühmtester Vertreter ist der Begründer des osteuropäischen Chassidis­Mus Israel Baal Schem Tov.

Wissenschaftler von der Bar Ilan University, Israel und der Universität Chicago zeigten Sine ähnliche Entwicklung anhand der oft varlierten Erzählung vom einfältigen From­Men, der nicht zu beten verstand, auf und erläuterten dies am Beispiel der Maid von Ludomir, der einzigen chassidischen weib­

Die Universität Chicago war für vier Wochen der Ort der Gast­professur von Prof. Dr. Karl Erich Grözinger.

lichen Heiligengestalt, die sich insbesonde­re den Frauen zuwandte. Das 19. Jahrhun­dert ließ den jüdischen Wundermann im Westen schließlich den Weg der Aufklärung betreten, während er in Polen zwischen die Mühlsteine der aufklärerischen und der Chassidischen Politik geriet.

Das Symposium samt Blockseminar von Karl Erich Grözinger hat die Kooperation zwi­schen Chicago und Potsdam weiter vertieft, Sie soll im Sommersemester 1998 mit einem Gegenbesuch von Prof. Dr. Michael Fish­bane von der Universität Chicago und 1999 mit einem Zwillingskongreß in Chicago und Potsdam zum Profil des aschkenasischen Ju­dentums weitergeführt werden. KEG

Foto: zg.

DFG-Förderung für Literaturwissenschaftler

Die Deutsche Forschungsgenmeinschaft (DFG) hat dem Institut für Germanistik der Universität Potsdam 368.000 Mark für For­schungen zur Literatur- und Wissenschafts­geschichte der Mark Brandenburg in der Frühen Neuzeit bewilligt. Mit dem Geld werden zwei wissenschaftliche Mitarbeiter für zunächst zwei Jahre finanziert. Eine Ver­längerung der Förderung wurde in Aus­sicht gestellt.

Das von dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Knut Kiesant geleitete Forschungsprojekt war bis 1996 durch das Wissenschaftler­Integrations-Programm gefördert worden. Erste Ergebnisse liegen bereits vor. Lothar Noack und Jürgen Splett veröffentlichten vor wenigen Monaten im Berliner Akademie­Verlag eine umfangreiche Arbeit zu den Brandenburgischen Gelehrten der Frühen Neuzeit in Berlin-Cölln. Vier weitere Bände zur Wissenschaft und Literatur in der Regi­on zwischen 1486 und 1713 sind geplant. Auch über die Veröffentlichung einer CD­ROM zur Kulturgeschichte der Region wird bereits nachgedacht. mef

GEOFORSCHUNGSZENTRUM IN NEUEN GEBÄUDEN

Das Potsdamer Geoforschungszentrum hat ein neues Zuhause: Bis Mitte Januar bezog die größte außeruniversitäre Forschungseinrich­tung Brandenburgs ihre neuen Gebäude auf dem Telegrafenberg. Ein mehr als fünfjähriges Provisorium ist damit beendet. Seit 1992 waren die mittlerweile 560 GFZ-Mitarbeiter in 17 unter­schiedlichen Gebäuden untergebracht. Jetzt haben sie den überwiegenden Teil ihrer Labore und Büros in den fünf miteinander verbundenen Neubauten. Baustellen wird es auf dem Tele­grafenberg allerdings weiterhin geben. In den kommenden 15 Jahren sollen imWissen­schaftspark Albert Einstein weitere 24 Millio­nen Mark für Sanierungsmaßnahmen investiert werden. mef/ Foto: Fritze

Ausstellung in Bonn

Noch bis zum 19. Aprıl dieses Jahres können Besucher die AusstellungArktis-Antarktis in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland bestau­nen. Themen der dortigen Exposition sind beispielsweise die Eroberung der Pole, die Menschen der Arktis und die künstlerischen Visionen von Eiswüste und Weltrand. Die Schau widmet sich der wissenschaftlichen Polarforschung und stellt diese durch künst­lerische Beiträge in einen gesamtkulturellen Zusammenhang. Den Besucher erwarten auf circa 2000 Quadratmetern eine Inszenie­rung mit multimedialen Darstellungen wis­senschaftlicher Experimente und Installatio­nen sowie etwa 500 Leihgaben, darunter hi­storische wissenschaftliche Geräte, Expedi­tionsrelikte, kostbares Kartenmaterial und Kunstwerke aus aller Welt.

An der Vorbereitung der Ausstellung war auch das mit der Universität Potsdam ko­operierende Alfred-Wegener-Institut für Po­lar- und Meeresforschung, Bremerhaven, beteiligt. Die Wissenschaftler stellten Expo­nate zur Verfügung, schrieben Beiträge für den begleitenden Katalog, lieferten Materi­al für die Multimedia- Show. zg./PG.

Außer montags ist die Bonner Ausstellung in der Zeit von 10.00 bis 19.00 Uhr, diens­tays und mittwochs bis 21.00 Uhr, zu be­sichtigen. Der Eintritt kostet 8,00 DM, er­mäßigt 4,00 DM.

PUTZ 1-2/98

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