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(1.1.2019) 03
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DEUTSCHES HOCHSCHULSYSTEM IST ÜBERREGULIERT

Interview mit dem Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Dr. Klaus Landfried

Am Rande der Konferenz des Australien­zentrums sprach Dr. Barbara Eckardt für PUTZ mit dem Präsidenten der Hoch­schulrektorenkonferenz, Prof. Dr. Klaus Landfried, über einige seiner Positionen zur gegenwärtigen Lage der Hochschulen.

PUTZ:Hochschulen zwischen Finanz- und Reformbedarf, so lautete das Thema Ihres Referates auf dieser Tagung. Neue Wege in der Hochschulfinanzierung zu finden, ist Ja durchaus kein deutsches Spezifikum. Wie fällt Ihr Vergleich des australischen mit dem deutschen Hochschulsystem aus? Landfried: Ich glaube, daß solche Verglei­che, die nicht die handelnden Personen und die entsprechenden Rahmenbedingungen ins Auge nehmen, immer problematisch sind. Ich denke aber, daß ein grundlegender Unterschied zwischen den beiden Systemen darin besteht, daß das deutsche in starkem Maße überreguliert ist. Das betrifft sowohl die Vorschriften im Bereich des Haushalts­rechtes, des Dienstrechtes und des Personalvertretungsrechtes, als auch die innere Struktur der Hochschulen. Pragmatis­mus und einfache Lösungen stoßen bei uns häufig auf die Argumente derer, die man als Bedenkenträger bezeichnen könnte. Es fällt im übrigen auf, daß es vor allem Männer sind, die diese Strukturen zentral für die abendländische Kultur halten. Das ist jeden­falls meine persönliche Erfahrung. Wissen­schaftlerinnen und Frauen in den unterstüt­zenden Diensten zeigen viel eher die Bereit­schaft zu pragmatischen Lösungen. In die­sem Zusammenhang sind die Themen Jah­resarbeitszeitkonten und Lebensarbeits­zeitkonten zu nennen, etwas, was uns in den Hochschulen, aber auch Familien kolossal helfen würde, Neues umzusetzen.

PUTZ: Was halten Sie vom australischen Modell der Beteiligung der Akademiker an den Ausbildungskosten nach der Beendi­gung des Studiums?

Landfried: Prinzipiell ist Hochschulausbil­dung immer eine Mischung aus privaten und öffentlichen Gütern. Deshalb ist ein Kostenbeitrag derer, die diese Güter in An­spruch nehmen, eigentlich etwas Selbstver­ständliches. Es muß dabei nur darauf geach­tet werden, daß diese Beteiligung nicht zu einer sozialen Diskriminierung führt und daß die abschreckende Wirkung eines solchen Modells nicht zu groß wird. Die bisherige Handhabung, um genauer zu sein, die frühe­re Handhabung des australischen Modells, also einer Abgabe der Akademiker, nach meiner Vorstellung vor allem an die Hoch­schulen, aus denen sie oder er hervorgegan­gen sind, war sicherlich sowohl zielführend als auch sozial vertretbar. Die in der letzten

Zeit vorgenommenen Kor­rekturen finde ich fatal, und sie machen das Modell nicht mehr vorbildlich. Das betrifft insbesondere die Er­schwernis für die Darlehen und die Reduzierung der staatlichen Zuschüsse an die Hochschulen, so daß die zusätzlichen nachträgli­chen KGebühren-Einnah­men der Hochschulen ih­nen nicht mehr zugute kom­men.

PUTZ: Ist dieses Modell modifiziert auf Deutsch­land übertragbar? Landfried: Ich bin fest da­von überzeugt, daß wir in Deutschland für eine sol­Che Regelung längerfristig auch über die Parteien­grenzen hinweg einen Konsens finden kön­nen. Das, obwohl gegenwärtig der Dis­kussionsstand noch nicht soweit ist. Eine Voraussetzung hierfür aber ist eine gute und ausreichende Studienfinanzierung,

Landfried,

Spricht sich für eine großzügige Regelung der Studienfinanzierung aus: der Präsident der Hochschul­rektorenkonferenz, Prof. Dr. Klaus

BAföG, in Deutschland von der wir im Augenblick allerdings noch weit ent fernt sind.

PUTZ: Trotz stagnierender und schrumpfender Fi­nanzmittel ergeht der Ruf nach leistungsfähigeren Hochschulen auch in Deutschland. Um das zu erreichen, sollen ihnen mehr Autonomie und Ei genverantwortung Zzuge­standen werden. Wird da­mit den Hochschulen der Schwarze Peter zuge schoben?

Landfried: Wenn Sie ‚Ver­antwortung übernehmen alsSchwarzen Peter Zu­schieben bezeichnen, dann ja. Wer nicht bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, verab­schiedet sich aus einer ernstzunehmenden, von Wissenschaftler/innen verantworteten Hochschulpolitik.

PUTZ: Vielen Dank für dieses Gespräch.

Foto: Fritze

FLEXIBILISIERUNG UND GLOBALISIERUNG DES HAUSHALTS- WAS IST DAS, UND WAS BEDEUTET

IHRE EINFÜHRUNG FÜR UNSERE UNIVERSITÄT?

1. Haben Sie gemerkt, daß im Haushalts­jahr 1997 der Haushalt der Universität Pots­dam erstmals flexibilisiert war? Wenn nicht, so sei Ihnen gesagt, daß den Fakultäten ohne Flexibilisierung des Haushalts ledig­lich acht Mio. DM an Mitteln für Forschung und Lehre zur Verfügung gestanden hätten. Wegen der Flexibilisierung konnten in der Wirklichkeit den Fakultäten 14 Millionen DM zugeteilt werden. Ein Mehr von 75%. Darüber hinaus konnte eine Rücklage in Höhe von 1,2 Mio. DM gebildet werden, die der Universität im Haushaltsjahr'98 zusätz­lich zur Deckung von Abfindungen und Vor­ruhestandskosten zum Abbau des Pesonal­überhangs zur Verfügung steht. Wenn ich den Klagen der Professoren so nachhöre, möchte ich wissen, was wohl ohne diese Verstärkungsmöglichkeit an Jammern und Zagen zu hören gewesen wäre. So konnte es Gott sei Dank, und so möge es blei­ben, nach dem Professorenmotto gehen: Klage, ohne zu leiden!

Wie kommt dieses Ergebnis zustande? Erstmals durften nicht in Anspruch genom­mene Personalmittel aus besetzbaren Stel­len zu den Sach- und Investitionsmitteln um­

gesetzt werden. Bis auf den Tag herunter­gerechnet, wurden so die Mittel von der Stellenwirtschaft geschöpft, die durch den Leerstand einer Stelle, aus welchen Grün­den auch immer, sonst an das Ministerium für Finanzen(MdF) zurückgeflossen wären.

Der wesentliche Vorteil der Flexibilisierung

ist, daß das Budget im ganzen mit nur weni­

gen Ausnahmen als Gesamtheit zur Verfü-| gung steht und nicht mehr begrenzend in| Deckungssegmente eingeteilt ist. Darüber|

hinaus können Haushaltsreste übertragen werden, wenn auch belastet mit einer soge­nannten Flexibilisierungsdividende des

MdE, die sich in einem Abzug von 20% dar-| stellt. Bereits das erste Jahr der Flexibilisie-| rung hat Verhaltensänderungen bewirkt, die| eine deutlich effektivere Bewirtschaftung| des Haushalts signalisieren. In der Weiter-| entwicklung der Flexibilisierung erhoffen wi!|

uns als Universitätsleitung eine weitreichen­

de dezentrale Bewirtschaftungs- und Steue-| rungsbefugnis der Fakultäten, die gemein:| sam mit der Einführung von leistungsbezo-| genen Verteilungskriterien und einer Kosten:| Leistungs-Rechnung Schwerpunktbildung| und Profilierung anstatt Verteilung nach dem|

Gießkannenprinzip fördert.

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