Heft 
(1.1.2019) 03
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2. Die Weiterentwicklung der Flexibilisie­rung soll in die sogenannteGlobalisierung der Hochschulhaushalte münden, was schick und weltoffen klingt. Bei krnitischem Hinsehen und einem falschen System­verständnis zur Durchsetzung von Sparmaß­nahmen, das insbesondere in Regierungs­kreisen weit verbreitet ist, handelt es sich aber nur um einen Euphemismus für eine brutale Deckelung des Haushalts. Wir dür­fen dies zur Zeit schmerzhaft am eigenen Leib erfahren, denn die Globalisierung hat die Hochschulen des Landes ungewollt für den Personalhaushalt98 überrollt, obwohl ;je eigentlich erst 1999 in Form eines gut vorbereiteten Modellversuchs bei richtig definierten Voraussetzungen ausprobiert werden sollte.

Wie kam es dazu, und was bedeutet dies konkret für unsere Hochschule? Der Haus­halt98 sollte auch für die Hochschulen mit einer Stellensperre versehen werden, die im Ergebnis die Hochschulen mit ihrem hohen Anteil an zeitlich befristeten Arbeitsverträgen gegenüber anderen Einrichtungen des Lan­des in besonderer Weise belastet hätte. Hier­nach wären 2/3 der Stellen gesperrt gewe­sen- ein Kopfschuß für eine der vornehm­sten Aufgaben der Universität, die Förde­Yung des wissenschaftlichen Nachwuchses, eine der wenigen innovativen Ressourcen des Landes. In einem mühseligen politi­schen Prozeß konnten die Parlamentarier überzeugt werden, deswegen für die Hoch­schulen auf eine Stellensperre ganz zu ver­Zichten. So weit, so gut! Nur leider stimmte im Eifer der parlamentarischen Beratungen das Parlament gutwillig, aber offensichtlich ahnungslos und ohne Rückkoppelung mit den Hochschulen einem vorgeschlagenen Gegengeschäft der Ministerin für Finanzen ZU, die Deckelung der Personalhaushalte auf die veranschlagten Beträge zu akzeptieren. Die Freude der Hochschulen schlug in Ent­Setzen um, als bei näherem Nachrechnen Klar wurde, daß der eingesetzte Betrag kaum ausreichen würde, das zum 31.12.1997 vor­handene Personal zu finanzieren, geschwei­se denn über eine Flexibilisierungsreserve für Neueinstellungen und Wertschöpfungen zu verfügen. Im Handstreich waren daher die Bewirtschaftungsmöglichkeiten der Hoch­Schulen für den Haushalt98 verspielt. Der

Ersuch der Nachbesserung durch die Abge­Ordneten der Mehrheitsfraktion auf Interven­tion der Hochschulen durch zusätzliche Fi­NaNzierung von einem Drittel der im Haushalt vorhandenen aber zum 1.1.1998 nicht besetz­ten Stellen das Schlimmste abzuwenden, Scheiterte, da sich das Ministerium für Wis­S©NSChaft, Forschung und Kultur offensichtlich ederum ohne sorgfältige Recherche zur ve inanzierung dieses Drittels mit einem Chschlag von drei Mill. für alle Hochschu­

N aus der Personalreserve des Landes ab­

finden ließ. Heute wissen wir, daß auch die­ser erhöhte Betrag gerade ausreichen würde, die Personalbestandskosten der Universität Potsdam für98 auszugleichen.

Das Ziel des Parlaments, die Hochschulen zu entlasten, wurde damit total verfehlt. Die Hochschulen stünden nach der vorgenom­menen Abmilderung der Stellensperre durch das Parlament mit der Unterwerfung unter eine Stellensperre heute weit besser da als mit der nunmehr getroffenen Sonder­regelung für die Hochschulen. Unsere Uni­versität wurde durch die Deckelung des Pesonalhaushalts um eine Flexibilisie­rungsreserve von rund 5,8 Mio. DM betro­gen, ein politisches Desaster.

Wir fordern daher, im Wege der Nachbes­serung der finanziellen Ausstattung der Personalhaushalte der Hochschulen, die vom Parlament beabsichtigte Entlastung der Hochschulen sicherzustellen. Die Dek­kelung der Personalhaushalte der Hoch­schulen muß mindestens in dem Umfang aufgehoben werden, der dem Flexibilisie­rungsspielraum entspricht, den die Hoch­schulen hätten, wenn sie der allgemeinen Besetzungssperre des Haushaltsgesetzes '98 unterlägen. In diesem Fall könnten sie zwei Drittel der 98 freien und freiwerden­

den Stellen zur Wiederbesetzung oder Wertschöpfung mobilisieren. Nur so kön­nen die Hochschulen mit der schamlosen und im Hinblick auf die97 eingeführte Haushaltsflexibilisierung bewußt fortge­führten Unterfinanzierung des Sachmittel­bedarfs fertig werden. An unserer Univer­sität allein beträgt diese Unterfinanzierung rund sechs Mio. DM.

Was lehrt uns das? Globalisierung ist kein Fortschritt an sich. Die Bedingungen müs­sen stimmen. Entscheidende Bedingungen sind eine auskömmliche Ausfinanzierung der Personalhaushalte der Hochschulen und die Freistellung von haushalts­wirtschaftlichen Beschränkungen mit Aus­nahme globaler Minderausgaben, die mög­licherweise aufgrund von sinkenden Steu­ereinnahmen des Landes unerläßlich sind. Von den kleinen Hochschuleinrichtungen nicht steuerbare Risiken müssen in der So­lidarhaftung des Landeshaushalts verblei­ben. Hierzu gehören insbesondere Pensi­onszahlungen und Tariıfsteigerungskosten. Ohne Sicherstellung dieser Bedingungen wird die Universität Potsdam an einem Mo­dellversuch des Landes nicht beteiligt sein.

Alfred Klein

KOOPERATIONSVERTRAG UNTERZEICHNET

Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Mee­resforschung(AWTI) und die Universität Potsdam sind nun auch Vertragspartner geworden: AWI­Direktor Prof. Dr. Jörn Thiede(r.) und Unt-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder freuten sich, nach der bislang bereits praktizierten sehr guten Zusammenarbeit eine offizielle Vereinbarung über die Kooperation beider Einrichtungen un­terzeichnen zu können.

Das neunseitige Papier enthält u.a. Leitlinien für die gemeinsame Beru-fung von Professoren und die Vergabe von Lehraufträgen an das AWI. Darüber hinaus regelt der Vertrag den Aus­tausch von Forschungsgeräten und wissen­schaftlichen Ergebnissen sowie die gemein­same Förderung des wissenschaftlichen Nach­

wuchses. Be­reits jetzt reicht die Zusammen­arbeit von ge­meinsamen Forschungs­projekten über die Betreuung von Diploman­den bis zur Teilnahme von Studenten und Mitarbeitern der Uni; an AWI-Expedi­tionen, wıe z.B, nach Sibirien. Zudem konn­ten mit: Dr. Hans-Wolfgang Hubberten (Isotopengeo­logie) und Dr. Klaus Dethloff(Atmosphären­physik) zwei Professoren gemeinsam von bei­den Institutionen berufen werden. AWI-Direktor Prof. Dr. Jörn Thiede bekräftigte bei der Ver­tragsunterzeichnung, die Kooperation der Pots­damer Universität mit außeruniversitären For­schungseinrichtungen auch weiterhin nach Kräf­ten fördern zu wollen. Das AWI zählt zu den 16 Großforschungseinrichtungen der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher For­schungszentren. Die Potsdamer Außenstelle des Bremerhavener Instituts wurde 1992 auf dem Potsdamer Telegrafenberg gegründet, Bislang hatte die Einrichtung lediglich mit der Univer­sität Bremen einen Kooperationsvertrag unter­zeichnet, Hg./Foto: Fritze

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