EIN NEUES STEUERUNGSMODELL?
Hochschulgesetzentwurf Brandenburgs immer noch in der Diskussion
Im September 1997 hat Brandenburgs Wissenschaftsminister Steffen Reiche seinen Referentenentwurf eines neuen Hochschulgesetzes für das Land vorgelegt. Sollte er anfänglich noch zügig in den Gesetzgebungsprozeß eingespeist werden, so ist das Verfahren mittlerweile etwas ins Stocken gekommen: Auf Bundesebene ist die Novellierung des Hochschulrahmengesetzes in die Mühlen des Wahlkampfes geraten; eine Einigung, die ebenfalls eine Richtungsvorgabe für die Länder sein sollte, scheint vorerst nicht in Sicht. Und auch in Brandenburg ist an dem Landesgesetzentwurf bereits viel Kritik geübt worden. Dies wurde einmal mehr deutlich, als Minister Reiche sich gegen Ende des Wintersemesters an der Universität Potsdam einfand, um mit Vertretern aller drei Potsdamer Hochschulen über sein Gesetzesvorhaben zu diskutieren.
Dem Moderator des Meinungsaustausches, Tagesspiegel-Redakteur Uwe Schlicht, war es dabei zu verdanken, daß die Diskussion strukturiert über die wichtigsten Themenkomplexe geführt werden konnte. Einen der zentralen Punkte bildete erneut der Landeshochschulrat, den Minister Reiche einführen möchte, und die Frage, ob dieses Gremium nur beratende oder mitentscheidende Funktionen haben bzw. wer dessen Mitglieder bestimmen sollte. Was die Bestellung der Mitglieder betrifft, so hat der Minister bereits seine bisherige Position— gemäß der er alleine die Mitglieder berufen würde— dahingehend relativiert, daß der Ministerpräsident auf Vorschlag des Wissenschaftsministers nach Anhörung der Hochschulen und des Landtages die in Frage kommenden Personen bestellen sollte. Ferner verkündete Steffen Reiche die Einsetzung von weiteren regionalen Hochschulräten, die jeweils für eine Hochschule als Arbeitsgruppe des Landeshochschulrates beratend tätig sein sollten.
Weit auseinander gingen die Meinungen in bezug auf das vorgesehene alleinige Kandidatenvorschlagsrecht des Landeshochschulrates für die Wahl der Präsidenten der Hochschulen. Während der Rektor der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, die diesbezügliche Legitimation des immer noch nur durch die Exekutive bestimmten Gremiums anzweifelte und als „notfalls rechtlich zu überprüfen“ bezeichnete, stellte der Wissenschaftsminister den Rat als nur beratend mit einem einzigen Vorschlagsrecht dar. Insgesamt, So zeigte die Debatte, wünschten sich die Hochschulen anstelle des vorgesehenen Rates ein mit wirklichen Kompetenzen versehenes und
hochschulnah ausgerichtetes Gremium, dessen Mitglieder zumindest zum Teil von den Hochschulen bestellt werden und je weils nur für eine Hochschule zuständig sein sollten.
Mehr Mitbestimmung eingefordert
Die Monita der Studierenden kreisten primär um die ihrer Meinung nach auch im neuen Gesetzentwurf zu geringen Mitbestimmungsmöglichkeiten. Sie lehnten die vorgesehene Konzentration der Entscheidungsbefugnisse auf einen Hochschulpräsidenten genauso wie Rektor Loschelder klar ab. Stattdessen forderten sie zentrale Hochschulgremien, die statusübergreifend von allen Hochschulangehörigen gewählt werden sollten. Das hieße, daß beispielsweise auch die Gruppe der Professorinnen und Professoren von allen Statusgruppen nach dem Grundsatz„one man, one vote“ bestimmt werden würden. Dies allerdings, so Reiche, sei verfassungsrechtlich nicht möglich. Er stellte allerdings die Möglichkeit in Aussicht, daß sich Studierenden
MULTIMEDIA UND VIRTUELLE WELTEN
Die Zentrale Einrichtung für Informationsverarbeitung und Kommunikation(ZEIK) der Universität bot im vergangenen Wintersemester erstmalig eine Ringvorlesung zu„Multimedia und virtuelle Welten in internationalen Netzwerken“ an, in der aktuelle Entwicklungen zu unterschiedlichen Bereichen des multimedialen Informationssystems Internet vorgestellt wurden. Eingeladen waren externe Referenten aus Forschung und Praxis. Die Spanne der Themen reichte von Funktionalität und Leistungsfähigkeit künftig zu erwartender Netztechnologien über innovative Techniken, die mit der Nutzung der Programmiersprache JAVA möglich sind, Projekte zum wissenschaftlichen elektronischen Publizieren bis hin zu aktuellen Entwicklungen bei Internet-Suchmaschinen sowie der qualitativen inhaltlichen Aufbereitung wissenschaftlicher Informationen im WWW mittels Metadaten. Folien oder Skripte einzelner Vorträge sind— sofern von den Referenten selbst ins Web gelegt— über die WWW-Seite der ZEIK(http://www.uni-potsdam.de/u/ zeik/termin97.htm) für jedermann abrufbar. Die positive Resonanz auf das Angebot innerhalb und außerhalb der Uni ermutigte die ZEIK, diese Veranstaltungsreihe im Sommersemester 1998 fortzusetzen.
Aktuelle Informationen über Termine und Räume unter http://www.uni-potsdam.de/ u/zeik/termin97.htm. C.B.
vertreter künftig nicht mehr nur zu hochschulpolitischen Themen, sondern auch zu wissenschaftspolitischen Themen offiziell äußern dürfen. Gegen eine Ausweitung auf ein allgemeinpolitisches Mandat— wie von den Studierenden gefordert— spreche jedoch nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts das Grundgesetz. Unter dem Beifall vieler Anwesender stellte der Rektor der Fachhochschule Potsda Prof. Dr. Helmut Knüppel, gegen Ende der Diskussion fest, daß die im Zusammenhang mit der Novellierung des brandenburg!schen Hochschulgesetzes stehende Devise „Freiheit statt Geld“ lautete; allerdings sei es ihm immer noch nicht recht gelungen, auszumachen, wo denn nun in dem Entwurf die
große Freiheit liegen würde. Der Wis
senschaftsminister jedenfalls möchte sein| Gesetzesvorhaben weiter vorantreiben. Im
Mai soll die etwas modifizierte Novelle dem
Kabinett zur Entscheidung vorgelegt wer
den. Steffen Reiche hofft, daß der Landtag eventuell noch vor der Sommerpause das| neue Gesetz beschließen könnte. Ho. 8
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GRUNDSTEINLEGUNG| FÜR HFF-NEUBAU
Ende Februar 1998 legte Steffen Reiche,_ Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, den Grund stein zum Neubau der Hochschule für Film und Fernsehen„Konrad Wolf“(HFF) a dem Gelände der Medienstadt Babelsberg. „Die HFF wird elementarer Teil des interna: tionalen Medienzentrums Potsdam-Babels: berg sein“, sagte Minister Reiche während der Grundsteinlegung.„Dieses Zentrum soll sich zu einem wichtigen Wirtschafts:| und Innovationszentrum entwickeln. Dies kann erreicht werden, wenn Ausbildung,| Produktion und Dienstleistung effektiv ZU sammenarbeiten. Mit der Entscheidung| den Neubau der Hochschule für Film und| E Fernsehen auf dem Gelände der traditions. reichen Medienstadt Potsdam-Babelsberg. zu errichten, unterstreicht die Landesregie| rung die Bedeutung dieses Standortes.“ Auf| dem Gelände haben sich bereits Fernseh| und Rundfunkstudios, das High Tech Cer ter und viele innovative Medienunte!| nehmen angesiedelt. Der Neubau wird den Raumbedarf der Hr|} von 10.246 Quadratmetern Hauptnutzfläch® komplett abdecken. Die Gesamtkosten be‘| tragen 102,86 Mio. DM. Die Bauinvestitio‘_ nen werden über ein Ratenkaufmodell f-. nanziert. Das Land Brandenburg beschre‘ tet damit in der Hochschulbaufinanzierun| einen neuen Weg. pm|
ENDE NANNTE
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