Befaßt sich mit der Rolle der Kommunen im vereinten Europa: Prof. Dr. Dieter C. Umbach aus der Juri
stischen Fakultät. Foto: Fritze
PUTZ: Was veranlaßte Sie, im Zusammenhang mit Europa den Aspekt der Kommunen hervorzuheben?
Umbach: Im Rahmen meiner Forschungen zum Verfassungsrecht beschäftige ich mich unter anderem mit den Kommunen in Deutschland und den Ländern. So kam uns die Idee, deren Rolle im Kontext der Entwicklung zu einem vereinten Europa näher zu untersuchen. In Diskussionen ergibt sich immer wieder die Frage, worauf gründet sich ein zukünftiges Europa? Wenn kein Europa der Nationalstaaten entstehen soll, dann eines der Regionen oder der Kommunen? Regionen umschließen nicht nur mehrere Kommunen, sondern sind auch länderübergreifend. Mit diesen Gedanken wollen wir neue Dimensionen aufzeigen, über die Grenzen blicken.
PUTZ: Sichtbares Zeichen der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wird die Einführung der gemeinsamen
Währung Euro am 1. Januar 1999 sein. Können Sie die Beunruhigung vieler Menschen in diesem Zusammenhang nachvollziehen? Umbach: Wer die Verunsicherungen und Ängste der Menschen nicht versteht, ist realitätsfern. Die Entwicklung, die sich nach der Einführung des Euros ergibt, ist noch nicht absehbar. Viele Fragen können derzeit nicht detailliert beantwortet werden. So beispielsweise: Wie erfolgen Abrechnungen oder die Haushaltung? Man muß deutlich sagen, daß wir in den Einzelheiten nicht wissen, was auf uns zukommt. Weil das so ist, wollten wir auf der Konferenz unserer Phantasie freien Lauf lassen und Ideen dazu entwickeln. Mit der Einführung des Euros ist nicht in erster Linie die Währungsänderung von Relevanz. Viel entscheidender sind die politisch-strukturellen, mit ihren Konsequenzen bisher kaum abschätzbaren Veränderungen. Andererseits erleben wir alle täglich schon europäische Dimensionen. So bei Europanormen in den unterschiedlichsten Bereichen. Wir können nicht auf der einen Sei
KONSEQUENZEN NOCH NICHT ABSEHBAR
„Europa und die Kommunen” auf einer KWI-Tagung debattiert
Die vierte Fachtagung des Kommunalwissenschaftlichen Institutes(KWI) der Uni beschäftigte sich Ende März dieses Jahres mit dem Thema“Europa und die Kommunen”. Drei Komplexe standen dabei im Mittelpunkt: historische, rechtstheoretische und politische Aspekte kommunaler Selbstverwaltung und europäischer Einigung, Erfahrungen und Probleme grenzüberschreitender kommunaler Zusammenarbeit in Europaregionen der alten und neuen Bundesländer sowie Fragen der Einführung des Euros aus kommunaler und aus Sicht der Finanzwirtschaft. Zu den Teilnehmern gehörten neben Wissenschaftlern vor allem Oberbürgermeister, Bürgermeister, Amtsdirektoren, vom Ministerium der Justiz und für Bundes- und Europaangelegenheiten die Staatssekretärin Irmgard von Rottenburg, Beigeordnete, Vertreter von Landtagen und der EU. Im Vorfeld der Tagung sprach Dr. Barbara Eckardt für PUTZ mit Prof. Dr. Dieter C. Umbach. Dem Professor für Verwaltungsrecht mit Sozialrecht sowie Europäisches Verfassungs- und Sozialrecht oblag die inhaltliche Ausgestaltung dieser Konferenz.
te nationalstaatliche Privilegien behalten wollen und auf der anderen Seite die Öffnung des Marktes fordern.
PUTZ: Welche Auswirkungen hat die neue europäische Situation auf den Föderalismus? S Umbach: Folgen entstehen selbstverständlich nicht nur für Europa als Ganzes, sondern natürlich für Deutschland. Das Zeitalter der klassischen Nationalstaaten ist seit dem Zweiten Weltkrieg vorbei. Es entsteht die Frage, ob wir eine neue Art von Föderalismus bekommen, indem die Länder gar nicht mehr ihre alte Rolle übernehmen können. Föderale Länder gibt es weder in Frankreich noch in Großbritannien. Deshalb bezweifle ich, daß sich diese Staaten auf unser föderales Konzept einlassen. Es bricht also mit Sicherheit ein Streit darüber aus, wer die Rolle der Ländereinheiten ausfüllen wird. Ich bin der Ansicht, daß es die Kommunen sein könnten. Damit wäre auch die größte Bürgernähe gegeben.
PUTZ: Vielen Dank für dieses Gespräch.
CHANCEN UND PROBLEMATIK IM M&A- GESCHÄFT
Hilmar Kopper, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutsche Bank AG, referierte über kapitalmarktorientierte Strukturanpassungen
Am 19. Januar 1998 fanden die fachöffentlichen Gastvorträge des Bereichs Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Finanzierung und Banken einen weiteren Höhepunkt. Der Einladung von Prof. Dr. Detlev Hummel folgten rund 330 Zuhörer aus Wirtschaft und Bankwesen, Studierende und Wissenschaftler der Universität Potsdam, um Hilmar Kopper, bis Mai 1997 Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank, zu hören und anschließend mit dem Referenten über die Notwendigkeit und die Problematik der Unternehmensbeteiligungen von Banken sowie die Besonderheiten des M&A-Geschäftes in Deutschland zu diskutieren.
Bei„Mergers and Acquisitions“, so Kopper, handelt es sich um einen im angelsächsischen Bankwesen stark entwickelten Geschäftsbereich für die Vermittlung von Unternehmenszusammehschlüssen und-übernahmen. Zu den angebotenen Dienstleistungen einer Bank im M&A-Geschäft gehören die Beratung und Betreuung von Firmen beim Kauf, Verkauf oder Zusammenschluß verschiedener Unternehmungen oder von Unternehmensteilen, aber auch die Abwehr ungewollter Unternehmensübernahmen. Daher läßt sich dieser Bereich des Bankengeschäfts besser als„Corporate Advisory Service“ bezeichnen.
Aufgrund der Globalisierung der Wirtschaft, der Deregulierung vieler Wirt
schaftsbereiche und geänderter Geschäftsstrategie großer Unternehmer erfuhr der Markt für M&A's in den letzten Jahren einen Aufschwung: Allein in Nordamerika sind 11.000 M&A-Transaktionen im Jahr 1997 mit einem Volumen von 900 Mrd. USDollar im Zuge der Anpassung der Wirtschaftsstrukturen erfolgreich vermittelt worden. In Europa belief sich der Wert der M&A-Transaktionen im vergangenen Jahr auf 450 Mrd. DM, wobei grenzüberschreitende Transaktionen noch die Ausnahme waren. In Deutschland wurde mit einem Volumen von 150 Mrd. DM in 1997 ein höheres M&A-Volumen als in den Vorjahren abgewickelt. Auffällig sei, so Kopper, daß der Erwerb von deutschen Produktions- P
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