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»- unternehmen seitens des Auslands bisher kaum vorkam.
Besondere Beachtung fanden die Zusammenschlüsse größerer börsennotierter Aktiengesellschaften— etwa die Übernahmetransaktion der Telefongesellschaften MCI durch Worldcom im Wert von 36 Mrd. USDollar in den USA, das Zusammengehen der Schweizer Chemiekonzerne Ciba Geigy und Sandoz zu Novartis oder auch die Fusion der beiden bayerischen Großbanken Hypobank und Vereinsbank. Geringe öffentliche Beachtung finden hingegen häufig Verkäufe einzelner Unternehmensteile, beispielsweise wenn ein großer Elektrokonzern wie Thyssen seine Haushaltsgerätesparte E-Plus veräußert.
Unverständlicherweise, so Kopper weiter, werde in den Medien häufig von einem „Coup“ gesprochen, sollte ein deutsches Unternehmen ein anderes, eventuell ausländisches erwerben. Die Übernahme eines deutschen Unternehmens durch ein | ausländisches werde dagegen oft als Nie| derlage empfunden. Dabei bliebe unklar, wann ein Unternehmenskauf oder-verkauf ohne und wie ein fairer Preis ermittelt wer| den kann. Gerade bei der Unternehmens
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| bewertung und dem Finden eines optimalen Vertragspartners sei die Expertise ei| ner Bank von großem Nutzen. Das M&AGeschäft war früher eine Domäne der Universalbanken und der Privatbankiers. Heute bewegen sich zusätzlich in diesem Markt spezialisierte Institute wie die ameUkanischen Investmentbanken Goldman Sachs oder Merril Lynch. Deutsche Banken haben sich durch den Kauf spezialiSS Merchant-Banks in Großbritannien Zusätzliche Kompetenz eingekauft,
Universalbanken ist es so möglich, Beratung und finanzielle Mittel aus einer Hand anzubieten.
Zur angeblichen Machtanhäufung in Banken entgegnete Kopper: Im Gegensatz zu anderen Ländern ist der Konzentrationsgrad im Bankengewerbe in Deutschland eher gering. Die fünf größten privaten Banken haben in Deutschland einen Marktanteil von 20 Prozent, die Deutsche Bank verfügt als Branchenführer über einen Marktanteil von fünf Prozent. Kopper nannte den niedrigen Konzentrationsgrad und den vorhandenen Wettbewerb im deutschen Bankenwesen als Gründe, weshalb in Deutschland in den letzten Jahrzehnten keine nennenswerte Bankenkrise— wie in vielen anderen Industrieländern— stattfand.
Für einen Unternehmenskauf könnten aus Unternehmenssicht das Umsatzwachstum, der Zugewinn von Marktanteilen, die Akquisition von Technologien und Know-How und das Erreichen kritischer UnternehmensgröBen sowie Synergieeffekte bei Forschung, Entwicklung, Vertrieb usw. sprechen. Gründe für den Verkauf von Unternehmen oder Unternehmensteilen stellen beispielsweise die Konzentration auf Kernkompetenzen,
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; Rund 380 Zuhörer fanden sich ein, um die Ausführungen des Vorsitzenden des Aufsichtsrates der | Deutschen Bank AG zu hören und mit ihm zu diskutieren.
Foto: Fritze
der Generationswechsel und auch die Verselbständigung von Gesellschaften zum Zweck einer größeren Flexibilität dar.
Für Universalbanken steht hier die Aufgabe, Erfahrungslücken gegenüber ausländischen Wettbewerbern zu schließen und Interessenskonflikte in ihren verschiedenen Funktionen besser zu lösen. Die zahlreichen Kreuz- und Querverbindungen zwischen deutschen Banken, Versicherern und Firmen werden— auch durch den Verkauf
Sprach an der Uni über Fusionen und Unter
nehmenskäufe: Hilmar Kopper. Foto: Fritze großer Bankbeteiligungen— eher geringer, So daß deutsche Aktiengesellschaften gegenüber unerwünschten Aufkäufen aus dem Ausland nicht mehr so sicher sein können wie bisher. Die bisher als uneinnehmbar geltende Festung„Corporate Germany“ kann im europäischen Binnenmarkt sowie im globalen Wettbewerb als Auslaufmodell gewertet werden.
In der Zukunft komme es in deutschen Banken darauf an, sich kreativer mit den Problemen ihrer Firmenkunden auseinanderzusetzen und bei der Anbahnung von Geschäften hilfreicher zu sein. Also nicht nur Abwicklung von Kundenaufträgen sondern auch Entwicklung bankeigener M&A-Ideen werden den härter werdenden Wettbewerb mit dem Ausland entscheiden. Kopper erwartet eine deutliche Versachlichung der M6&A-Thematik in der Zukunft. Es werde sich die Erkenntnis durchsetzen, daß M&ATransaktionen Unternehmen die Optimierung der Geschäftsstruktur und-felder ermöglichen. Das zunehmende ShareholderValue-Bewußtsein deutscher Vorstände wird zur Stabilität von Unternehmen und Arbeitsplätzen beitragen. Eine kapitalmarktorientierte Umstrukturierung der Wirtschaft wird tendenziell effizienter laufen, als dies staatliche Behörden regulieren können. Dies zeigen auch die Erfahrungen mit der Treuhandanstalt in den östlichen Bundesländern.
In diesem Geschäftsfeld sind hochqualifizierte Spezialisten mit komplexer Öökonomischer, juristischer, sozialer und multikultureller Kompetenz gefragt. Interdisziplinäre Forschungskooperation und Studiengänge mit Auslandsmodulen an den Universitäten können helfen, Verständnisprobleme und Angebotsdefizite am Arbeitsmarkt für Führungskräfte zu überwinden. dh/phs
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