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(1.1.2019) 03
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»- unternehmen seitens des Auslands bis­her kaum vorkam.

Besondere Beachtung fanden die Zusam­menschlüsse größerer börsennotierter Ak­tiengesellschaften etwa die Übernahme­transaktion der Telefongesellschaften MCI durch Worldcom im Wert von 36 Mrd. US­Dollar in den USA, das Zusammengehen der Schweizer Chemiekonzerne Ciba Geigy und Sandoz zu Novartis oder auch die Fusion der beiden bayerischen Groß­banken Hypobank und Vereinsbank. Gerin­ge öffentliche Beachtung finden hingegen häufig Verkäufe einzelner Unternehmens­teile, beispielsweise wenn ein großer Elek­trokonzern wie Thyssen seine Haushaltsge­rätesparte E-Plus veräußert.

Unverständlicherweise, so Kopper weiter, werde in den Medien häufig von einem Coup gesprochen, sollte ein deutsches Unternehmen ein anderes, eventuell aus­ländisches erwerben. Die Übernahme ei­nes deutschen Unternehmens durch ein | ausländisches werde dagegen oft als Nie­| derlage empfunden. Dabei bliebe unklar, wann ein Unternehmenskauf oder-verkauf ohne und wie ein fairer Preis ermittelt wer­| den kann. Gerade bei der Unternehmens­

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| bewertung und dem Finden eines optima­len Vertragspartners sei die Expertise ei­| ner Bank von großem Nutzen. Das M&Geschäft war früher eine Domäne der Uni­versalbanken und der Privatbankiers. Heu­te bewegen sich zusätzlich in diesem Markt spezialisierte Institute wie die ame­Ukanischen Investmentbanken Goldman Sachs oder Merril Lynch. Deutsche Ban­ken haben sich durch den Kauf speziali­SS Merchant-Banks in Großbritannien Zusätzliche Kompetenz eingekauft,

Universalbanken ist es so möglich, Bera­tung und finanzielle Mittel aus einer Hand anzubieten.

Zur angeblichen Machtanhäufung in Ban­ken entgegnete Kopper: Im Gegensatz zu anderen Ländern ist der Konzentrations­grad im Bankengewerbe in Deutschland eher gering. Die fünf größten privaten Ban­ken haben in Deutschland einen Marktan­teil von 20 Prozent, die Deutsche Bank ver­fügt als Branchenführer über einen Markt­anteil von fünf Prozent. Kopper nannte den niedrigen Konzentrationsgrad und den vor­handenen Wettbewerb im deutschen Ban­kenwesen als Gründe, weshalb in Deutsch­land in den letzten Jahrzehnten keine nen­nenswerte Bankenkrise wie in vielen an­deren Industrieländern stattfand.

Für einen Unternehmenskauf könnten aus Unternehmenssicht das Umsatzwachstum, der Zugewinn von Marktanteilen, die Akqui­sition von Technologien und Know-How und das Erreichen kritischer Unternehmensgrö­Ben sowie Synergieeffekte bei Forschung, Entwicklung, Vertrieb usw. sprechen. Grün­de für den Verkauf von Unternehmen oder Unternehmensteilen stellen beispielsweise die Konzentration auf Kernkompetenzen,

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; Rund 380 Zuhörer fanden sich ein, um die Ausführungen des Vorsitzenden des Aufsichtsrates der | Deutschen Bank AG zu hören und mit ihm zu diskutieren.

Foto: Fritze

der Generationswechsel und auch die Ver­selbständigung von Gesellschaften zum Zweck einer größeren Flexibilität dar.

Für Universalbanken steht hier die Aufga­be, Erfahrungslücken gegenüber ausländi­schen Wettbewerbern zu schließen und Interessenskonflikte in ihren verschiedenen Funktionen besser zu lösen. Die zahlrei­chen Kreuz- und Querverbindungen zwi­schen deutschen Banken, Versicherern und Firmen werden auch durch den Verkauf

Sprach an der Uni über Fusionen und Unter­

nehmenskäufe: Hilmar Kopper. Foto: Fritze großer Bankbeteiligungen eher geringer, So daß deutsche Aktiengesellschaften ge­genüber unerwünschten Aufkäufen aus dem Ausland nicht mehr so sicher sein kön­nen wie bisher. Die bisher als uneinnehm­bar geltende FestungCorporate Ger­many kann im europäischen Binnenmarkt sowie im globalen Wettbewerb als Auslauf­modell gewertet werden.

In der Zukunft komme es in deutschen Ban­ken darauf an, sich kreativer mit den Proble­men ihrer Firmenkunden auseinanderzu­setzen und bei der Anbahnung von Ge­schäften hilfreicher zu sein. Also nicht nur Abwicklung von Kundenaufträgen sondern auch Entwicklung bankeigener M&A-Ideen werden den härter werdenden Wettbewerb mit dem Ausland entscheiden. Kopper er­wartet eine deutliche Versachlichung der M6&A-Thematik in der Zukunft. Es werde sich die Erkenntnis durchsetzen, daß M&Transaktionen Unternehmen die Optimie­rung der Geschäftsstruktur und-felder er­möglichen. Das zunehmende Shareholder­Value-Bewußtsein deutscher Vorstände wird zur Stabilität von Unternehmen und Ar­beitsplätzen beitragen. Eine kapitalmarkt­orientierte Umstrukturierung der Wirtschaft wird tendenziell effizienter laufen, als dies staatliche Behörden regulieren können. Dies zeigen auch die Erfahrungen mit der Treuhandanstalt in den östlichen Bundes­ländern.

In diesem Geschäftsfeld sind hochqualifi­zierte Spezialisten mit komplexer Öökonomi­scher, juristischer, sozialer und multikul­tureller Kompetenz gefragt. Interdisziplinä­re Forschungskooperation und Studiengän­ge mit Auslandsmodulen an den Universi­täten können helfen, Verständnisprobleme und Angebotsdefizite am Arbeitsmarkt für Führungskräfte zu überwinden. dh/phs

PUTZ 3/98

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