ERSTE SCHRITTE BEIM TELETEACHING
Zusammenarbeit der Universitäten Potsdam und Paderborn
Prof. Dr. Schwill sicherte per Teleteaching für Paderborner Lehramtsstudenten eine Veranstaltung zur Didaktik der Informatik.
Foto: Tribukeit
Potsdams Alma mater betritt zunehmend Neuland. So haben im vergangenen Jahr Prof. Dr. Andreas Schwill aus dem Institut für Informatik der Uni Potsdam und Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Informatik und Gesellschaft der Uni Paderborn unter Leitung von Prof. Dr. Reinhard Keil-Slawik eine gemeinsame TeleteachingLehrveranstaltung im Lehramtsstudium Informatik durchgeführt.
Hintergrund dafür bildeten in Paderborn damals fehlende Veranstaltungen auf dem Fachgebiet der Didaktik der Informatik. Insgesamt neun Studierende fanden sich in der dortigen Hochschule schließlich zu einer Projektgruppe zusammen, die ihre fachliche Fernbetreuung aus Potsdam erhielt. Die Form der Veranstaltung besaß dabei Neuheitswert im Lehramtsstudium. Ziel der Ausbildung war die Bearbeitung ausgewählter didaktischer Fragestellungen, die im schulischen Informatikunterricht von besonderer Bedeutung sind. Um einen reibungslosen Informationsfluß zu sichern, erfaßte man in Potsdam alle Dokumente und Absprachen, die während der Projektzeit anfielen, elektronisch und stellte sie für den Zugriff durch die Beteiligten zur Verfügung. Wesentliche
TURBULENTES 21. JAHRHUNDERT?
Zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Harald Fuhr
Mit einer ausführlichen Darstellung globaler Trends und den daraus resultierenden Schwerpunkten zukünftiger Forschung und Lehre im Bereich internationaler Beziehungen und internationaler Kooperation befaßte sich Harald Fuhr, Professor für Internationale Politik an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, im Rahmen seiner Antrittsvorlesung unter dem Titel„Turbulentes 21. Jahrhundert? Einige Überlegungen zu den internationalen Beziehungen und der Rolle internationaler Zusammenarbeit“.
Ausgehend von der Überlegung, ob wir noch auf dem Weg in die Modernität seien, die Professor Fuhr als ‚Wohlstand, Bürgerrechte und Demokratie für alle“ umriß, ana]ysierte er eine Vielzahl globaler Trends, die konstitutiv für die Turbulenzen sind, denen sich die zukünftige Forschung im Bereich internationaler Politik gegenübersieht.
Durch mehrdimensionale Formen der Globalisierung einer stetig wachsenden und zunehmend vernetzten Weltwirtschaft, durch die technologische Revolution und durch quantitative Veränderungen in der Bedeutung heutiger Industrie- und Entwicklungsländer entstehe eine neue Struktur der internationalen Gesellschaft. Das wirtschaftliche Wachstum führe nicht überall und nicht in gleicher Geschwindigkeit zu den angestrebten Einkommenszuwächsen sowie zu demokrati
schen Partizipations- und Menschenrechten breiter Bevölkerungsschichten. In der Folge entstünden Ungleichheiten mit der Gefahr angehäufter politischer Instabilität, die sich beispielsweise in über Religion, Nationalismus oder ethnischer Zugehörigkeit artikulierten Forderungen und Protesten niederschlügen. Die Erscheinungen komplexer Probleme, mit denen sich internationale Entscheidungsträger konfrontiert sehen, ließen sich demnach beliebig erweitern, z.B. um globale Umweltzerstörung oder grenzüberschreitende Migrationsbewegungen. Diese vielschichtigen Schwierigkeiten könnten nicht mehr durch traditionelle Außen-, Sicherheits- oder Entwicklungspolitik, sondern nur noch durch gezielte und neu strukturierte internationale Kooperation zwischen nationalen und internationalen staatlichen wie nichtstaatlichen Akteuren bewältigt werden. Die Rolle und Verantwortlichkeiten des Nationalstaates verändern sich, so Fuhr, indem neue Akteure in die Politikgestaltung eingebunden werden müssen. Die nationale Wirtschafts- und Außenpolitik werde durch neue Akteure beeinflußt; neue internationale Aufgabenfelder entstünden. Der Politikwissenschaftler konstatierte in diesem Zusammenhang jedoch eine trotz historisch außergewöhnlicher Chancen im Bereich internationaler Politik noch zu geringe Umsicht, zu wenige Innovationen und zu geringe Berücksichtigung nachhaltiger Alternativen. Daraus leitete Fuhr gleich mehrere Handlungs
Unterstützungsfunktion leistete hierbei das innovative System Hyperwave. Die weitere Unterweisung zu Fragen der Teilnehmer erfolgte über electronic mail. Nach vorhergegangener Seminarphase mündeten die Ergebnisse der Arbeit letztlich während der praktischen Realisierung in einem Hyper text-Dokument für Lehrer. Das elektronische Buch bereitet die erworbenen wissenschaftlichen Erkenntnisse auf und verknüpft sie mit Unterrichtsvorschlägen, methodischen Hinweisen und organisatorischen Problemen. Verfügbar ist das weiter bildende Selbstlernmaterial im Internet unter der Adresse hHhttp://hyperg.uni paderborn.de/IuR_Startseite.
Wesentlich zum Gelingen des Projekts trug nach Einschätzung beider Wissenschaftler die direkte Betreuung vor Ort bei. Konkre te Resultate der Zusammenarbeit wurden dem Publikum erst kürzlich auf der Fachtagung„Informatik und Ausbildung“ in Stuttgart vorgestellt. Der eingeschlagene Weg soll nach den Vorstellungen Schwills seine Fortsetzung finden. Deshalb gibt es bereits jetzt eine neue Projektgruppe zum Thema „Anfangsunterricht Informatik“. PC.
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Prof. Dr. Harald Fuhr Foto: privat erfordernisse— von grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Aktivitäten bis hin zur Steigerung der Wirksamkeit von Entwicklungszusammenarbeit— ab. Basis der erfolgreichen Steuerung der Probleme des 21. Jahrhunderts sollten neue flachere, internationale sowie nationale Dialogstrukturen und Netzwerke sein. Es gehe darum, die neuen Möglichkeiten, die aus der Globalisierung hervorgingen, konstruktiv zu nutzen und die Wahrscheinlichkeit des Eintretens wünschenswerter Entwicklungen zu erhöhen.
Angesichts der Komplexität der genannten Phänomene stellten die Analyse und Generierung von Lösungs- bzw. Steuerungsansätzen strategisch wichtige Aufgabenfelder dar. Notwendig sei zwangsläufig interdisziplinäres Arbeiten in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und eine erhöhte Problemlösungsund Praxisorientierung sowie die stärkere internationale Ausrichtung von Forschung und Lehre. Heike Scherff
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