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einer„Software“ der Gesellschaft. Der in der folgenden Diskussion gefundene Begriff der menschlichen„Tiefengrammatik“, die es in L-E-R zu entschlüsseln gälte, geisterte durch die folgenden Gespräche. Zwei Vorträge beschäftigten sich mit„produktiven Divergenzen“ zwischen„Gesellschaft“ und„Religion“. Prof. Dr. Jörg Rüpke von der Uni Potsdam wies auf die normensetzende(häusliche Alltagskultur), herrschaftsstabilisierende(öffentliche und geheime Kulte und Feste) und-transzendierende Rolle antiker Religionen und ihr Weiterwirken hin. Karl Erich Grözinger zeigte am Beispiel von Bibel und Judentum die umstrittenen Begründungsweisen ethischer und ritueller Gesetze auf, die von metaphysischen, sozialen, geschichtlichen bis zu rationalen Ansätzen reichten, wobei sich die metaphysischen Gebotsbegründungen als die dauerhaftesten erwiesen.
Daß auch die völlig unterschiedlichen Grundpositionen der Religionen für das unterrichtliche Gespräch Berücksichtigung finden müssen, wies Dr. Christian Auffahrth aus Tübingen am Beispiel der Kreuzzüge Ss„mittelalterlicher Form interreligiösen ialogs“ nach. Während dieses Kapitel der uropäischen Kirchengeschichte im„Westen“ längst als überwunden und abgetan gelte, empfinde die islamische Welt westeuropäische Toleranz- und Demokratievorstellungen als Fortsetzung der Kreuzzüge „mit anderen Mitteln“. Prof. Dr. Peter Antes aus Hannover erörterte die Frage der„Simulation“ von Religion im Unterricht, die dem Dilemma der Motivation und Legitimation von Unterricht zu entkommen sucht. Soll man simulieren...? Nur bedingt und mit äußerster Vorsicht; denn: Ein Arzt muß nicht alle Krankheiten gehabt haben, ehe er heilen kann. L-E-R, so Antes, muß sich auf die Gratwanderung begeben zwischen einer „kleinen Weinkunde(in Lichtbildern)“ und dem Schnuppern an der geöffneten Flasche. Susanne Galley
@ U
Der Umgang mit Medien muß genauso gelernt werden wie Lesen
und Schreiben.
„MEDIENSTERN SCHULE”
Kinder und Jugendliche mit Medien nicht allein lassen
Die Arbeitsstelle Medienpädagogik der Universität Potsdam hat kürzlich unter dem Titel„Medienstern Schule“ eine bundesländerübergreifende Initiative ins Leben gerufen, die helfen soll, das medienpädagogische Arbeiten in Schule und Hochschule zu fördern. Die Initiative „Medienstern Schule“ will die Sensibilität bei pädagogisch Arbeitenden dafür wachhalten, daß Medienkompetenz eine Schlüsselqualifikation auf dem Weg in die Informationsgesellschaft darstellt.
Neben dem Elternhaus ist heutzutage mehr denn je auch die Schule gefordert, Kinder und Jugendliche dahingehend zu befähigen, daß sie mit Medien sinnvoll umgehen können. Der Umgang mit den Medien muß genauso erlernt werden wie Lesen und Schreiben. Jeder Lehrer sollte sich deshalb angesprochen fühlen, sich regelmäßig mit der Medienwelt auseinanderzusetzen und Berührungspunkte zum eigenen Fach auszumachen. Alle Fächer bieten die Chance, der Sprache der Medien auf den Grund zu gehen. Hier setzt das Projekt„Medienstern Schule“ an. Es zielt in erster Linie auf die Erhöhung von Medienkompetenz, damit auch von Handlungskompetenz, bei Kindern und Jugendlichen ab. Gestartet wurde das Projekt mit folgenden Schulen: Verbundene Haupt- und Realschule mit Grundschule Tützpatz(Landkreis Demmin), Gesamtschule Kirchmöser (Stadtkreis Brandenburg), Sekundarschule Barleben(Landkreis Ohrekreis), Regelschule„Alfred Brehm“ Jena. Im Ergebnis einer 26 Teilnehmer zählenden Beratung Ende Januar 1998 an der Universität Potsdam fanden die Projektpartner erste inhaltliche Ansatzpunkte zur Umsetzung der Projektidee.
Das Projekt„Medienstern Schule“ nimmt die ganze Bandbreite verfügbarer Medien in den Blick, von den Printmedien bis hin zum Internet. An allen Projektschulen existiert eine Schülerzeitung. Die Partner im„Medienstern‘ beabsichtigen, das Projekt„Zeitung in der Schule“ fest in den Unterricht zu integrieren. Darüber hinaus wollen sie in jährlichem Wechsel Seminare zur Fortbildung' ihrer Schülerzeitungsredakteure organisieren und gestalten. Den Anfang dazu macht ein zweitägiges Seminar im September dieses
Foto: A. Schöps
Jahres in Barleben für die Redakteure des „Barleber Augapfel“ und des„Mückenstich“ aus Kirchmöser. Das Projekt hilft, die technische Ausstattung der Projektschulen weiter zu verbessern, zum Beispiel hinsichtlich der Bewilligung einer Anbindung an das Internet durch die Initiative„Schulen ans Netz e.V." Für die Projektschulen in Tützpatz und Kirchmöser konnte dieses Vorhaben scho realisiert werden. Auf diese Weise träg das Projekt dazu bei, den Unterricht interessanter, aktueller, moderner, abwechslungsreicher- auch unterhaltsamer— z gestalten. Es wird entdeckendes und forschendes Lernen gefördert, zum Beispie durch Online-Recherchen oder Direktkontakte mit anderen Projektschulen. Die Partner sehen im Projekt„Medienstern Schule“ eine Plattform für den Austausch von Informationen und Erfahrungen zu medienpädagogischen Fragen. Eine wichtige Brücke der Kommunikation und Kooperation wird dabei über das Internet aufgebaut. Wesentliche Projektergebnisse werden dokumentiert und öffentlich gemacht. Dazu wollen die Projektteilnehmer verschiedene Medien als Sprachrohre gewinnen bzw. nutzen. Das Projekt eröffnet Studierenden die Möglichkeit, Projektideen zur Arbeit mit Medie vor Ort mit Lehrern und Schülern zu erproben. Es will Studierenden in diesem Zusam: menhang Möglichkeiten schaffen, die Teilprojekten gewonnenen Erkenntniss und gesammelten Erfahrungen zu doku: mentieren. So werden die Studentinne Christiane Maaß, Anja Schünemann und Julia Tollkiehn im Mai 1998 während eine Projektwoche an der Gesamtschule| Kirchmöser ihre Projektideen zu den Themen„Werbung als Projekt“ und ‚Wir mache Theater“ im Schulalltag umsetzen. Die Vor bereitungen dazu laufen seit zwei Monaten. Erkenntnisse und Erfahrungen sollen nich! nur in der Schule genutzt werden, sonder auch in(medien)pädagogische Arbeiten a der Universität Potsdam einfließen. Aufga ben der Koordinierung von Arbeiten im Projekt übernimmt die Arbeitsstelle Medien: pädagogik der Universität. Ein wichtiges Ziel der Initiative besteht darin, weitere Mitstreiter für die Umsetzung der mit ih! aufgemachten Zielstellungen zu gewinne). Die Initiative„Medienstern Schule“ soll zu nächst eine Laufzeit bis zum 31. März 200 haben. Angelika Schöps/ Wolfgang Fromm|
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Weitere Informationen zum Projekt erteilt| die Arbeitsstelle Medienpädagogik unte der Telefonnummer 0331/977-2004.
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