LEHRAMTSSTUDIUM LOHNT SICH In Brandenburgs Schulen auch künftig Pädagogenbedarf
Die Einstellungschancen in den brandenburgischen Schuldienst sind nicht so schlecht wie vielfach angenommen. Diesen Schluß lassen aktuelle Entwicklungen im Land derzeit durchaus zu.
‚Wer sich heute für ein Lehramtsstudium entscheidet, kann davon ausgehen, nach Abschluß seiner Ausbildung eine relativ gesuchte Fachkraft zu sein.“ Das jedenfalls ist die Einschätzung Bernd Karl Vogels, Referatsleiter im Brandenburger Ministerium für Bildung, Jugend und Sport. Tatsächlich konstatieren die Mitarbeiter seiner Einrichtung eine rückläufige Tendenz von an der Universität Potsdam bestandenen ersten Staatsprüfungen.„Sie haben bereits jetzt eine Höhe, die nicht mehr ausreicht, den Jahresbedarf an einzustellenden Lehrern im eigenen Land zu decken“, so Vogel. Dabei verweist er auf neueste Zahlen, die den perspektivischen Einstellungskorridor in Brandenburg beziffern. Demnach gibt es zumindest auf absehbare Zeit reale Beschäftigungsmöglichkeiten für fast 400 neue Lehrer pro Jahr. Im einzelnen handelt es sich _ hierbei um 140 Lehrer in der Primarstufe, 160 in der Sekundarstufe I und 1;:30ün der beruflichen Bildung und ebensoviele in der Sonderpädagogik. Als unterschiedlich erweisen sich die konkreten Auswirkungen dieser Entwicklung unter den Studenten der Universität Potsdam. Während der Zustrom an Lehramts
7 N E Lehrer könn en wieder hoffen. Für sie beDen derzeit gute Einstellungschancen in den >©nburgischen Schuldienst, Eine günstige SUB rear und die Bereitschaft, auch iS alb Potsdams arbeiten zu wollen, verbes
N Zudem die Berufsa ussichten. Foto: Tribukeit
studenten wieder wächst, zeigen sich die jungen Leute zum Teil noch immer verunsichert hinsichtlich möglicher Lehrerberufsaussichten in der Region. Und das nicht ohne Grund: Immerhin herrschte zur Wendezeit in den Schulen Einstellungsstopp, gab es später hochschulpolitische Vorstellungen zur völligen Einstellung der Sonderund Grundschulpädagogik an der Uni. Empfehlungen der brandenburgischen Hochschulstrukturkommission enthielten ebenfalls eher pessimistische Aussagen zur Lehrersituation.„Die Studenten haben sich in der Vergangenheit von den teilweise imaginären, aber auch realen Gegebenheiten abschrecken lassen“, meint Prof. Dr. Helene Harth dazu. Die Romanistin ist Prorektorin für Entwicklungsplanung und Finanzen an der Potsdamer Uni.
Harth besitzt zudem großen Anteil am Aufbau der Französischlehrerausbildung in ihrer Hochschule. Französisch zählt zu den Mangelfächern im Brandenburgischen. Trotz umfangreicher Anstrengungen auf dem Gebiet der Weiterbildung qualifizierbarer Kräfte, fehlen hier weiterhin grundständig ausgebildete Pädagogen.„Die Anzahl der Studenten könnte größer sein“, stellt Vogel fest. Er emp
fiehlt eine Kombination mit Musik, Kunst, Politischer Bildung, eventuell Englisch oder auch einer beruflichen Fachrichtung.„Derzeit gibt es für Letzteres zwar noch kein entsprechendes Angebot, aber eine Zusammenarbeit mit Berliner Hochschulen ist vorgesehen“, gibt er sich zuversichtlich.
Die Uni Potsdam hat jüngst ihre Ausbildung in den beruflichen Fachrichtungen Elektround Metalltechnik der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus anbieten müssen. Hintergrund dafür bilden aktuelle Einschnitte im Haushaltsbudget der Einrichtung, die zusätzliche Professuren verhindern.„Wir können nicht Ausbildungsgänge anbieten, für die das Personal fehlt“, erläutert Harth. Deshalb gäbe es nun Verhandlungen mit dem Ziel, die fachliche Ausbildung in Cottbus und die pädagogische in Potsdam zu gewähren.
Nichtsdestotrotz, die Zeichen für junge Lehrer stehen auch angesichts zunehmend überalterter Kollegien an den Schulen gut. Ihre Einstellungschancen gestalten sich alerdings vermutlich auch weiterhin regional unterschiedlich. Während in der Landeshauptstadt eher schlechte Aussichten bestehen, scheint es andernorts durchaus günstiger. ‚Vor allem südlich und östlich Berlins, insbesondere aber in der Prignitz sowie in der Uckermark sind Lehrer gefragt“, resümiert Vogel. PG.
ZU BESUCH BEI SÄCHSISCHEN UNTERNEHMEN
Jährliche Exkursion des Bereichs Organisation und Personalwesen
Dem Anspruch des Praxisbezugs folgend, führte der Bereich Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Organisation und Personalwesen nun schon traditionell Exkursionen durch. So reiste vor einiger Zeit eine 18köpfige Gruppe, bestehend aus Studenten, Mitarbeitern sowie Prof. Dr. Dieter Wagner, nach Dresden und Leipzig.
Fünf Unternehmen standen auf dem Programm der dreitägigen Exkursion. Erster Aufenthaltsort war zunächst Dresden-Übigau, wo die Siemens AG ihren„Technopark Dresden“ unterhält. Die Studierenden lernten zwei typische Profit-Center der Siemens AG kennen: den Bereich Medizinische Technik und das Transformatorenwerk. Betriebsbesichtigungen in beiden Werken machten den Entstehungsprozeß der Hauptprodukte nachvollziehbar.
Am zweiten Exkursionstag ging es zur Sachsenzweirad GmbH in Neukirch. Insidern ist sie als innovativstes Fahrradunternehmen Deutschlands bekannt. Der Geschäftsführer, Karl-Heinz John, wurde 1994 mit dem Titel„Manager Aufschwung Ost“ ausgezeichnet. Die Fahrradproduktionsund-innovationsstätte hat es in den Jahren
nach der Wende geschafft, ihre Produktion fast zu verzehnfachen, so daß in Neukirch durchschnittlich pro Tag 2000 fertige Fahrräder die Montagebänder verlassen. Allerdings spürt auch die Fahrradbranche die Rezession. Denn rückläufige Absatzzahlen machen dem vom Erfolg verwöhnten Unternehmen zu schaffen. Sachsenzweirad setzt auf Innovationen, doch es gibt Schwierigkeiten, die individuellen und somit nicht billigen Modelle am Markt zu plazieren. Dies auch deshalb, weil der Durchschnittspreis für Fahrräder seit 1993 deutlich unter 1000 Mark gesunken ist. Absatzprobleme kennt die Feldschlößchen Brauerei AG dagegen nicht. Mit einem Investitionszuschuß in Höhe von 150 Millionen Mark der Muttergesellschaft Holsten AG wurde in Dresden die modernste Brauereianlage Ostdeutschlands errichtet. Den Weg der berühmten Rohstoffe Malz, Hopfen, Hefe und Wasser durch den Brauprozeß bis hin zum fertigen Produkt verfolgten die Wirtschaftsstudenten mit größtem Interesse und reger Anteilnahme. Besondere Zustimmung fand die anschließende Verköstigung. Einen zusätzlichen Höhepunkt der Reise bildete der Besuch eines weiteren SiemensFortsetzung nächste Seite
aaa PUTZ 3/98
Seite 17