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»- durch insgesamt 160 enthaltene Bilddokumente sehr interessanten Arbeiten belegen, daß Bilder wertvolle eigenständige Botschaften enthalten, die durch andere Quellen oft nicht artikuliert werden können. Es wird zudem deutlich, daß bildliche Darstellungen die Erziehungsmodelle sämtlicher gesellschaftlicher Bewegungen begleitet haben und in ihnen verschiedene pädagogische Intentionen „sichtbar“ werden. Alles in allem ist ein gut lesbares, übersichtlich gestaltetes Buch entstanden, dessen Lektüre fachlich interessierten Leserinnen und Lesern eine Reihe lohnender Beiträge bietet. Der Druck erfolgte mit finanzieller Unterstützung der Potsdamer Uni. Joachim Scholz
Hanno Schmitt; Jörg-W. Link; Frank Tosch (Hrsg.): Bilder als Quellen der Erziehungsgeschichte, Bad Heilbrunn/Obb., Verlag Julius Klinkhardt, 1997, 414 S., 49,80 DM, ISBN 3-7815-0898-6.
AUFARBEITUNG UND VERSÖHNUNG
Mecklenburg-Vorpommern hat als einziges Bundesland per Beschluß vom 17. Mai 1995 eine Länderkommission zur Aufarbeitung von DDR-Geschichte— hier die drei ehemaligen Nordbezirke Neubrandenburg, Schwerin und Rostock— eingesetzt. Die Ergebnisse der intensiven, zweijährigen Arbeit sind nun auf rund 2600 Druckseiten der Öffentlichkeit zugänglich. Im Beschluß des Landtages wird das hohe Ziel formuliert, sich„einer wahrheitsgemäBen Aufarbeitung des Geschehenen(zu) widmen und der Verdrängung entgegenzuwirken“. Wie von der Enquete-Kommission zu erfahren ist, besteht sowohl auf regionaler als auch überregionaler Ebene ein enormes Interesse an den vorgelegten Materialien.
Veranstaltungen, Sitzungen, Anhörungen, Debatten, Expertengespräche, Erlebnisberichte, Vortrags- und Diskussionsforen an verschiedenen Orten waren so angelegt, daß der offene Dialog— dies ist ein Unterschied gegenüber der Arbeitsweise des Bundesenquete-Ausschusses— geführt werden konnte.
Der Ministerpräsident Mecklenburg-Vorbommerns, Dr. Berndt Seite, formulierte als strategisches Ziel zu Beginn des großdimensionierten Vorhabens, Aufarbeitung und Versöhnnung“:„Es geht um unsere Gegenwart und noch mehr um unsere Zukunft.“
Themen der reichen Materialbände lauten u. a.:„Das politische System in der DDR“, „Im Namen des Volkes?— Über die Justiz im Staat der SED“,„Bildung/Wissenschaft/
Erziehung/Kultur“,„Die Geschichte der Wende“,„Zersetzungsmaßnahmen im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft“,„Religiöses Brauchtum und kirchliches Leben im Alltag der DDR— zwischen Anfechtung und Behauptung“, ‚Vorgeschichte und Geschichte der‘Wende’ in den drei Nordbezirken“,„Analyse der Hochschulpolitik...“,„Kultur als Wert oder Last. Ob und wie die Gesellschaft mit ihr umgeht oder umspringt“.
Texte von Landtagsdebatten, in denen sich politische Umgangskultur mit beifallsbekundenden, kontroversen, bis hin zu aggressiv-beleidigenden Äußerungen spiegelt, sind keine vergnügliche Lektüre. Das kann und will sie auch nicht sein. Dort aber, wo Experten zusammenhängende Ausführungen zum einen oder anderen Sachthema anstellen, bekommt der Leser aufschlußreiche Einblicke in Zusammenhänge. Fernab von politischem Parteienzwist legen beispielweise Stefan Doernberg und Wolfgang Leonhard Hintergrundinformationen zu„Eigenstaatlichkeit der DDR in ihrer Herausbildung 194549...“ dar.
Die beispielhaften Arbeitsergebnisse der genannten Kommission werden vermutlich noch lange im zeitgeschichtlichen Disput bedeutsam bleiben, nicht nur in der platten Konstellation von Opfern und Tätern.„Aufarbeitung und Versöhnung“ im geographischen Raum der ehemaligen DDR, einem Land, dessen Einwohnerzahl vergleichweise niedriger war als die Nordrhein
Landtag Mecklenburg-Vorpommern
AUFARBEITUNG UND VERSOHNUNG
mmission
Westfalens— hier ist eine Thematik angerissen, bei der es gleich im Band 1 der Schriftenreihe heißt:„Es gilt also, sowohl die Geschichte der DDR wie die der BRD aufzuarbeiten.“ Fr.
„Leben in der DDR, Leben nach 1989“— Aufarbeitung und Versöhnung, Schriftenreihe des Landtages Mecklenburg-Vorpommern zur Arbeit der Enquete-Kommission, 9 Bde., Schwerin 1997, 2622 S.
Die Bücher sind kostenfrei zu beziehen über: Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Schloß, Lennestr. 1, 19053 Schwerin.
23. FOLGE DER„BRANDENBURGISCHEN BIBLIOGRAPHIE“ ERSCHIENEN
Die vorliegende Bibliographie für das Land Brandenburg ist ein unentbehrliches Nachschlagewerk für alle auf dem Gebiet der Natur- und Geisteswissenschaften, der Kultur und Kunst wissenschaftlich Tätigen. Vor allem ist sie den in Potsdam Studierenden zu empfehlen, gibt sie ihnen doch einen Einblick in die Geschichte der Stadt Potsdam und des Landes Brandenburg, in die Verwaltung und das Gerichtswesen, in die verschiedenen Zweige der Wirtschaft, die Kultur- und Geistesgeschichte sowie die Kunst und in die Pflanzen- und Tierwelt der Region. Sie ist eine Fundgrube für jeden Geschmack, für jung und alt, Hobbyforscher und Wissenschaftler. Die Titel der Brandenburgischen Bibliographie sind zu 60 Prozent Artikel aus Zeitungen und Zeitschriften, zu 40 Prozent Bücher. Von besonderem Interesse werden für einige jene erfaßten Titel sein, die über bedeutende Personen der Landeshauptstandt und des Landes Brandenburg berichten, so über die Hofgärtnerfamilie Fintelmann in Pots
dam, Carl-Hans Graf von Hardenberg, Fürst Pückler, Albrecht Schönherr, Eva Foerster, Georg Holmsten, Otto Tschirch u.a. Die in der vorliegenden Folge erfaßten über 3.500 Titel widerspiegeln die ganze Vielfalt des gesellschaftlichen Lebens. Sie sind wiederum von der Bearbeiterin, Dorothee Geßner, gründlich recherchiert und über das Sach- und geographische Register, ein Personen- und Autorenregister leicht zu erschließen. Die beigefügten Bestandssignaturen der Stadt- und Landesbibliothek erhöhen die Benutzerfreundlichkeit der Bibliographie.
Kurt Adamy
Brandenburgische Bibliographie. Folge 23, Neuerscheinungen des Jahres 1993 mit Nachträgen aus früheren Jahren. Bearbeitet von Dorothee Geßner. Herausgeber Stadt- und Landesbibliothek Potsdam, Selbstverlag. Potsdam 1997, 334 S., 20,— DM.
PUTZ 3/98
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