WOHNEN IN POTSDAM
Studenten wollen weg von der Peripherie
Die Zeiten der Unterbringungsengpässe für Potsdamer Studenten scheinen vorbei. Und das, obwohl nur 19 Prozent von ihnen Wohnheimplätze in der brandenburgischen Landeshauptstadt erhalten. In der City und deren Randgebieten gibt es insgesamt 2.012 vom Potsdamer Studentenwerk zur Verfügung gestellte Betten.
Die Ansprüche der jungen Leute allerdings sind bezüglich des Wohnkomforts deutlich gestiegen. Der Trend geht heute klar in Richtung Einzelzimmer oder zu abgeschlossenem Wohnraum. ‚Wir bauen deshalb derzeit zugunsten einer später ausschließlichen EinBett-Belegung pro Zimmer Kapazitäten ab“, bestätigt auch Gudrun Wewetzer, Pressesprecherin des Potsdamer Studentenwerkes, die Entwicklung. Freie Plätze bestünden gegenwärtig noch in Brandenburg, vereinzelt in Wildau. Wert legen die Mitarbeiter ihrer Einrichtung auf die Innen- wie Außensanierung der von ihnen verwalteten Potsdamer Gebäude. In der Forststraße sei das teilweise schon passiert, bis zum nächsten Wintersemester steht die vollständige Überholung des Hauses 2 im Babelsberger Park auf der Tagesordnung.
Gegenwärtig verzichtet das Studentenwerk trotz denkbarer Auslastung auf weitere Neubauten. Es fehlen seit dem Auslaufen des entsprechenden Förderprogramms Ende 1997 die nötigen finanziellen Mittel. Einzige Ausnahme bildet das gerade in Brandenburg fertiggestellte Wohnheim mit 199 Plätzen. Für die Miete müssen die künftigen Akademiker hier jedoch laut kürzlich eingeführtem Pooling etwas tiefer in die Tasche greifen. Das möblierte Zimmer kostet ‚je nach Größe 340 bis 360 DM. Der Preis wird durch einen besonderen Service versüßt: Es gibt eine direkte Internetanbindung vom Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden an das Rechnernetz der Fachhochschule.
Vorzeige-Objekt des Potsdamer Studentenwerkes ist der Komplex Stahnsdorfer Straße. Errichtet wurde er für 42 Mio. DM. In den neun
Objekten stehen 545 Betten zur Verfügung.
„Die Wohnheime sind aber nur die eine Seite“, betont Falk Richter aus der Arbeitsgruppe„Studentisches Wohnen“ der Uni. Viele seiner Kommilitonen suchen Alternativen. Sie wünschen sich eine Bleibe mitten in der Stadt.„Schließlich sind wir schon die ganze Studienzeit hinweg an den Rand der Stadt verbannt“, klagt der Slavist/Polonist und Politikwissenschaftler in spe. Jenes Interesse der Studis spürt auch Günter Sinner, Bereichsleiter Bestandverwaltung der Gemeinnützigen Wohn- und Baugesellschaft mbH(Gewoba). Etwa zehn Prozent der bei ihm gemeldeten rund 5.000 Bewerber stammen demnach aus Studentenkreisen. Die angehenden Spezialisten unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen legten dabei gleich feste Vorstellungen auf den Tisch. So bevorzugten sie als Ansiedlungsstandorte neben dem innerstädtischen Bereich ebenso Babelsberg oder Potsdam-West. Plattenbauten seien dagegen nicht der Traum des Akademikernachwuchses. Übrigens: Genau 15 Wohngemeinschaften nutzen die eher raren Angebote der Gewoba. Bei den sie beherbergenden Häusern handele es sich um große unsanierte Altbauten, die oft in Eigeninitiative Verschönerungskuren erhielten.
Nicht die erwartete Resonanz hat es offensichtlich auf die vom Studentenwerk Potsdam erbrachte Offerte gegeben, ein zinsloses Darlehen für die Instandsetzung von leerstehendem Wohnraum aufnehmen zu können.„Bisher liegen uns lediglich drei bewilligte Anträge vor“, so Wewetzer dazu. Richter meint die Hintergründe dafür zu kennen.„Zwar klappt diesbezüglich die Zusam
menarbeit mit dem hiesigen Studentenwerk_
gut, aber es fehlt die Unterstützung von der Wohnungsverwaltung Potsdam(WVP), die auf den Wohnungen sitzt“, sagt er. Ungeklärte Rückübertragungsansprüche und damit zusammenhängende Probleme erschwerten das Vorgehen. ‚Vermutlich aber will man solche Projekte nicht wirklich fördern“, so seine Einschätzung.
In diesem Zusammenhang verweist er nochmals auf die Beratung in Sachen Wohn- und Mietangelegenheiten beim Studierendenrat. Sprechstunden finden in dessen Räumen im Uni-Komplex Am Neuen Palais, donnerstags von 12.80 bis 15.30 Uhr, statt, Am Standort II/1, AugustBebel-Str. 89, werden mittwochs zwischen 16.00 und 19.00 Uhr in der Mensa
Foto: Tribukeit Auskünfte erteilt. PG.
Deutsche ERASMUSStudierende vorn
Die deutschen Studierenden haben im Hochschuljahr 1996/97 europaweit am stärksten vom EU-Programm SOKRATES/ ERASMUS profitiert. Dies belegt die aktuelle Bilanz des Deutschen Akademische Austauschdienstes(DAAD), der die Aufgaben einer Nationalen Agentur für dieses Programm wahrnimmt. Von den jährlic rund 80.000 ERASMUS-Studierenden i Europa kamen über 13.070 Studenten aus deutschen Hochschulen. Damit liegen sie deutlich vor den spanischen(10.841), französischen(10.782) und den britischen (10.537) Hochschulen. Zu wenige Stucierende aus den europäischen Partnereinrichtungen kommen jedoch an die deutschen Hochschulen. Mit 9.701 auslärdischen ERASMUS-Studierenden ist Deutschland nur das drittgrößte Aufnahmeland!inter Großbritannien(19.601) und Frankreich (14.086). Die Hauptzielländer der deutschen ERASMUS-Studierenden waren Großbritann e (31,7 Prozent), Frankreich(20,8 Proze:1t), Spanien(13,4 Prozent) und Italien(7,3 Prozent). Die meisten Geförderten<wdierten Betriebswirtschaftslehre(21,3 Prozent), Sprachen(15,7 Prozent), Inyenieurwissenschaften(11,3 Prozent) und Jura(10,1 Prozent). Am Austausch beteiligten sich 1996/9. i Deutschland 211 Hochschulen, darur 100 Fachhochschulen. Nahezu drei V tel der deutschen Geförderten kamen Universitäten, rund ein Viertel aus Fachhochschulen. Die meisten Studierenc en stellten die Universität Mainz, die Universität des Saarlandes, die FU Berlin und die Universität Göttingen. DA 0D
DD rn
=
nn
Rekordzahlen zum 50. IAESTE-Geburtstag
Die International Association for the x Change of Students for Technical Experience(IAESTE) blickt auf 50 Jahre er folgreicher Arbeit zurück: Neue Rekord zahlen weltweit, vor allem im Bereich«de! deutschen Wirtschaft, dokumentier2n, daß Auslandspraktika für Studiererde nichts von ihrer Attraktivität verloren 12: ben. Noch nie wollten so viele junge L2ute aus ingenieur- und naturwissensch aftlichen Fächern ihre studienbegleitenc en Praxiserfahrungen im Ausland erwerb2n. Noch nie waren deutsche Betriebe in 50 hohem Maße bereit, ausländische Studie: rende als Praktikanten und Praktikantin nen aufzunehmen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst(DAAD) hat als nationale Agentur der IAESTE für 199 rund 1.300 Praktikastellen in der deut schen Wirtschaft eingeworben. Im”
Seite 20
PUTZ 4/9