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(1.1.2019) 05
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AMERIKANISCHE HOCHSCHULADMINIS TS TOREN ZU GAST

Im Rahmen eines dreiwöchigen Fulbright-Semi­nars weilten 25 Vertreter verschiedener US-ame­rikanischer Hochschulen am 6. Mai 1998 an der Universität Potsdam. Nach einer Einführung durch den Prorektor für Forschung und wıssen­schaftlichen Nachwuchs, Prof. Dr. Ralf Menzel, in/ormierten sich die Besucher über die Entwick­Jung und die aktuellen Probleme der Hochschule. In einer Gesprächsrunde standen die Professo­ren Marianne Vater, Hans-Georg Petersen und Manfred Görtemaker sowie der Koordinator des Studienganges Jüdische Studien, Dr. Michael Bergner, Rede und Antwort. Mit besonderem In­teresse verfolgten die Gäste die Ausführungen der amerikanischen Fulbright-Studenten Jona­than Hensley und Steven Weldon, die über ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit dem deut­schen Universitätssystem und mit der Universität Potsdam berichteten. Der Besuch klang mit einer durch Prof. Dr. Klaus Klopfer geleiteten Führung durch den Botanischen Garten aus. Die Ful­bright-Kommission bietet seit mehreren Jahren nehrwöchige Informationsseminare mit dem Ziel einander die jeweiligen Hochschulsysteme rtrauter zu machen und damit die deutsch­amerikanische Wissenschaftszusammenarbeıt zu befördern. In diesem Jahr nahm eine Vertre­terin der Universität Potsdam an einem entspre­chenden Gegenbesuch teil. R.N./Foto: Tribukeit

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DER ÜBERGANG IN DIE INFORMATIONS- UND WISSENSGESELLSCHAFT

Jubiläen der Gesellschaft für Geistesgeschichte und der Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte

Is muß uns etwas Neues einfallen. Und die Geistesgeschichte, zum Beispiel die Kommunikationsgeschichte, kann uns helfen, solche Einfälle zu entwickeln und e'nzuordnen. Prof. Dr. Peter Glotz, der dies äußerte, ist davon überzeugt, die vor uns stehende Medienwende nur mit einer vorausschauenden Politik vernünftig be­wältigen zu können.

Anlaß dieser öffentlich geäußerten Ge­danken des Gründungsrektors der Uni­_ versität Erfurt war ein Doppeljubiläum. Am 18. April 1998 begingen Beteiligte und Cäste das 40- bzw. 50jährige Bestehen der Gesellschaft für Geistesgeschichte (SGG) und der Zeitschrift für Religions­und Geistesgeschichte(ZRGG) mit einer

Festveranstaltung im Einstein Forum. Die ZRGG wurde 1948, die GGG 1958 ge­gründet. Die Zeitschrift versteht sich als ein Medium für den fächerübergreifenden Dia­log in Religions-, Geistes- und Kulturwis­senschaften. Sie will Brücken schlagen zwi­schen verschiedenen Ansätzen und Metho­den, Fach- und Wissenschaftsgebieten. In den zurückliegenden 50 Jahren publizierten in der ZRGG mehr als 800 in- und ausländi­sche Autoren unterschiedlichster Fachgebie­te über 1.300 Abhandlungen. Mitherausge­ber des Periodikums ist Prof. Dr. Julius H. Schoeps von der Universität Potsdam.

Die GGG versucht, ausgehend unter ande­rem von wissenschaftstheoretischen Überle­gungen Wilhelm Diltheys, den sogenannten Zeitgeist zu erfassen. Auf den Jahrestagun­

Mit Medien-Wenden setzte sich Prof. Dr. Peter Glotz in seinem Festvortrag auseinander. Foto: Fritze

gen der Gesellschaft standen in den vergan­genen Jahren deshalb auch solche Themen wie ‚Theodor Fontane einst und heute, Zeitgeist und Jugend,Reisen und Reisen­de im 19. Jahrhundert oderDie Deutschen und ihre Nation historische Erkundungen im Mittelpunkt der Erörterungen. Die GGG hat seit 1993 ihren Sitz in Potsdam, ihr Vorsit­zender ist Julius H. Schoeps.

Seinen Festvortrag überschrieb, dem Anlaß angepaßt, Peter Glotz mitMedien-Wenden? Über die geistesgeschichtliche Bedeutung kommunikationstechnischer Umbrüche für Kultur und Gesellschaft. Als Beispiele für Medien-Wenden nannte er die 50er Jahre des 12. und die 80er Jahre unseres Jahrhun­derts. Gegenwärtig stünde der Übergang der Industrie- in die Informations- und Wis­

sensgesellschaft bevor.Wie die Verschrift­ichungsrevolution des 12. Jahrhunderts ei­

nen neuen Typus des Lesens entstehen ließ, Jäßt die in Deutschland in den 50er Jahren sich durchsetzende Audiovision vor allem in der Gestalt des Fernsehens- in den 80er Jahren neue Rezeptionsgewohnheiten auf­kommen, resümierte Glotz. Im Personal­computer stecke eine ungeheure Individuali­sierungsmacht. Nach Schätzungen des Re­ferenten nutzen aber derzeit lediglich fünf bis zehn Prozent der Deutschen den Computer als Kommunikationsapparat. Positiv gese­hen, sei die Selbstbestimmung des Men­schen über seine Zeit und über den Ort, an dem er kommuniziert, gewachsen. BE.

PUTZ 5/98

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