STUDIERENDE STIMMTEN ÜBER PARLAMENT AB
Nur wenige gingen an die Wahlurnen
Das neue Modell hat seine erste Wahl überstanden. Die 27 Sitze des neuen Studierendenparlaments sind nunmehr vergeben. An der Abstimmung allerdings nahmen nur wenige Kommilitonen teil. Nicht einmal 15 Prozent der Studierenden wählten ihre Vertreter ins neue Gremium.
Jas Studierendenparlament(StuPa) wird einnal im Jahr, in der Regel Mitte Juni, gleichzeitig mit den Uni-Gremien gewählt. Wahlberechtigt sind alle immatrikulierten Studierenden der Universität Potsdam. Die Legislaturperiode dauert jeweils von Oktober bis Ende jeptember. Es gibt 27 Sitze. Neben der Wahl des Referentenrats(RefRat) ist die wichtigste "unktion des StuPas die Verabschiedung des Haushaltsplanes der Studierendenschaft. Jas Papier beinhaltet, wie die 10,- DM 5Studierendenschaftsbeiträge verteilt werden. dieses Geld ist Teil des Semesterbeitrags in Töhe von 45,- DM. Die restlichen 35,- DM jehen an das Studentenwerk. Das RefRat ıChtet auf die Einhaltung des Haushaltspla1es, es unterliegt zudem der Kontrolle durch ;tuPa und Uni-Verwaltung. Ansonsten hat das ;tuPa übliche parlamentarische Aufgaben. Es vählt ein Präsidium, das die Sitzungen leitet ınd protokolliert, verabschiedet Anträge und tesolutionen, bildet gegebenenfalls Ausschüsse und diskutiert über aktuelle hoch;chulpolitische Entwicklungen.
Der Studierendenrat ist das vom StuPa jährlich zu wählende ausführende Organ der Verfaßten Studierendenschaft(also eine„Regierung“). Die Verfaßte Studierendenschaft ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, vertreten durch den RefRat. Seine Aufgaben bestehen in der Wahrnehmung der studentischen Interessen, Förderung der politischen Bildung sowie geistiger und musischer Interessen der Studierenden, Unterstützung ihrer sozialen Belange, Pflege der überregionalen und internationalen studentischen Beziehungen und Förderung des studentischen Sports im Rahmen des Hochschulsports. Die prakische Arbeit des Ref-Rats läßt sich in zwei Bereiche unterteilen: zum einen die Serviceeistungen, wie Miet- und BAföG-Beratung. Im weiteren Sinne gehören auch Kulturveranstaltungen(wie beispielsweise das Uni-Sommerfest), Feten und die Ausgabe des StuRaErstsemesterInneninfos dazu. Zum anderen gibt es die inhaltlich politische Arbeit. Sie wird in Referaten und Gruppen geleistet. Bisher existierten das Referat Hochschulpolitik, das Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, das Sozialreferat, das Referat für Umwelt und Verkehr, das Kulturreferat, das Unikunde-Referat, das Finanzreferat, das Frauenreferat und das Referat für Internationalismus. Nach der neuen Satzung können sieben bis zehn Referenten und Referentinnen vom StuPa gewählt werden.
Neu gewählt sind auch die Vertreter in den Fachschaftsräten. Deren Versammlung wiederum ist die VeFa. Sie einigt sich auf einen Schlüssel, der den Fachschaften entsprechend ihrer Größe Studierendenschaftsgelder zuweist. Das neue Modell besteht aus vielen Kompromissen. Nicht immer sah es danach aus, daß es im Wintersemester 1998/1999 seine Arbeit aufnehmen könnte. Nicht alles ist hunderprozentig gelungen, doch ein StuPa kann arbeiten, wenn vieleicht auch anfangs chaotischer als bisher. Das nun realisierte Modell führt nach Ansicht seiner Verfechter zu einer Öffnung und Demokratisierung der Studentischen Selbstverwaltung. Die Arbeit des RefRats wird kontrollierbarer sein, als es die Arbeit des StuRas momentan ist. Annett Wunder
Studentisches Adreßbuch
Für hochschulpolitisch interessierte Studierende gibt es jetzt zum 12. Mal den Adreßreader des ASTA der Uni Hannover mit Anschriften aller ASTEN, USTEN, Studierendenräte, Hochschulgruppen und Fachschaften an deutschen Universitäten und aktualisierten Adressen von allen Parteien, Stiftungen und Medien. Der Reader ist als Pocketversion für 11 DM und als Schreibtischversion in DIN A4 für 15 DM zuzüglich Versandgebühr erhältlich bei der AG Adreßreader, c/o ASTA Uni Hannover, Welfengarten 1, 30167 Hannover, Tel. 0511/7625061. Bei Sammelbestellungen gibt es Rabatt. Zg.
MOTIVATION- KOPFRECHNEN- SEXUELLE BELÄSTIGUNG Psychologen stellten Studierenden Forschungsergebnisse vor
Endlich geschafft! Es kostete dem Englisch-Kurs der Psychologie-Studentinnen ein Semester Arbeit, um eine englischsprachige Konferenz zu organisieren. Was muß man dabei nicht alles beachten— angefangen bei der Zeit- und Raumplanung, über die Referentensuche bis zur Sorge um das leibliche Wohl. Als alles organisiert war, blieb nur noch die„bange“ Frage, ob auch alles gut gehen würde.
Als erste referierte Dr. Regina Vollmeyer(Uni Potsdam) über ihre Forschungsergebnisse zum Thema: ‚Wie Motivation das Lernen beeinflußt“. In den Studien untersuchte sie Potsdamer Studenten und Gymnasiasten. Als Cover-Story diente ein Biologie-Labor, in dem die Versuchspersonen eine kognitive Aufgabe lösen mußten. Der Versuch unterschied demnach zwischen Lern- und Testphase. Vor der Lern- und nach der Testphase wurde die innere Motivation mittels Fragebögen erhoben. Wichtigstes Ergebnis der Untersuchung waren Erkenntnisse zur Beeinflussung des Lernens durch Motivation.
Eine hohe Motivation habe, so Vollmeyer, auch ein besseres Lernergebnis zur Folge. Hoch motivierte Probanden entwickelten eine bessere Lösungsstrategie als Probanden, die sich als inkompetent einstuften.
Auch Prof. Dr. Reinhold Kliegl(Uni Potsdam) sprach. Er beschäftigt sich insbesondere mit kognitiver Psychologie. In der vorgestellten Studie untersuchte er die Fähigkeit des Lösens von leichten und schwierigen Mathematikaufgaben bei jungen und alten Erwachsenen. Der Wissenschaftler konstatierte dabei, so seine Ausführungen, keinen signifikanten Unterschied bei der Lösung einfacher Aufgaben. In der schwierigen Bedingung zeigte sich allerdings, daß die älteren Probanden länger brauchten, um die Aufgaben zu erfassen. Zum Thema„Risikofaktoren sexueller Belästigung“ referierte Prof. Dr. Barbara Krahe— Sozialpsychologin an der Uni. Sie befragte 304 Frauen im Alter von 17 bis 20 Jahren aus Berlin und Potsdam über ihre bisherigen sexuellen Erfahrungen. Erstaunlich war, daß 58,6 Prozent der Frauen über verbale bis
gewalttätige Belästigung berichteten. Die Studie zeigte, daß die vier Risikofaktoren (mehrdeutige Verhaltensweisen, sexuelle Aktivität, Peer-Group-Normen und Kindheitserfahrungen) einen erheblichen Anteil an sexueller Belästigung ausmachen. Frauen, die während der Kindheit mißbraucht wurden, berichteten von sexuellen Belästigungen in späteren Beziehungen. Aber auch attraktive Frauen gehören zur Risikogruppe, da sie auf Männer sexuell erfahrener wirken. Die rund 70 Teilnehmer des Kolloquiums stellten übereinstimmend fest, daß derartige Veranstaltungen unbedingt weiterzuführen bzw. zu wiederholen sind. Diese Ansicht vertraten auch ausdrücklich die beteiligten Professoren und die Seminarleiterin Dr. Dorothea Cerovsky. Zur aufgelockerten Atmosphäre trugen sowohl die von den Studierenden selbst zubereiteten kulinarischen Genüsse wie auch die sich den Vorträgen anschließenden spannenden Diskussionen bei. Die Referenten freuten sich überdies über die rege Beteiligung der Studierenden. Doreen Kunsch/Bianca Ksienzyk
PUTZ 6/98
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