Heft 
(1.1.2019) 06
Einzelbild herunterladen

STUDIERENDE STIMMTEN ÜBER PARLAMENT AB

Nur wenige gingen an die Wahlurnen

Das neue Modell hat seine erste Wahl überstanden. Die 27 Sitze des neuen Stu­dierendenparlaments sind nunmehr ver­geben. An der Abstimmung allerdings nahmen nur wenige Kommilitonen teil. Nicht einmal 15 Prozent der Studierenden wählten ihre Vertreter ins neue Gremium.

Jas Studierendenparlament(StuPa) wird ein­nal im Jahr, in der Regel Mitte Juni, gleichzei­tig mit den Uni-Gremien gewählt. Wahlbe­rechtigt sind alle immatrikulierten Studieren­den der Universität Potsdam. Die Legislatur­periode dauert jeweils von Oktober bis Ende jeptember. Es gibt 27 Sitze. Neben der Wahl des Referentenrats(RefRat) ist die wichtigste "unktion des StuPas die Verabschiedung des Haushaltsplanes der Studierendenschaft. Jas Papier beinhaltet, wie die 10,- DM 5Studierendenschaftsbeiträge verteilt werden. dieses Geld ist Teil des Semesterbeitrags in Töhe von 45,- DM. Die restlichen 35,- DM jehen an das Studentenwerk. Das RefRat ıChtet auf die Einhaltung des Haushaltspla­1es, es unterliegt zudem der Kontrolle durch ;tuPa und Uni-Verwaltung. Ansonsten hat das ;tuPa übliche parlamentarische Aufgaben. Es vählt ein Präsidium, das die Sitzungen leitet ınd protokolliert, verabschiedet Anträge und tesolutionen, bildet gegebenenfalls Aus­schüsse und diskutiert über aktuelle hoch­;chulpolitische Entwicklungen.

Der Studierendenrat ist das vom StuPa jähr­lich zu wählende ausführende Organ der Ver­faßten Studierendenschaft(also eineRegie­rung). Die Verfaßte Studierendenschaft ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, vertreten durch den RefRat. Seine Aufgaben bestehen in der Wahrnehmung der studenti­schen Interessen, Förderung der politischen Bildung sowie geistiger und musischer Inter­essen der Studierenden, Unterstützung ihrer sozialen Belange, Pflege der überregionalen und internationalen studentischen Beziehun­gen und Förderung des studentischen Sports im Rahmen des Hochschulsports. Die prak­ische Arbeit des Ref-Rats läßt sich in zwei Bereiche unterteilen: zum einen die Service­eistungen, wie Miet- und BAföG-Beratung. Im weiteren Sinne gehören auch Kulturveran­staltungen(wie beispielsweise das Uni-Som­merfest), Feten und die Ausgabe des StuRa­ErstsemesterInneninfos dazu. Zum anderen gibt es die inhaltlich politische Arbeit. Sie wird in Referaten und Gruppen geleistet. Bisher existierten das Referat Hochschulpolitik, das Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, das Sozialreferat, das Referat für Umwelt und Verkehr, das Kulturreferat, das Unikunde-Re­ferat, das Finanzreferat, das Frauenreferat und das Referat für Internationalismus. Nach der neuen Satzung können sieben bis zehn Refe­renten und Referentinnen vom StuPa gewählt werden.

Neu gewählt sind auch die Vertreter in den Fachschaftsräten. Deren Versammlung wie­derum ist die VeFa. Sie einigt sich auf einen Schlüssel, der den Fachschaften entspre­chend ihrer Größe Studierendenschafts­gelder zuweist. Das neue Modell besteht aus vielen Kompromissen. Nicht immer sah es danach aus, daß es im Wintersemester 1998/1999 seine Arbeit aufnehmen könnte. Nicht alles ist hunderprozentig gelungen, doch ein StuPa kann arbeiten, wenn viel­eicht auch anfangs chaotischer als bisher. Das nun realisierte Modell führt nach An­sicht seiner Verfechter zu einer Öffnung und Demokratisierung der Studentischen Selbst­verwaltung. Die Arbeit des RefRats wird kontrollierbarer sein, als es die Arbeit des StuRas momentan ist. Annett Wunder

Studentisches Adreßbuch

Für hochschulpolitisch interessierte Stu­dierende gibt es jetzt zum 12. Mal den Adreßreader des ASTA der Uni Hannover mit Anschriften aller ASTEN, USTEN, Studierendenräte, Hochschulgruppen und Fachschaften an deutschen Universitäten und aktualisierten Adressen von allen Par­teien, Stiftungen und Medien. Der Reader ist als Pocketversion für 11 DM und als Schreibtischversion in DIN A4 für 15 DM zuzüglich Versandgebühr erhältlich bei der AG Adreßreader, c/o ASTA Uni Hanno­ver, Welfengarten 1, 30167 Hannover, Tel. 0511/7625061. Bei Sammelbestellungen gibt es Rabatt. Zg.

MOTIVATION- KOPFRECHNEN- SEXUELLE BELÄSTIGUNG Psychologen stellten Studierenden Forschungsergebnisse vor

Endlich geschafft! Es kostete dem Eng­lisch-Kurs der Psychologie-Studentinnen ein Semester Arbeit, um eine englisch­sprachige Konferenz zu organisieren. Was muß man dabei nicht alles beachten an­gefangen bei der Zeit- und Raumplanung, über die Referentensuche bis zur Sorge um das leibliche Wohl. Als alles organisiert war, blieb nur noch diebange Frage, ob auch alles gut gehen würde.

Als erste referierte Dr. Regina Vollmeyer(Uni Potsdam) über ihre Forschungsergebnisse zum Thema: ‚Wie Motivation das Lernen beeinflußt. In den Studien untersuchte sie Potsdamer Studenten und Gymnasiasten. Als Cover-Story diente ein Biologie-Labor, in dem die Versuchspersonen eine kognitive Aufgabe lösen mußten. Der Versuch unter­schied demnach zwischen Lern- und Test­phase. Vor der Lern- und nach der Testpha­se wurde die innere Motivation mittels Fra­gebögen erhoben. Wichtigstes Ergebnis der Untersuchung waren Erkenntnisse zur Be­einflussung des Lernens durch Motivation.

Eine hohe Motivation habe, so Vollmeyer, auch ein besseres Lernergebnis zur Folge. Hoch motivierte Probanden entwickelten eine bessere Lösungsstrategie als Proban­den, die sich als inkompetent einstuften.

Auch Prof. Dr. Reinhold Kliegl(Uni Pots­dam) sprach. Er beschäftigt sich insbeson­dere mit kognitiver Psychologie. In der vor­gestellten Studie untersuchte er die Fähig­keit des Lösens von leichten und schwieri­gen Mathematikaufgaben bei jungen und alten Erwachsenen. Der Wissenschaftler konstatierte dabei, so seine Ausführungen, keinen signifikanten Unterschied bei der Lösung einfacher Aufgaben. In der schwie­rigen Bedingung zeigte sich allerdings, daß die älteren Probanden länger brauchten, um die Aufgaben zu erfassen. Zum ThemaRisikofaktoren sexueller Belä­stigung referierte Prof. Dr. Barbara Krahe Sozialpsychologin an der Uni. Sie befragte 304 Frauen im Alter von 17 bis 20 Jahren aus Berlin und Potsdam über ihre bisherigen sexuellen Erfahrungen. Erstaunlich war, daß 58,6 Prozent der Frauen über verbale bis

gewalttätige Belästigung berichteten. Die Studie zeigte, daß die vier Risikofaktoren (mehrdeutige Verhaltensweisen, sexuelle Aktivität, Peer-Group-Normen und Kindheits­erfahrungen) einen erheblichen Anteil an sexueller Belästigung ausmachen. Frauen, die während der Kindheit mißbraucht wur­den, berichteten von sexuellen Belästigun­gen in späteren Beziehungen. Aber auch at­traktive Frauen gehören zur Risikogruppe, da sie auf Männer sexuell erfahrener wirken. Die rund 70 Teilnehmer des Kolloquiums stellten übereinstimmend fest, daß derarti­ge Veranstaltungen unbedingt weiterzufüh­ren bzw. zu wiederholen sind. Diese Ansicht vertraten auch ausdrücklich die beteiligten Professoren und die Seminarleiterin Dr. Dorothea Cerovsky. Zur aufgelockerten At­mosphäre trugen sowohl die von den Stu­dierenden selbst zubereiteten kulinarischen Genüsse wie auch die sich den Vorträgen anschließenden spannenden Diskussionen bei. Die Referenten freuten sich überdies über die rege Beteiligung der Studieren­den. Doreen Kunsch/Bianca Ksienzyk

PUTZ 6/98

Seite 23