WAS EIGENWERTE VON SCHWINGUNGS- ODER WÄRMELEITUNGSGLEICHUNGEN ÜBER DIE GESTALT EINES KÖRPERS VERRATEN
Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Elmar Schrohe
| Die Eigenwerte elliptischer Differential_ operatoren haben oft eine physikalische | Bedeutung. Sie lassen sich zum Beispiel |„sehen“, etwa als einzelne Spektrallinien | von Atomen.„Hören“ kann man dagegen die Eigenwerte des Laplaceoperators, die den reinen Schwingungen einer Membran von dieser Form entsprechen. Eine solche einfache Trommel klingt mit einer Vielzahl unterschiedlicher stehen_ der Wellen(d.h. reiner Töne). Tatsächlich sind es unendlich viele, die man nach aufsteigenden Frequenzen ordnet.
Eine interessante Frage ist nun, inwieweit Cie Folge der Eigenwerte durch die Geonetrie des Gebiets bestimmt ist. Einfacher esagt: Wenn man in einem dunklen Raum ne Trommel hört, kann man dann ledigch auf Grund der Töne, die sie erzeugt, was über ihre Form sagen? Klar ist zum eispiel, daß der Grundton einer großen Trommel tiefer ist als der einer kleinen. Am Anfang des Jahrhunderts stellte der holländische Physiker Hendrik A. Lorentz die Vermutung auf, daß das asymptotische Wachstum der Eigenwerte in erster Näherung al
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lein durch die Fläche der Membran bestimmt ist. Hermann Weyl aus Cöttingen konnte dies im Jahre 1911 beweisen. Weitere Resultate in dieser Richtung gaben sogar Anlaß zu der Spekulation, daß möglicherweise die gesamte Form des Gebiets durch die Eigenwerte bestimmt sein könnte. Erst seit einigen Jahren weiß man, daß dies nicht der Fall ist: Zwei Trommeln können genau gleich klingen, obwohl sie unterschiedliche Gestalt haben.
Gleichwohl ist die Frage interessant, welche Information man aus den Eigenwerten ablesen kann. Ein wichtiges Hilfmittel ist dabei die Spur des sogenannten Wärmeleitungsoperators. Der Wärmeleitungsoperator beschreibt, wie ein Körper oder eine Fläche auf Temperaturveränderungen reagiert. Mathematisch ist die Währmeleitungsspur die Summe der Exponentiale der Eigenwerte. Es stellt sich heraus, daß man die Fläche der Membran und ihren Umfang ermitteln, ja sogar einiges über die Krümmung des Randes sagen kann, ohne die Trommel selbst zu sehen. Vor diesem elementaren Hintergrund ging es in der Einführungsvorlesung von Prof.
STATISTISCHE PHYSIK UND CHAOSPHYSIK
Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Arkadi Pikovski
Im Juli hielt der frischgebackene Professor für Statistische Physik und Chaostıeorie, Arkadi Pikovski, seine Antrittsvorlesung im großen Physikhörsaal. Vor vollbesetztem Hörsaal legte Pikovski in anschaulicher Weise seine Forschungsthemen dar und führte die Hörer in die Zusammenhänge von moderner Statistischer Physik und Chaostheorie ein. Der tefgreifende Zusammenhang dieser Disziplinen hat nicht nur Auswirkungen auf die Physik, sondern beschäftigt auch Philosophen, deren Theorien ebenfalls von den neuen Ideen der Physik befruchtet werden(und umgekehrt).
Im Zusammenhang mit dem Hauptthema wurden auch die vollständige Synchronisation zweier chaotischer Systeme und seltsame, nichtchaotische Attraktoren behandelt. Beim ersten Thema handelt es sich um einen Effekt, der besagt, daß zwei chaotische Systeme(zum Beispiel die bekannten Pendel, die mal wie wild schwingen, sich dann wieder fast regelmäßig im Takt bewegen) unter bestimmten Bedingungen von selbst in einen Zustand der Gleichbewegung(der Synchronisation) verfallen. Der zweite Punkt behandelt das Auftauchen von seltsamen,
fraktalen Gebilden, ohne daß die zugehörige Be-« wegung chaotisch ist. Ein Beispiel für die „Seltsamkeit“ sind die bunten Muster der sogenannten „Apfelmännchen“, die inzwischen schon auf T-Shirts zu sehen sind. Auch dieser Effekt bildet einen interessanten Zweig der neuesten Forschung. Prof. Pikovski hat mit seiner Vorlesung gezeigt, daß es möglich ist, komplizierte Sachverhalte mit einfachen Worten und etwas Vorstellungskraft klarzumachen. Bleibt zu hoffen, daß auch seine weiteren Vorlesungen über Theoretische Physik den Studenten so einleuchtend und didaktisch wohlvorbereitet präsentiert werden.
Markus Abel
Foto: Tribukeit
Prof. Dr. Arkadı Pikovski
Dr. Elmar Schrohe um Wärmeleitungsentwicklungen für kompliziertere Operatoren auf höherdimensionalen Gebieten mit Rand. Darüber hinaus erläuterte er die Verbindung zur Dixmierspur und dem Wodzicki-Residuum, zwei weiteren Spuren, die in der Mathematik und der mathematischen Physik eine wichtige Rolle spielen. Zg.
TREFFEN FRANZÖSISCHER UND DEUTSCHER REKTOREN
Vom 31. August bis 1. September 1998 trafen sich an der Universität Potsdam die Präsidien der deutschen Hochschulkonferenz und der französischen Conference des Grandes Ecoles(CGE). Die Gäste wurden von der Prorektorin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Bärbel Kirsch, begrüßt. Das Treffen diente dem Informations- und Erfahrungsaustausch. Neben den Gesprächen zu Reformen und aktuellen Entwicklungen der Hochschullandschaften beider Länder standen auch eine Besichtigung des Neuen Palais und des Parks von Sanssouci auf dem Programm. Die Schirmherren dieser Begegnung waren der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz(HRK), Prof. Dr. Klaus Landfried, und der CGE-Präsident, Prof. Dr. Jacques Levy. Die Gäste brachten zum Ausdruck, daß sie an der Uni Potsdam einen würdigen Begegnungsort für ihre Tagung und für die Vertiefung der deutsch-französischen Freundschaft vorfanden. U.W.
Prof. Dr. Elmar Schrohe Foto: privat
Online-Magazin des DAAD
Seit Juli 1998 ist der Deutsche Akademische Austauschdienst(DAAD) mit seinem„Aktuellen Magazin“ unter http://www. daad.de/ magazin online. Das Magazin enthält das „Thema des Monats“ mit Hintergrundinformationen und einer Liste von weiterführenden Links, das Forum„Come in and Go out“ mit Erfahrungsberichten und Tips zur Mobilität, eine Chronik der letzten Monate mit Werkstattberichten aus der Arbeit des DAAD, Pressenotizen, eine Terminvorschau, aktuelle Ausschreibungen und neue DAADProgramme sowie den Newsflash. pm.
PUTZ 7/98
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