SPORT IST MEHR ALS NUR BEWEGUNG Uni beteiligte sich an REHAbilitation Berlin‘98
UNIVERSITAT Pot
AM
SD.
Zu den 269 Ausstellern auf der REHAbilitation Berlin’98 zählte auch die Universität Potsdam. Es infor
Zwischen fünf und sechs Millionen Men
chen mit Behinderungen leben in Deutschland. Die meisten von ihnen verint vermutlich ein gemeinsamer Wunsch: sie wollen mehr Selbständigkeit erlangen, ein höheres Selbstwertgefühl bekommen, die Anforderungen im Alltag besser meistern. Das Anliegen findet zunehmend Gehör. Nach dem Auftakt 1996 jab es jetzt die zweite Reha-Messe für Berlin und die neuen Bundesländer, die XEHAbilitation Berlin’98. Im Sportforum ler Bundeshauptstadt erhielten renommierte Firmen, Händler, Leistungsanhieter Kontakt zu Fachleuten; Behindertenverbände und-vereine, Ämter, Behörden und Kontaktstellen vermittelten Einblick in ihre Arbeit. Mit von der Partie war ıls einzige Hochschule der Region auch die Universität Potsdam.
Uns hat sehr beeindruckt, wie kreativ hier Problemlösungen aufgezeigt wurden“, re‚ümiert Prof. Dr. Jürgen Beckmann aus dem 'nstitut für Sportwissenschaft der Alma nater. Er und seine Mitarbeiter, verstärkt durch Vertreter des Brandenburgischen Vereins für betriebliche Gesundheitsförderung e.V., seien mit ihrer Präsentation vom Gesamtprofil der Einrichtung bis hin zu einzelnen Kooperationen und Vorhaben teichend- auf starkes Interesse der insgesamt mehr als 18.000 Messe-Besucher gestoßen. Großen Anteil daran besitze die Darstellung des gerade eingeführten Studienangebots„Integrativer Behindertensport“, Es steht in Potsdam sowohl für Lehramts- als auch Diplom-Studenten auf dem
| mierten unter anderem Prof. Dr. Jürgen Beckmann(r.), Dr. Hans Henning Ohlert(1). aus dem Institut | für Sportwissenschaft und Thomas Kotsch vom Brandenburgischen Verein für betriebliche Gesundeitsförderung e.V.(2.v.1.), hier im Gespräch mit einem der zahlreichen Besucher.
Foto: Gläser
Studienplan. Sein Vorteil: In den Lehrveranstaltungen will man nicht nur graue Theore, sondern zugleich praktische Erfahrun
gen vermitteln. Spezielle Übungseinheiten bieten dazu Gelegenheit. Gedacht ist derzeit sogar an eine Fortbildung für externe Studierende.„Die steigende Nachfrage signalisiert uns den vorhandenen Bedarf“, erläutert Beckmann. Noch allerdings ist es nicht soweit.„Die Gespräche mit dem brandenburgischen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport beginnen erst“, so der Uni-Wissenschaftler zum gegenwärtigen Stand der Vorbereitung.
Viel Aufmerksamkeit habe es während der Messe auch für die Vorstellung des interdisziplinären Projekts„Tauchen mit Behinderten und Nichtbehinderten“ gegeben. Seit Oktober vergangenen Jahres nehmen daran fünf nichtbehinderte und sechs behinderte Tauchanfänger teil. Der jüngste unter ihnen ist 14, die älteste Teilnehmerin 54 Jahre. Für die Potsdamer Sportwissenschaftler liegt es seit langem auf der Hand: Noch klafft die Lücke zwischen Behinderungen unterschiedlicher Ursache, möglichen Rehabilitationskuren und anderen Maßnahmen sowie konkreten Angeboten im integrativen Breitensportbereich.„Das zwingt uns als Hochschule, für eine Ausbildung kompetenter Lehrkräfte auf diesem Gebiet zu sorgen“, betont Beckmann und hofft auf eine Verringerung jenes Defizits in den nächsten Jahren. PG.
VON BABYLON NACH AVGINON, VON
ROM NACH POTSDAM Epos-Tagung an Uni
Antike Kulturen historisch zu rekonstmuieren, aber auch die Geschichte der Rekonstruktion der Antike und die Wirkungsgeschichte antiker Kultur darzustellen, gehört zu den Aufgaben der Klassischen Philologie, für die Gesprächspartner über das Institut für Klassische Philologie der Uni Potsdam hinaus gesucht werden. Zu erleben war das zuletzt am Ende des Wintersemesters, als in Golm insgesamt knapp hundert Studierende, Lehrer- und Wissenschaftlerinnen einen ganzen Tag lang eine Gattung diskutierten, die für die antike Literatur- und darüber hinaus— zentral ist: die Epik.
Ausgehend von der Provokation der Altorientalistin Beate Pongratz-Leisten, den klassisch-antiken Epos-Begriff in der mesopotamischen Literatur zu testen, war der Kerngedanke, auch unter Ausblendung zentraler antiker Epen(Ilias und Odyssee zum Beispiel) einen, nämlich den lateinischen Strang möglichst kontinuierlich zu verfolgen: Welche Konstanzen, welchen Wandel zeigen die Formen und Funktionen epischer Dichtung? Die Themen reichten über„das Augusteische des augusteischen Epos Vergils“, der Aeneis(Ernst A, Schmidt),
„das Epos in der Spätantike“(Karla Pollmann) bis hin zum„Epos in der neulateinischen Literatur“(Heinz Hofmann). Ein Podium aus Potsdamer und Berliner Neu- und Altphilologen und ein aktives Publikum klopften das präsentierte Material auf seine Funktion in den veränderten Öffentlichkeiten, von Augusteischen Literatenzirkeln bis hin zu frühneuzeitlichen Höfen ab. Gerade in der Situation des Umbruchs, des neuen Umgangs mit dem Mythos, beschleunigten politischen und religiösen Wandels, so die Teilnehmer, blieb die epische Form ein Instrument, Weltdeutungen mit hohem Anspruch zu formulieren.
Der Erfolg der Tagung schlug sich in der Entscheidung nieder, die im Licht der Diskussion überarbeiteten Beiträge den Teilnehmern und einer weiteren Öffentlichkeit im Frühjahr 1999 in den Potsdamer altertumswissenschaftlichen Beiträgen zur Verfügung zu stellen. Aber auch Neues ist geplant: Mit einer Tagung im Februar kommenden Jahres zum Thema„Caesar“ möchte das Institut die angeknüpften Gesprächsfäden fortspinnen. Dann wird die Linie vom„ersten Kaiser“ zum Militär- und Schulschriftsteller der Frühen Neuzeit und Gegenwart zu ziehen sein. Jörg Rüpke
PUTZ 7/98
Seite 11