Heft 
(1.1.2019) 07
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EIN LEBENDES MUSEUM INMITTEN DER STADT

Botanischer Garten der Universität Potsdam mit steigenden Besucherzahlen

Das Bäumchen besitzt eine etwas unge­wöhliche Geschichte. Seine ‚Vorfahren stammen von den im Stillen Ozean liegen­den Osterinseln. Hier starben sie zunächst in den 50er Jahren aus. 1956 sichtete der große norwegische Zoologe und Völker­kundler Thor Heyerdahl dort den letzten Toromiro-Baum(Sophora toromiro), des­sen Samen er mit nach Göteborg nahm. Nachkommen gelangten über diesen Umweg auch nach Bonn. Der Oberbürger­meister der Rhein-Metropole schließlich nahm eines der zierlichen Gewächse 1995 mit auf die Reise zur Partnerstadt im Bran­denburgischen. Der Botanische Garten Potsdam sein neues zu Hause verfüg­te damit über eine Attraktion mehr.

Die Einrichtung besteht seit 1950 und um­faßt rund fünf Hektar Fläche. Geführt wird sie heute von Prof. Dr. Klaus Klopfer, verant­wortlich auch für die Lehre in der Allgemei­nen und Speziellen Botanik an der Univer­sität Potsdam, zu der das mit vielen bizar­ren Schönheiten versehene Areal gehört. Unter seiner Leitung hat sich in den vergan­genen insgesamt elf Jahren manches verän­dert: ein eigens für die Orchideen errichte­tes Haus entstand, das Alpinum benannt nach den Alpen- wurde nach geographi­schen Gesichtspunkten neu bepflanzt, eine Öko-Blumenwiese kam hinzu, die systema­tische wie die morphologische Abteilung unterlagen notwendigen Veränderungen. Immerhin 26 Mitarbeiter sorgen sich ge­genwärtig um das Gelände, Dienst ist ei­gentlich immer: die Gewächshäuser blei­ben an den Wochenenden geöffnet, die Freilandanlage steht zumindest im Som­merhalbjahr dem Betrachter zur Verfügung. Und die Besucher kommen zahlreich.Die erwartete Jährliche Gästezahl haben wir be­reits Ende August überschritten, konstatiert Klopfer. In den Gewächs­häusern seien bislang 31.600 Pflanzenfreunde ge­zählt worden, Schätzungen für das Freiland beliefen sich auf rund 70.000 Be­sucher. Aber nicht nur per pedes sammelt offensicht­lich die große Schar der Garten-Interessierten Ein­drücke und Informatio­nen. Kustos Dr. Peter Scharf registriert auch eine

Der Botanische Garten der Uni Potsdam wurde 1950 auf dem Gelände des ehemaligen Terrassen­reviers der Hofgärtnerei von Sanssouci angelegt. Er gliedert sich in einen großen Gewächshauskom:­plex und das rund 4.000 verschiedene Pflanzenarten beherbergende Freilandgelände. Foto: Archiv

naueres über einzelne Giftpflanzen gebeten wird, erläutert er.

Drei Säulen tragen die Einrichtung. Wesent­lichen Stellenwert dabei besitzt die Ausbil­dung der Studierenden im Fach Botanik. Zukünftige Biologen, Biochemiker, Ernäh­rungswissenschaftler, Geoökologen und Biologielehrer erwerben hier systematische, morphologische, ökologische und geobota­nische Kenntnisse für den späteren Beruf. Daß neben der Lehre auch Forschungsarbeit erfolgt, scheint fast selbstverständlich. Wich­tig ist den Mitarbeitern zudem ihr Engage­ment auf dem Gebiet des Natur- und des Artenschutzes, So gibt es ein Schaubeet mit vom Aussterben bedrohten heimische Pflan­zenarten. Im kleinen Rahmen beschäftigen sich die Fachleute damit, gefährdete Pflanzen zu ver­mehren und deren Kultur­bedingungen zu ermitteln. Auch technische Angele­genheiten kommen nicht zu kurz. Schritt für Schritt erhält der aus den Jahren 1908-1911 stammende Gewächshauskomplex die nötige Modernisie­rung. Lediglich drei der insgesamt zehn Häuser

Zunahme schriftlicher An- befinden sich noch im al­fragen. ‚Wir bekommen, ten Zustand. Gerade be­eine Reihe von Zuschriften, In den Gewächshäusern werden ginnt der Bau eines neuen in denen etwa um Auskünf- rund 4.500 Pflanzenarten aus tropi- Palmenhauses.Das be­te zu bestimmten Kultur- schen und subtropischen Gebieten deutet nicht nur Abriß und bedingungen oder um Ge- kultiviert. Foto: Fritze Wiederaufbau, erklärt

dazu Wolfgang Pifrement, Technischer Lei­ter des Gartens, und meint nicht nur die ın den Werkstätten zu meisternde Puzzlearbeit der Vornumerierung sämtlicher Einzelteil». Einige zu groß gewordene Pflanzen fallen dem Geschehen beispielsweise mit Sicher­heit zum Opfer. Andere versuchen wir wie­derum auszulagern, und ansonsten bepflan­zen wir mit schon vorhandenen AÄnzuchter, So seine Einschätzung zum Vorgehen. Mit von der Partie sei bei dem gesamten Vorha­ben die Denkmalpflege. ‚Wenn alles gıt geht, sind wir im Oktober99 fertig, hofft er. Vorerst jedoch werden aufgrund der Ba:ı­tätigkeit auch die benachbarten Gewächs­häuser geschlossen.Das ist allerdings nur vorübergehend der Fall, versichert Pifre­ment.Noch vor Weihnachten sind sie wi®­der zugänglich. Potsdamer und ihre Gäste müssen also nur kurz auf eine Stippvisite ver­zichten. Nichtsdestotrotz gibt es weitere Sa­nierungspläne. Ganz oben auf der Wunsch­liste steht die Erneuerung des Seerosenhat­ses. Es ist im Laufe der Jahre aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit stark verrostet. PG.

Die Gewächshäuser sind im Sommer­halbjahr(1. April bis 30. September) täglich von 9.30 bis 17.00 Uhr, im Win­terhalbjahr(1. Oktober bis 31. März) von 9.30 bis 16.00 Uhr geöffnet. Eintritt: 2,- DM, ermäßigt 1,- DM. Die Freiland­anlagen können vom 1. April bis 30. September von 8.00 bis 17.00 Uhr und vom 1. bis 31. Oktober von 8.00 bis 16.00 Uhr besichtigt werden. Eintritt frei.

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PUTZ 7/98