AUS DEM KONZIL BERICHTET
Die Mitglieder des 3. Konzils der Universität Potsdam trafen sich am 25. Juni 1998 zu ihrer sechsten Sitzung.
Im Zentrum dieser Zusammenkunft stand der Rechenschaftsbericht des Rektorates für den Zeitraum vom 1. Oktober 1996 bis 30. September 1997 und die Stellungnahme des Konzils dazu. Das den Gremienmitgliedern vorgelegte Papier enthält sowohl den Bericht zur Tätigkeit des Rektorates als auch die in eigener Verantwortung enstandenen Berichte der einzelnen Einrichtungen. Der Rektor, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, widmete sich in seinen mündlichen Ausführungen der Gesamtentwicklung der Universität im Berichtszeitraum, äußerte sich zu ihm wichtigen Einzelpunkten und schätzte die gegenwärtige schwierige Situation der Hochschule ein. Prof. Loschelder konstatierte eine erhebliche Unterfinanzierung im Sachmittelbereich. Diese Engpässe müßten durch Personalmittel(unbesetzte Stellen) ausgeglichen werden. Was die Mittelfristige Finanzplanung betreffe, so sei die geforderte Anpassung der Haushaltsentwicklung an den Hochschulentwicklungsplan nur bei einer „vernünftigen Prioritätensetzung“ möglich. Diese fehle aber nach Aussagen des Rektors. Er kritisierte des weiteren, daß die Brandenburgische Hochschulrektorenkonferenz in die Novellierung des Brandenburgischen Hochschulgesetzes so gut wie nicht einbezogen wurde. Prinzipiell würden mit der Novelle zwar richtige Ziele angesteuert. Sie erwiesen sich aber deshalb als unerreichbar, weil Regelungen in vielen Einzelheiten, wie„Stärkung der Hochschulautonomie“, kontraproduktiv seien. Die Hierarchisierung und Bürokratisierung nehme durch die offenbar angestrebte Installation von Unternehmensstrukturen zu. Die Hochschulen würden ihrer kollegialen Strukturen beraubt, durch die Beseitigung der Gruppenstrukturen erfolge eine Schwächung der Hochschulen auf dem Gebiet der inneren Demokratie, so Wolfgang Loschelder weiter.
Fortschritte bei der Entwicklung der Universität Potsdam zeigen sich nach Auffassung des Referenten beispielsweise in ihrer Aufnahme in die Deutsche Forschungsgemeinschaft, im Ausbau der Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen oder im gesteigerten Drittmittelaufkommen.
In der sich an die Ausführungen des Rektors anschließenden Diskussion brachten die Gremienmitglieder ihre Betroffenheit angesichts der angespannten Hochschulsituation zum Ausdruck. Die Universität gerate zunehmend in die Defensive und drohe zu einer„Spartenuniversität“ zu verkommen, so ihr Eindruck. Die zunehmen
de Mittelknappheit habe unter den Fakultäten Verteilungskämpfe zur Folge, die sinnvoller in Lehre und Studium eingesetzte Kräfte binde. Ebenso kritisierten Konzilsmitglieder den fehlenden politischen Willen der Landesregierung zur Prioritätensetzung für Bildung und Wissenschaftsförderung. Dem Rektorat wurde Anerkennung für den Mut und das Bemühen ausgesprochen, die Fehler der Politik ausbessern zu wollen.
Das Gremium beschloß, das Positionspapier der Konzilskommission„Hochschulreform“ weiter zu konkretisieren und dem Senat als Empfehlung zu übergeben. B.E.
AUS DEM SENAT BERICHTET
In seiner 53. Sitzung am 9. Juli 1998 hat sich der Senat mit folgenden Themen beschäftigt bzw. nachstehende Beschlüsse gefaßt:
Die Senatoren wählten Dr. Irma Bürger von der Zentralen Studienberatung und Zustän
- dige für die Beratung Studierender mit Be
hinderung zur Beauftragten für Behinderte und Heide Simm zu ihrer Stellvertreterin. Irma Bürger wird in dieser Funktion die Belange der Studierenden mit Behinderung, Heide Simm die der Mitarbeiter mit Behinderung vertreten.
Des weiteren stimmten die Gremienmitglieder den Änderungen sowohl der Studienordnung als auch der Besonderen Prüfungsbestimmungen für den Diplomstudiengang Chemie zu.
Die Psychologische Beratungsstelle der Universität wurde in Psychologisch-Psychotherapeutische Ambulanz umbenannt. Dies ergibt sich aus dem am 1. Januar 1999 in Kraft tretenden Psychotherapeutengesetz. Dadurch wird eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten bzw. zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten gesichert. In diesem Gesetz ist auch der gesetzliche Anspruch poliklinischer Institutsambulanzen an Psychologischen Universitätsinstituten auf Ermächtigung zur ambulanten Krankenbehandlung geregelt.
Der Senat nahm den von der Wirtschaftsund Sozialwissenschaftlichen Fakultät vorgelegten Frauenförderplan für die Geltungsdauer von vier Jahren zustimmend zur Kenntnis. Zustimmung erfolgte auch zum Kooperationsvertrag der Universität Potsdam, insbesondere der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät mit der Finanzakademie bei der Regierung der Russischen Föderation bei gleichzeitiger Überarbeitung des Vertragstextes. Der Vertrag dient als Grundlage für wissenschaftliche Zusammenarbeit in Forschung und Lehre auf dem Gebiet des Finanz- und Bankwesens. B.E.
„Kompass“ durch deutsche Hochschulen
Die Hochschulrektorenkonferenz(HRK) bietet mit dem elektronischen Informationssystem„HRK-Hochschulkompass“ auch über das Internet Informationen zu allen staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland, allen von den deuvtschen Hochschulen angebotenen grundständigen Studiengängen, allen weiterführenden Studienangeboten und allen Promotionsmöglichkeiten. In absehbarer Zeit werden auch Angaben über die mehr als 12.000 internationalen Kooperationsvereinbarungen deutscher Hochschulen verfügbar sein. Für die über 8.000 grundständigen, rund 1.200 weiterführenden und rund 2.700 Promotionsstudienangebote der Hochsch:len in Deutschland hat die HRK ein Suchund Abfrage-System entwickelt, das de: Benutzer erlaubt, rasch die ihn interessierenden Informationen aufzufinden.
Wer detailliertere Auskünfte braucht, karn sich über Links direkt in die Informationsseiten der jeweiligen Hochschule einwählen. Der Zugang zum Hochschulkorpass ist über www.hrk.de oder www. hochschulkompass.hrk.de möglich. HRK
Emmy Noether-Programm
Das Qualifikationssystem an deutschen Hochschulen steht in der Diskussion. Mit dem Problem beschäftigt sich auch das neue Emmy Noether-Programm der Deuvtschen Forschungsgemeinschaft(DFC). Seine Absicht ist es, ein deutliches Signal zur Veränderung der verfestigten Strukti:ren zu geben, wirken könne es aber nach Ansicht von DFG-Präsident Prof. Dr. ErnstLudwig Winnacker nur mentalitäts- und modellbildend. Die Veränderung der Ve-hältnisse gerade für Spitzennachwuchskräfte müsse durch die Hochschulen selbst erfolgen.
Ziel des neuen Programms ist es, besonders qualifizierten jungen Nachwuchswissenschaftlern unmittelbar nach der Promotion die Möglichkeit zu eröffnen, innerhalb von fünf Jahren durch einen Forschungsaufenthalt im Ausland und eine anschließende selbständige Forschungstätigkeit an einer deutschen Hochschule die wissenschaftlichen Voraussetzungen für eine Berufung als Hochschullehrer zu erlargen. Gedacht ist an einen Programmumfang von 100 Neubewilligungen pro Jahr, also 500 laufende Förderungen bei einer fünfjährigen Aufbauphase. pm.
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PUTZ 7/98