JE BESSER DER UNTERRICHT, UMSO QUALIFIZIERTER DIE STUDIERENDEN
Schulen und Universität kooperieren
„Eine Gesellschaft, in der die Jugend keine beruflichen Perspektiven hat, vergeudet ihr wichtigstes Zukunftspotential und verspielt das Vertrauen ihrer BürgerInnen.“ Die Brandenburgische Landesrektorenkonferenz(BLRK) sieht es deshalb als ein vorrangiges Ziel an, mitzuhel’en, die Jugendarbeitslosigkeit mit ihren Folgeproblemen, wie berufliche und politische Perspektivlosigkeit, abbauen zu helfen.
Die drei Universitäten, die Filmhochschule und fünf Fachhochschulen des Landes Brandenburg können nach Auffassung ihrer Rektoren mit vielfältigen Angeboten wesentlich zur Entschärfung des Problems auf dem Arbeitsmarkt beitragen.
In enger Zusammenarbeit mit den Berufsperatungszentren der Arbeitsämter, Beraungslehrern an den Schulen sowie Vertretern aus Unternehmen und Gewerkschafen entwickelten die Hochschulen attraktive und zukunftsträchtige Studienangebote. Die BLRK will deshalb auf die Chancen aufmerksam machen, die der Hochschulstandort Brandenburg den jungen Menschen des Landes eröffnet.
Auch die Universität Potsdam kann in diesem Zusammenhang auf zahlreiche Aktivitäten verweisen. So erhalten potentielle Interessenten gezielt Auskünfte über das Studienangebot der Hochschule. Die Mitarbeiterinnen der Zentralen Studienberatung informieren auf der Grundlage der Wünsche und Vorstel\'ungen der zukünftigen Studierenden über Studienmöglichkeiten. Damit sollen sie in die Lage versetzt werden, sich für die Schwerpunkte zu entscheiden, für die sie die besten Voraussetzungen mitbringen und die ihnen
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Das Helmholtz-Gymnasium in der Potsdamer Kurfürstenstraße gehört zu den Schulen, mit denen die Universität Potsdam enge Kontakte pflegt. Foto: Tribukeit
Zahlreiche Projekte, von der Praktikantenausbildung bis zur konkreten Unterrichtsgestaltung,
verbinden verschiedene Potsdamer Schulen mit der Universität,
günstige Berufsperspektiven eröffnen. Die zahlreichen Veranstaltungen des jährlich im Frühjahr stattfindenden Hochschulinformationstages finden bei Hunderten von Schüleinnen und Schülern Anklang. Ebenso wie beim Schnupperstudium können die jungen Leute dabei nicht zuletzt das Flair einer Universität in vielen Bereichen kennenlernen. Darüber hinaus existieren zahlreiche Kontakte zu Schulen der Region. An Gymnasien, Realschulen, Gesamtschulen, Grundschulen und Oberstufenzentren absolvieren Lehramtsstudierende verschiedener Semester ihre Praktika. Gemeinsam mit dem Institut für Mathematik arbeitet das Helmholtz-Gymnasium seit über einem Jahr an der weiteren Qualifizierung des Mathematik-Unterrichts, um Schüler besser auf selbständiges und problemorientiertes Lösen von Aufgaben vorzubereiten. Der Didaktiker Prof, Dr. Thomas Jahnke möchte zeigen, daß es auch in Deutschland möglich ist, durch anspruchsvolle Problemstellungen einen schüleraktiven Unterricht zu gestalten.
Seit Herbst 1996 gibt es am Institut für Slavistik der Uni einen Schülerklub.„Er bietet Schülern aus Potsdam und Umgebung die Möglichkeit, den Umgang mit dem Internet zu erlernen und selbst HTML-Seiten, wie beispielsweise themenorientierte Seiten zu Rußland und persönliche Homepages, zu erstellen“, erläutert Dr. Rolf-Rainer Lamprecht. Wenn im Wintersemester Lehrer der geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer des Helmholtz-Gymnasiums eine Einführung in das Internet erhalten, dann hofft Lamprecht, daß sich daraus ein„Lehrerklub am Institut für Slavistik“ entwickeln könnte. Auch die Didaktik der Chemie an der Universität zeichnet sich durch eine enge Verknüpfung von Theorie und Praxis aus. Dem
Foto: Tribukeit
Rechnung tragend, werden aktuelle Fragen der Sekundarstufe I und II problematisiert, experimentell erschlossen, didaktisch-methodisch aufbereitet und im Rahmen der Didaktikausbildung sowie in Fortbildungsveranstaltungen mit den Studierenden und Lehrern diskutiert. Darin eingeschlossen ist die Forschungsarbeit zum Computereinsatz im Chemieunterricht. Die praxisrelevante Umsetzung der Ergebnisse erfolgt in der Zusammenarbeit mit Schülern und Lehrern des Helmholtz-Gymnasiums. Ziel ist es nach Aussagen von Dr. Brigitte Duvinage von der Uni,„die in diesen Veranstaltungen gewonnenen Kenntnisse und Erkenntnisse in die Gestaltung des Chemieunterrichts an diesem Gymnasium einfließen zu lassen“. Zu den Projekten, die die Hochschule mit Schulen gemeinsam realisiert, gehört auch die bundesländerübergreifende Initiative „Medienstern Schule“ der Arbeitsstelle Medienpädagogik. Sie soll helfen, das medienpädagogische Arbeiten in Schulen und Hochschulen zu fördern. Einbezogen sind Schulen in Tützpatz, Kirchmöser, Barleben und Jena. Das Institut für Germanistik wartet mit „SChülerseminaren“ zur Literatur auf. Sie bieten Grund-, Leistungs- und Profilkursen der gymnasialen Oberstufe die Möglichkeit, erworbenes Wissen und Fähigkeiten in neuen Zusammenhängen anzuwenden und zu erweitern. Zu den Themen gehören die Literatur und Kultur im Barockzeitalter ebenso wie „Reisen in Büchern“ oder die Auseinandersetzung mit den Schriftstellern Theodor Fontane und Gottfried Benn.
Alle Beteiligten an diesen und weiteren Projekten betonen den beiderseitigen Nutzen. Potentiale sowohl der Schule als auch der Hochschule werden genutzt, um den Unterricht zu verbessern, aber ebenso um Lehre und Studium zu bereichern. B.E:
PUTZ 7/98
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