FAHRT ZUM INTERNATIONALEN GERICHTSHOF Exkursion der Wahlfachgruppe Europa- und Völkerrecht
Unter Leitung von Prof. Dr. Eckart Klein machten sich im Juni Studierende aus der Juristischen Fakultät der Potsdamer Uni auf den Weg nach Den Haag. Ziel der Exkursion war der Internationale Gerichtshof, ein Organ der Vereinten Nationen.
Auf dem Programm standen die Teilnahme an einem Hearing im Fall Spanien vs. Kanada, die Besichtigung des Friedenspalastes - dem Sitz des ICH— sowie ein Gespräch mit den Richtern Prof. Dr. Rosalyn Higgins und Dr. Carl August Fleischhauer. Imposant erschien der von einem Park umgebene Friedenspalast. Dieses zunächst vom Auszehen in die Renaissance einzuordnende Gebäude wurde tatsächlich erst zu Beginn les 20. Jahrhunderts erbaut. Interessant war für die Reiseteilnehmer beispielsweise las stilvoll eingerichtete Japanische Zimner, welches für internationale Beratungen jenutzt wird. Die Amtssprachen am ICH 3ind Englisch und Französisch. Das spiejelt sich im Verhandlungssaal wider durch an gewaltiges französisches Gemälde und ;nglische Glasmalerei. Zudem wird der kaum durch„veritas“ und„iustitia“ in Frauangestalt geschmückt.
Jer Internationale Gerichtshof stellt das »rimäre Rechtsprechungsorgan der Verainten Nationen dar. Seine Arbeit nahm er m Jahre 1946 auf, was die Ablösung des zeit 1922 im Friedenspalast tätigen Ständi
Im Gespräch(v.l.n.r.): Prof. Dr. Eckart Klein, Prof. Dr. Rosalyn Higgins, Dr. Carl August Fleischhauer
gen Internationalen Gerichtshofes bedeutete. Das Cericht besitzt zwei Aufgabenbereiche: das Beilegen von Rechtsstreiten zwischen Staaten nach Völkerrecht sowie das Erteilen von Ratschlägen bei Rechtsfragen von bestimmten internationalen Organisationen und Behörden. Das Cericht setzt sich aus 15 unabhängigen Richtern zusammen, die für neun Jahre durch die Generalversammlung und den Sicherheitsrat der UN gewählt werden. Dabei
BIOLOGIE PUR
Weitere Exkursion nach Helgoland
Die Nordsee birgt ungeahnte Schönheiten N sich: skurril-zarte Polypen, phantastisch Jeformte und gefärbte Stielquallen, Seeıelken und Moostierchen. Röhrenwürmer nit filigranen Tentakelkronen oder bunte Nacktschneckenschönheiten wirken wie us tropischen Meeren importiert. Meist sind es Winzlinge, die sich erst bei vergröBerter Betrachtung als faszinierende Geschöpfe entpuppen.
Alls dies und mehr gab es bei der nunmehr schon achten Meeresbiologischen ExkursiOn nach Helgoland zu bestaunen. Auch oberhalb der 0 m-Marke hat die einzige Felswattinsel Deutschlands einiges zu bieten: Seehunde und Kegelrobben lassen sich bei behutsamer Annäherung, auch im Wasser, sehr gut beobachten, und die Bewohner des Vogelfelsens— Trottellumen, Tordalken, Baßtölpel und Dreizehenmöwen = sind interessante und zudem schöne ObJekte zum Studieren der Verhaltensweisen bei Paarung, Nachkommenaufzucht oder Revierverteidigung.
Das Gewinnbringende dieses Praktikums ist nach Ansicht seiner Teilnehmer die Kombination aus Beobachtungen in der Natur, Laborexperimenten, Experten-Vorträgen und sachkundigen Führungen, zum Beispiel im Aquarium, in der Vogelwarte und der Meeresbiologischen Anstalt. Diese Woche bot neben wissenschaftlichem Wirken jedoch auch Raum und Zeit, das zu tun, was während des Biologiestudiums häufig übergangen wird: Natur zu erleben, sie mit allen Sinnen aufzunehmen und eine Ahnung ihrer Rhythmen zu erhalten, bevor es ans Analysieren, Klassifizieren und Schematisieren geht.
Trotz dieses Highlights gibt es bei den UniBiologen doch auch Sorgen. Immerhin können die meeresbiologischen Exkursionen nach Giglio(Italien) aufgrund finanzieller Nöte schon nicht mehr durchgeführt werden. Man fürchtet deshalb ebenso um das Schicksal des Helgoland-Praktikums, sein Wegfallen wäre für die Studenten ein Verlust. Birgit Seifert
Foto: Neils Carstensen
darf nicht mehr als ein Richter einer Nationalität vertreten sein. Alle drei Jahre erfolgt die Wahl eines Drittels der Richter. Dr. Carl August Fleischhauer ist gegenwärtig der zweite deutsche Richter. Ist im konkreten Fall die Nationalität eines Staates im Cericht nicht vertreten, kann der Staat einen ad hoc Richter ernennen. Nur Staaten können das Gericht anrufen und davor erscheinen. Berechtigt sind somit die Staatenmitglieder der Vereinten Nationen (derzeit 185) und zwei Nichtmitglieder, die Schweiz und Nauru. Seit 1946 fällte das Gericht 65 Urteile. Die Streitfälle betrafen Landes- und Seegrenzen, die territoriale Souveränität, das Asylrecht oder die Nichteinmischung in innerstaatliche Angelegenheiten. Mit Beendigung des Kalten Krieges stieg im übrigen die Zahl der Fälle vor dem ICH. Das Verfahren vor dem ICH ist in dem Statut des Gerichtes festgelegt. Die Prozedur besteht zunächst aus einer Schriftphase, in der die Parteien Anträge einreichen und Anklageschriften austauschen. Es folgt die mündliche Phase, bestehend aus Öffentlichen Hearings. Ein solches Hearing im Fall Spanien vs. Kanada erlebte die Potsdamer Gruppe. Streitmittelpunkt waren Fischfanggebiete auf Hoher See. Vertreter Spaniens legten dazu ihre Auffassungen dar. Das Gericht hatte zunächst aber nur über die Zulässigkeit des Falles vor dem ICH und damit die Anwendung des Völkerrechts zu entscheiden. Wird die Zuständigkeit im vorliegenden Fall verneint, müssen andere zwischenstaatliche Lösungen gefunden werden. Für das kommende Sommersemester ist eine weitere Exkursion geplant.
Bianca Hofmann
PUTZ 7/98
Seite 23