PARLAMENTARISCHES REGIERUNGSSYSTEM UND RAHMENSENKUNGEN FÜR DAS VERWALTUNGSHANDELN
Tagung der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer in Potsdam
Die Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer hielt vom 7. bis zum 9. Oktober im Auditorium maximum der Universität Potsdam ihre diesjährige Tagung ab. Der Einladung nach Potsdam waren mit etwa 450 Personen außergewöhnlich viele Mitglieder sowie ausländische Gäste gefolgt. Die Organisation der Potsdamer Jahrestagung lag in den Händen des Dekans der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Michael Nierhaus.
Die traditionsreiche Vereinigung wurde bereits im Jahre 1922 in Berlin gegründet. Sie führte bzw. führt— mit einer Unterbrechung in der Zeit von 1933 bis 1948— regelmäßige Jahrestagungen zu zwei grundlegend wichtigen und aktuellen Themen in deutschen, Österreichischen und schweizerischen Universitätsstädten durch. Mitglied der Vereinigung kann nur werden, wer sich auf dem Gebiet des Staatsrechts und mindestens einem weiteren öffentlich-rechtlichen Fach beispielsweise Verwaltungs-, Völker- oder Europarecht, habilitiert hat. Der Vereinigung gehören neben aktiven auch ementierte rsp. pensionierte Professoren sowie Privatdozenten an. Mitglieder sind auch Staatsrechtslehrer aus Österreich und der deutschsprachigen Schweiz. Dem Vorstand der Deutschen Staatsrechtslehrervereinigung, dessen derzeitiger Vorsitzender Prof. Dr. Christian Starck von der Universität Göttingen ist, gehört von der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam Prof. Dr. Michael Nierhaus als kooptiertes Mitglied an.
Erster Beratungsgegenstand war am 8. Oktober„Das Parlamentarische Regierungssystem und der Bundesrat— Entwicklungsstand und Reformbedarf“. Dazu referierten Prof. Dr. Dr. Rudolf Dolzer von der Universität Bonn und Prof. Dr. Michael Sachs von der Universität Düsseldorf. Es wurde die besondere Stellung und Funktion des Bundesrates neben Bundestag und Bundesregierung im parlamentarischen Regierungssystem herausgearbeitet. Die Referenten legten Stärken, aber auch Schwächen des parlamentarischen Reglerungssystems im vereinigten Deutschland dar, wobei eine unterschiedliche Akzentsetzung erkennbar und folgerichtig ein Reformbedarf verschieden beurteilt wurde. Einen Anlaß für eine Verfassungsänderung sahen gleichwohl weder die Referenten noch die Teilnehmer der sich an die Vorträge anschlieBßenden Diskussion. Eine besondere Würdigung erfuhr die Veranstaltung an diesem Tage durch die Teilnahme des Bundespräsidenten Prof. Dr. Roman Herzog, der selbst seit 1963 Mitglied der Vereinigung ist. Der zum
Der Bundespräsident Prof. Dr. Roman Herzog(r.), links neben ihm Uni-Rektor Prof. Dr. Wolfgang
Loschelder, nahm an der Tagung der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer in Potsdam te.
Er ist selbst seit 1963 Mitglied dieser Vereinigung.
damaligen Zeitpunkt amtierende Bundesminister der Justiz, Prof. Dr. Edzard SchmidtJortzig, der ebenfalls der Vereinigung angehört, nahm an der gesamten Tagung teil.
Der zweite Beratungsgegenstand am folgenden Tage hatte die Frage zum Inhalt „Rechtliche Optimierungsgebote oder Rahmensetzungen für das Verwaltungshandeln?“, Dabei wurde das Verwaltungsrecht im Schnittpunkt der Staatsfunktionen behandelt. Diese Thematik wurde von den drei Referenten des Tages aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet: Prof. Dr. Thomas Würtenberger von der Universität Freiburg stellte die bundesdeutsche Dog
Foto: Fritze
matik hierzu dar. Prof. Dr. Herbert Haller von der Wirtschaftsuniversität Wien legt: die österreichische Perspektive dar, wäl rend Prof. Dr. Eibe H. Riedel von der Unive sität Mannheim diese Problematik recht: vergleichend mit Blick auf Großbritannien und Frankreich behandelte.
Der wissenschaftliche Teil der Tagung wird traditionell eingerahmt durch ein umfanc reiches Begleitprogramm, zu dessen Höhe punkten in diesem Jahr Empfänge des Bur despräsidenten Herzog im Schloß Bellevu:> sowie des Ministerpräsidenten Stolpe un des Rektors Loschelder in der Universität gehörten. Norbert Jan
JUGENDKONFERENZ ZU GEWALT, RECHTSEXTREMISMUS UND FREMDENFEINDLICHKEIT
An der Universität fand am 5. und 6. November 1998 im Rahmen des„Aktionsbündnisses gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit“ die 2. Potsdamer Jugendkonferenz statt, an die zugleich eine Ausstellung zur Thematik gekoppelt war. In Fortsetzung der im Jahre 1994 ebenfalls an der Universität angesiedelten Konferenz„Jugend in der Krise“ trafen sich erneut Experten aus dem gesamten Bundesgebiet und der Schweiz, um Innovationen gegen Gewalt und politischen Extremismus darzustellen und zu debattieren. Etwa 200 Wissenschaftler, darunter Dr. Dietmar Sturzbecher vom Institut für angewandte Kinheits-, Jugend- und Familienforschung, Pädagogen, Sozialarbeiter und Schüler diskutierten neue Handlungsstrategien, In
itiativen, Projekte sowie schulische und kon
munale, regionale bzw. überregionale Mode
le der Gewaltprävention. Unter der Prämisse, Jugend im Vergleich zu zeigen, erlangte dabei vor allem die Koordination und Vernetzung der verschiedenen Aktivitäten in diesem Be
reich wesentliche Bedeutung. Das Veransta!tungsprogramm ermöglichte sowohl die Tei!nahme an Fachreferaten als auch den Erfahrungsaustausch in Workshops, wie die Daı
stellung des Wetzlaer Regionalen Gewalt
präventionsmodells„Gewalt in der Schule”. Diese zahlreichen Werkstätten ermöglichten es den Praktikern aus der Jugend- und Soz!alarbeit, Erfolge und Mißerfolge von Gleichgesinnten kennenzulernen und zum eigenen Arbeitsbereich in Beziehung zu setzen. T.P
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