„MÄNNER UND MÄNNERBILDER“
Eine Tagung rückte den Mann ins Zentrum der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit
Sind Feminismus, Frauenforschung, Genderstudies und die Diskussion um sich auflösende Geschlechterrollen auch in aller Munde, so ist doch von einem kritischen Bewußtsein hinsichtlich Männern, Männerbildern, patriarchalischen Strukturen bzw. den damit verbundenen Problemfeldem für die Gesellschaft oft nur oberflächlich zu hören oder zu lesen. Zwar tönt es inzwischen durch den Äther, daß Männer Schweine seien. Doch bedeutet dieses in Pop und gute Laune gekleidete Rollenklischee der Männer, auf Kosten vornehmlich der Frauen einzig seine Gene zu reproduzieren, nur eine Dimension eines komplizierten kulturhistorischen, soziologischen und soziobiologischen Zusammenhanges. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer sich ax
immer konflikt- und gewaltbereiter zeigenden Gesellschaft.
Eine eintägige Fachtagung im Potsdamer Alten Rathaus zum Thema„Männer im Spannungsfeld der gegenwärtigen Sozialisation“, initiiert von der Universität und der Sicherheitskonferenz Potsdam, widmete sich Ende Oktober unter der Leitung von Dr. Dietmar Sturzbecher aus dem Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an der Universität Potsdam ganz dem sogenannten„starken Geschlecht“.
„Erzeugen, versorgen, beschützen“ lautete das traditionelle, kulturübergreifende Modell für Männlichkeit. Ganz besonders jedoch für die abendländische Kultur. War es vor allem in den letzten 50 Jahren einem gravierenden Wertewandel unterworfen, zeige es nunmehr Brüchigkeit und funktioniere gegenwärtig auch kaum noch in dieser Absolutheit. Konstant aber sei das Moment der Aggression und der Gewalt geblieben, also die Verknüpfung von Kriminalität und Geschlecht. Denn kulturell tief verwurzelte Verhaltensweisen änderten sich viel langsamer als die von den Medien vermittelten neuen Männerbilder, die junge Väter liebevoll mit ihren Kindern beschäftigt zeigen.
Alle anderen Referenten tangierten problembewußt und auf unterschiedliche Weise die von Prof. Dr. Kurt Möller, Hochschule für Sozialwesen Esslingen, entwickelten drei Säulen männlichen Selbstverständnisses und thematisierten das Phänomen maskuliner Machtausübung unter verschiedenen Aspekten. Die Geschlechterzugehörigkeit erwies sich immer als wesentlicher Schlüssel für die Analyse dieser Problemkreise. Kriminalität, vor allem Jugend- und Gewaltkriminalität, sei eindeutig eine Domäne des Mannes, Düstere Statistiken er
schweren den Glauben an Präventivmaßnahmen. Fast 90 Prozent aller Gewaltdelikte in Deutschland gingen von Männern aus, jede sechste Frau sei im letzten Jahr von ihrem Lebenspartner ein Mal oder mehrere Male geschlagen worden. Oft sähen sich gerade junge Männer gezwungen, Situationen zu schaffen, in denen sie ihr„MannSein“ unter Beweis stellen können. So sei die sprunghafte Zunahme von rechtsextremen Gewalttaten nach 1992 auf die öffentlich geführte Debatte über Ausländer und„Asylanten“ zurückzuführen. Die Folgen sind bekannt. Ob in Cliquen oder bei Crashfahrten mit geklauten Autos, ob in paramilitärischen Verbänden oder in den Fanblöcken der Fußballstadien,„Aneignung von Männlichkeit findet in sozialen Praxen statt“ und überprüft dort ihre Dominanz, so die Auffassung von Sylka Scholz aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Potsdam, mit weitreichenden Konsequenzen für die männliche Lebensbewältigung, für die GeSchlechterverhältnisse sowie für das soziale Wertegefüge insgesamt.
Daß die aktuellen Veränderungen und Verunsicherungen innerhalb der Ordnung der Geschlechter, nicht zuletzt auch der veränderte Umgang mit Sexualität, die Kontrollfunktion sowie das Monopol des Mannes in Frage stellten und ihm entsprechende Reaktionen abforderten, wies Dr. Karl Braun von der Humboldt-Universität zu Berlin in einem kulturhistorischen Abriß zur„Geschichte des Mannseins“ nach. Anhand des Einflusses von Religion, Medizin, Pädagogik und Psychologie verdeutlichte er darüber hinaus die Tradierungen des Verständnisses der Geschlechter.
Die Referate konzentnierten sich auf kritische Empirie, auf Problematisierung, Konstatierungen und Wirkungen dieser Tradierungen. Das Sichtbarmachen von Fakten und Funktionszusammenhängen, an denen gerne vorbeigesehen wird, nicht zuletzt von politischer Seite, bleibt wesentliches Verdienst der Tagung. Ein stärkerer Kulturvergleich wäre wünschenswert gewesen, gerade mit Hinblick auf das Entstehen der multikulturellen Gesellschaft. Der Untertitel,„Männer in fremden Kulturen“ zu spezifizieren, blieb bis auf kleinere Exkurse leider ausgespart, die entsprechende Brisanz nur erahnbar Vielleicht wäre dadurch ein differenzierteres Bild entstanden, denn das, was gegenwärtig in Deutschland„richtig männlich ist“, gibt wenig Anlaß zur Hoffnung. Mitusch
Im September und Oktober des Jahres war die Zentrale Einrichtung für Informationsverarbeitung und Kommunikation(ZEIK) vier Wochen lang Gastgeber für neun Wissenschaftler aus Universitäten Kenias, Ugandas, Tansanıias, Sambias, Botswanas und Swasilands. Diese Wissenschaftler- Fachreferenten und Abteilungsleiter aus Universitätsbibliotheken sowie Dozenten aus informationswissenschaftlichen Instituten— waren Teilnehmer des Fortbildungsprojekts„Information Resource Management“, das von der
Deutschen Stiftung für Entwicklungshilfe(DSE), Bonn inıtiiert und organisiert wurde. In der ZEIK, die in Zusammenarbeit mit der DSE als Partner in diesem Projekt mitwirkte, wurden den Teilnehmern wesentliche Inhalte zu Information Retrieval Systems, Retrieval Languages und Internet based Information Systems vermittelt. Auf Grund der außergewöhnlich guten Resonanz bei den Gastwissenschaftlern soll dieses Projekt Im kommenden Jahr wiederholt werden. Christine Becker/Foto: Fritze
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PUTZ 8/98