Heft 
(1.1.2019) 08
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MÄNNER UND MÄNNERBILDER

Eine Tagung rückte den Mann ins Zentrum der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit

Sind Feminismus, Frauenforschung, Gen­derstudies und die Diskussion um sich auf­lösende Geschlechterrollen auch in aller Munde, so ist doch von einem kritischen Bewußtsein hinsichtlich Männern, Män­nerbildern, patriarchalischen Strukturen bzw. den damit verbundenen Problemfel­dem für die Gesellschaft oft nur oberfläch­lich zu hören oder zu lesen. Zwar tönt es inzwischen durch den Äther, daß Männer Schweine seien. Doch bedeutet dieses in Pop und gute Laune gekleidete Rollen­klischee der Männer, auf Kosten vornehm­lich der Frauen einzig seine Gene zu re­produzieren, nur eine Dimension eines komplizierten kulturhistorischen, soziolo­gischen und soziobiologischen Zusam­menhanges. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer sich ax

immer konflikt- und gewaltbereiter zei­genden Gesellschaft.

Eine eintägige Fachtagung im Potsdamer Al­ten Rathaus zum ThemaMänner im Span­nungsfeld der gegenwärtigen Sozialisation, initiiert von der Universität und der Sicher­heitskonferenz Potsdam, widmete sich Ende Oktober unter der Leitung von Dr. Dietmar Sturzbecher aus dem Institut für angewand­te Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an der Universität Potsdam ganz dem soge­nanntenstarken Geschlecht.

Erzeugen, versorgen, beschützen lautete das traditionelle, kulturübergreifende Modell für Männlichkeit. Ganz besonders jedoch für die abendländische Kultur. War es vor allem in den letzten 50 Jahren einem gravierenden Wertewandel unterworfen, zeige es nun­mehr Brüchigkeit und funktioniere gegen­wärtig auch kaum noch in dieser Absolutheit. Konstant aber sei das Moment der Aggres­sion und der Gewalt geblieben, also die Ver­knüpfung von Kriminalität und Geschlecht. Denn kulturell tief verwurzelte Verhaltenswei­sen änderten sich viel langsamer als die von den Medien vermittelten neuen Männer­bilder, die junge Väter liebevoll mit ihren Kin­dern beschäftigt zeigen.

Alle anderen Referenten tangierten pro­blembewußt und auf unterschiedliche Wei­se die von Prof. Dr. Kurt Möller, Hochschu­le für Sozialwesen Esslingen, entwickelten drei Säulen männlichen Selbstverständnis­ses und thematisierten das Phänomen mas­kuliner Machtausübung unter verschiede­nen Aspekten. Die Geschlechterzugehörig­keit erwies sich immer als wesentlicher Schlüssel für die Analyse dieser Problem­kreise. Kriminalität, vor allem Jugend- und Gewaltkriminalität, sei eindeutig eine Do­mäne des Mannes, Düstere Statistiken er­

schweren den Glauben an Präventivmaß­nahmen. Fast 90 Prozent aller Gewaltdelikte in Deutschland gingen von Männern aus, jede sechste Frau sei im letzten Jahr von ihrem Lebenspartner ein Mal oder mehre­re Male geschlagen worden. Oft sähen sich gerade junge Männer gezwungen, Situatio­nen zu schaffen, in denen sie ihrMann­Sein unter Beweis stellen können. So sei die sprunghafte Zunahme von rechtsextre­men Gewalttaten nach 1992 auf die öffent­lich geführte De­batte über Auslän­der undAsylan­ten zurückzufüh­ren. Die Folgen sind bekannt. Ob in Cliquen oder bei Crashfahrten mit geklauten Au­tos, ob in paramili­tärischen Verbän­den oder in den Fanblöcken der Fußballstadien,Aneig­nung von Männlichkeit findet in sozialen Praxen statt und überprüft dort ihre Domi­nanz, so die Auffassung von Sylka Scholz aus der Wirtschafts- und Sozialwissen­schaftlichen Fakultät der Uni Potsdam, mit weitreichenden Konsequenzen für die männliche Lebensbewältigung, für die Ge­Schlechterverhältnisse sowie für das soziale Wertegefüge insgesamt.

Daß die aktuellen Veränderungen und Ver­unsicherungen innerhalb der Ordnung der Geschlechter, nicht zuletzt auch der verän­derte Umgang mit Sexualität, die Kontroll­funktion sowie das Monopol des Mannes in Frage stellten und ihm entsprechende Re­aktionen abforderten, wies Dr. Karl Braun von der Humboldt-Universität zu Berlin in einem kulturhistorischen Abriß zurGe­schichte des Mannseins nach. Anhand des Einflusses von Religion, Medizin, Pädago­gik und Psychologie verdeutlichte er dar­über hinaus die Tradierungen des Ver­ständnisses der Geschlechter.

Die Referate konzentnierten sich auf kritische Empirie, auf Problematisierung, Konstatie­rungen und Wirkungen dieser Tradierun­gen. Das Sichtbarmachen von Fakten und Funktionszusammenhängen, an denen ger­ne vorbeigesehen wird, nicht zuletzt von po­litischer Seite, bleibt wesentliches Verdienst der Tagung. Ein stärkerer Kulturvergleich wäre wünschenswert gewesen, gerade mit Hinblick auf das Entstehen der multikultu­rellen Gesellschaft. Der Untertitel,Männer in fremden Kulturen zu spezifizieren, blieb bis auf kleinere Exkurse leider ausgespart, die entsprechende Brisanz nur erahnbar Vielleicht wäre dadurch ein differenzierteres Bild entstanden, denn das, was gegenwärtig in Deutschlandrichtig männlich ist, gibt wenig Anlaß zur Hoffnung. Mitusch

Im September und Oktober des Jahres war die Zentrale Einrichtung für Informationsverarbei­tung und Kommunikation(ZEIK) vier Wochen lang Gastgeber für neun Wissenschaftler aus Universitäten Kenias, Ugandas, Tansanıias, Sam­bias, Botswanas und Swasilands. Diese Wissen­schaftler- Fachreferenten und Abteilungsleiter aus Universitätsbibliotheken sowie Dozenten aus informationswissenschaftlichen Instituten waren Teilnehmer des FortbildungsprojektsIn­formation Resource Management, das von der

Deutschen Stiftung für Entwicklungshilfe(DSE), Bonn inıtiiert und organisiert wurde. In der ZEIK, die in Zusammenarbeit mit der DSE als Partner in diesem Projekt mitwirkte, wurden den Teil­nehmern wesentliche Inhalte zu Information Re­trieval Systems, Retrieval Languages und Inter­net based Information Systems vermittelt. Auf Grund der außergewöhnlich guten Resonanz bei den Gastwissenschaftlern soll dieses Projekt Im kommenden Jahr wiederholt werden. Christine Becker/Foto: Fritze

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PUTZ 8/98