Heft 
(1.1.2019) 09
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UNI ALS STÄTTE DYNAMISCHEN LEBENS

Ehemaliger: Dr. Herbert Knoblich, Präsident des Landtages Brandenburg

Nach dem Physik- und Mathematikstudium in Dresden arbeitete Dr. Herbert Knoblich knapp zehn Jahre als Leh­rer, bevor er zwischen 1970 und 1990 an der ehemaligen Pädagogischen Hochschule tätig war. Hier promovier­te er und habilitierte sich. Im Sommer 1990 übernahm er das Ressort Bildung, Wissenschaft und Kultur der Bezirksverwaltungsbehörde Potsdam und wurde mit der Wahl im Oktober 1990 Mitglied des Landtages und des­sen Präsident. Uber Ehemaligenerfahrungen und Erwar­tungen an die junge Potsdamer Universität sprach Dr.

Thomas Freitag für PUTZ mit dem Politiker.

PUTZ: Herr Präsident, Sie kennen die Ge­schichte der Hochschule in ganz besonde­rer Weise. Sie haben zwei Jahrzehnte dort gelehrt und wissenschaftlich gearbeitet. Wie sehen Sie die Universität heute?

Knoblich: Natürlich schmückt es eine Lan­deshauptstadt, wenn sie eine Universität beherbergt. Nur leider bemerkt man als Potsdamer davon zu wenig. Das mag dar­an liegen, daß die Lehreinrichtungen ver­streut am Stadtrand untergebracht sind. Deshalb vermisse sicher nicht nur ich die geringe Teilhabe der Universität am städti­schen Leben. Studentische Aktivitäten und Wissenschaftsbetrieb gehen vielfach an der Stadt vorbei. Ich wünsche mir eine engere Einbindung der Universität in das politi­sche, wirtschaftliche und vor allem kulturel­le Geschehen. Eine aufstrebende Landes­metropole wie Potsdam braucht junge Wis­senschaftler als Impulsgeber. Und für Stu­dierende kann es auch nicht schaden, wenn Sie ihr theoretisches Wissen an der Praxis messen müssen.

PUTZ: Wie zu erfahren ist, kommen jährlich etwa 10.000 Besucher in den Landtag, um sich über landespolitische Entwicklungen zu informieren. Treffen Sie Studierende in diesem Haus, beispielsweise junge Leute, die sich mit Politikwissenschaft befassen?

Knoblich: Auf unsere Besucherzahlen sind wir angesichts des geringen Platzangebo­tes im Landtag recht stolz. Gut die Hälfte davon sind junge Menschen, in erster Linie Schülergruppen. Erst kürzlich war ein Se­minar von Politikstudenten des 1. und 2. Se­mesters der Uni Potsdam hier. Und zumin­dest dem Seminarleiter hat es So gut gefal­len, daß er angekündigt hat, nunmehr häu­figer mit Studenten zu kommen. Das kann ich nur begrüßen. Denn es hat sich gezeigt, daß selbst bei Studenten der Politikwissen­schaft das Wissen über unser parlamentarı­sches System noch sehr lückenhaft ist. Des­halb freut es mich besonders, daß in einem Seminar der Wirtschafts- und Sozialwissen­

schaftlichen Fakultät Ihrer Universität jetzt

agspräside D erbe ob

eine wissenschaftliche Untersuchung über die Abgeordnetentätigkeit angestellt wird. Wann immer wir angesprochen werden, sind wir gern zur Zusammenarbeit bereit.

PUTZ: Herr Dr. Knoblich, angenommen, Sie träfen junge Menschen, die an der Uni­versität Potsdam studieren wollen. Was wür­den Sie als Ehemaliger empfehlen?

Knoblich: Natürlich, Physik zu studieren. Aber im Ernst: Das muß jeder nach sei­nen Neigungen und Fähigkeiten entschei­den. Ein Studium kann ja nur die Basis sein, auf der sich dann aufbauen läßt. Die Hauptsache ist eine umfassende Profilie­rung. Daß ich für die naturwissenschaft­

lichen Fächer werbe, wird sicherlich nie­manden verwundern.

PUTZ: Die Verbindung zur Universität ist Ihnen offensichtlich wichtig. Ihre früheren Kollegen und nicht nur diese wissen das zu schätzen.

Knoblich: Manchmal bedauere ich, daß mir mein Terminkalender nicht noch mehr Zeit dafür läßt. Und allzu häufig kommt nur deshalb ein Kontakt zustande, weil es wie­der einmal ums liebe Geld geht- und ein Fürsprecher benötigt wird. Dabei verstehe ich die Sorge der Universitätsleitung, die in der mangelhaften Finanzausstattung auch eine Gefährdung ihrer Autonomie sieht. Ich unterstütze meine ehemalige Hochschule aber nicht nur Sie, weil ich um ihre wich­tige Bindegliedfunktion zur privaten Wirt­schaft und als Wegbereiter für die Wahr­nahme gesellschaftlicher Aufgaben weiß, Die Mathematikolympiade hat ja nur des­halb in Brandenburg stattfinden können, weil es mir gelungen ist, die Wirtschaft als Hauptsponsor mit ins Boot zu holen. Und der Weltkongreß junger Mathematiker, des­sen Schirmherrschaft ich gern übernom­men habe, hat die überdurchschnittliche Leistung der Potsdamer Mathematiker un­ter Beweis gestellt. Ich kann den jungen Menschen immer nur raten, das Angebot, das die Universität für die Persönlichkeits­entwicklung bietet, zu nutzen.

PUTZ: Vielen Dank für das Gespräch.

GLEICHSTELLUNGSBEAUFTRAGTE BERICHTET

Der Gleichstellungsrat der Uni verfaßte eine Stellungnahme zur Zielvereinbarung vom 20. August 1998 zwischen dem brandenburgi­schen Ministerium für Wissenschaft, For­schung und Kultur und der Universität Pots­dam. Diese Vereinbarung legt für den Zeit­raum 1999 bis 2001 die Anzahl und Katego­rien der abzubauenden Stellen und die An­zahl und Kategorien der neu zu besetzenden Stellen für das wissenschaftliche Personal der Uni fest. Zentraler Punkt der Stellungnah­me ist die Forderung nach einer inneruni­versitären Umsetzung der Zielvereinbarung unter Einbeziehung von Kriterien der Frauen­förderung. So sollen Stellen für das wissen­schaftliche Personal mindestens entspre­chend dem Frauenanteil an der vorherge­henden Qualifikationsstufe an Frauen verge­ben werden. Beim Stellenabbau sei darauf zu achten, daß der bestehende Frauenanteil in dem jeweiligen Bereich nicht sinkt. In der Dezember-Sitzung des Gleichstellungsrates beriet der Rektor mit den Gleichstellungs­beauftragten über die inneruniversitäre Aus­gestaltung der Zielvereinbarung.

Am 8. Oktober 1998 forderte der Senat alle

Senatskommissionen und Fakultätsräte auf, dieEmpfehlungen zur Chancengleichheit von Frauen in der Wissenschaft und For­schung des Wissenschaftsrates vom 15. Mai 1998 in ihren Sitzungen zu diskutieren. Auf der Grundlage eines noch von der Senatskommission für Frauenförderung (KFF) zu erarbeitenden Thesenpapiers wird das Gremium beraten, wie und mit welchen Maßnahmen die Empfehlungen entsprechend der Zuständigkeit der Fakul­täten und Senatskommissionen umgesetzt werden können und welche Schlußfolge­rungen für die anstehende Überarbeitung der Frauenförderrichtlinien der Universität Potsdam zu ziehen sind. Am 08. Oktober 1998 begannen Vertreter und Vertreterinnen der KFF und Vertreterin­nen des Gleichstellungsrates in einer Klau­surtagung mit der Evaluation der Frauen­förderrichtlinien der Universität Potsdam. Eine überarbeitete Fassung, in die auch die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Chancengleichheit integriert werden, soll im Senat beschlossen werden.

Antonia Kupfer

PUTZ 9/98

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