UNI ALS STÄTTE DYNAMISCHEN LEBENS
Ehemaliger: Dr. Herbert Knoblich, Präsident des Landtages Brandenburg
Nach dem Physik- und Mathematikstudium in Dresden arbeitete Dr. Herbert Knoblich knapp zehn Jahre als Lehrer, bevor er zwischen 1970 und 1990 an der ehemaligen Pädagogischen Hochschule tätig war. Hier promovierte er und habilitierte sich. Im Sommer 1990 übernahm er das Ressort Bildung, Wissenschaft und Kultur der Bezirksverwaltungsbehörde Potsdam und wurde mit der Wahl im Oktober 1990 Mitglied des Landtages und dessen Präsident. Uber Ehemaligenerfahrungen und Erwartungen an die junge Potsdamer Universität sprach Dr.
Thomas Freitag für PUTZ mit dem Politiker.
PUTZ: Herr Präsident, Sie kennen die Geschichte der Hochschule in ganz besonderer Weise. Sie haben zwei Jahrzehnte dort gelehrt und wissenschaftlich gearbeitet. Wie sehen Sie die Universität heute?
Knoblich: Natürlich schmückt es eine Landeshauptstadt, wenn sie eine Universität beherbergt. Nur leider bemerkt man als Potsdamer davon zu wenig. Das mag daran liegen, daß die Lehreinrichtungen verstreut am Stadtrand untergebracht sind. Deshalb vermisse sicher nicht nur ich die geringe Teilhabe der Universität am städtischen Leben. Studentische Aktivitäten und Wissenschaftsbetrieb gehen vielfach an der Stadt vorbei. Ich wünsche mir eine engere Einbindung der Universität in das politische, wirtschaftliche und vor allem kulturelle Geschehen. Eine aufstrebende Landesmetropole wie Potsdam braucht junge Wissenschaftler als Impulsgeber. Und für Studierende kann es auch nicht schaden, wenn Sie ihr theoretisches Wissen an der Praxis messen müssen.
PUTZ: Wie zu erfahren ist, kommen jährlich etwa 10.000 Besucher in den Landtag, um sich über landespolitische Entwicklungen zu informieren. Treffen Sie Studierende in diesem Haus, beispielsweise junge Leute, die sich mit Politikwissenschaft befassen?
Knoblich: Auf unsere Besucherzahlen sind wir— angesichts des geringen Platzangebotes im Landtag— recht stolz. Gut die Hälfte davon sind junge Menschen, in erster Linie Schülergruppen. Erst kürzlich war ein Seminar von Politikstudenten des 1. und 2. Semesters der Uni Potsdam hier. Und zumindest dem Seminarleiter hat es So gut gefallen, daß er angekündigt hat, nunmehr häufiger mit Studenten zu kommen. Das kann ich nur begrüßen. Denn es hat sich gezeigt, daß selbst bei Studenten der Politikwissenschaft das Wissen über unser parlamentarısches System noch sehr lückenhaft ist. Deshalb freut es mich besonders, daß in einem Seminar der Wirtschafts- und Sozialwissen
schaftlichen Fakultät Ihrer Universität jetzt
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eine wissenschaftliche Untersuchung über die Abgeordnetentätigkeit angestellt wird. Wann immer wir angesprochen werden, sind wir gern zur Zusammenarbeit bereit.
PUTZ: Herr Dr. Knoblich, angenommen, Sie träfen junge Menschen, die an der Universität Potsdam studieren wollen. Was würden Sie als Ehemaliger empfehlen?
Knoblich: Natürlich, Physik zu studieren. Aber im Ernst: Das muß jeder nach seinen Neigungen und Fähigkeiten entscheiden. Ein Studium kann ja nur die Basis sein, auf der sich dann aufbauen läßt. Die Hauptsache ist eine umfassende Profilierung. Daß ich für die naturwissenschaft
lichen Fächer werbe, wird sicherlich niemanden verwundern.
PUTZ: Die Verbindung zur Universität ist Ihnen offensichtlich wichtig. Ihre früheren Kollegen— und nicht nur diese— wissen das zu schätzen.
Knoblich: Manchmal bedauere ich, daß mir mein Terminkalender nicht noch mehr Zeit dafür läßt. Und allzu häufig kommt nur deshalb ein Kontakt zustande, weil es wieder einmal ums liebe Geld geht—- und ein Fürsprecher benötigt wird. Dabei verstehe ich die Sorge der Universitätsleitung, die in der mangelhaften Finanzausstattung auch eine Gefährdung ihrer Autonomie sieht. Ich unterstütze meine ehemalige Hochschule— aber nicht nur Sie—, weil ich um ihre wichtige Bindegliedfunktion zur privaten Wirtschaft und als Wegbereiter für die Wahrnahme gesellschaftlicher Aufgaben weiß, Die Mathematikolympiade hat ja nur deshalb in Brandenburg stattfinden können, weil es mir gelungen ist, die Wirtschaft als Hauptsponsor mit ins Boot zu holen. Und der Weltkongreß junger Mathematiker, dessen Schirmherrschaft ich gern übernommen habe, hat die überdurchschnittliche Leistung der Potsdamer Mathematiker unter Beweis gestellt. Ich kann den jungen Menschen immer nur raten, das Angebot, das die Universität für die Persönlichkeitsentwicklung bietet, zu nutzen.
PUTZ: Vielen Dank für das Gespräch.
GLEICHSTELLUNGSBEAUFTRAGTE BERICHTET
Der Gleichstellungsrat der Uni verfaßte eine Stellungnahme zur Zielvereinbarung vom 20. August 1998 zwischen dem brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur und der Universität Potsdam. Diese Vereinbarung legt für den Zeitraum 1999 bis 2001 die Anzahl und Kategorien der abzubauenden Stellen und die Anzahl und Kategorien der neu zu besetzenden Stellen für das wissenschaftliche Personal der Uni fest. Zentraler Punkt der Stellungnahme ist die Forderung nach einer inneruniversitären Umsetzung der Zielvereinbarung unter Einbeziehung von Kriterien der Frauenförderung. So sollen Stellen für das wissenschaftliche Personal mindestens entsprechend dem Frauenanteil an der vorhergehenden Qualifikationsstufe an Frauen vergeben werden. Beim Stellenabbau sei darauf zu achten, daß der bestehende Frauenanteil in dem jeweiligen Bereich nicht sinkt. In der Dezember-Sitzung des Gleichstellungsrates beriet der Rektor mit den Gleichstellungsbeauftragten über die inneruniversitäre Ausgestaltung der Zielvereinbarung.
Am 8. Oktober 1998 forderte der Senat alle
Senatskommissionen und Fakultätsräte auf, die“Empfehlungen zur Chancengleichheit von Frauen in der Wissenschaft und Forschung” des Wissenschaftsrates vom 15. Mai 1998 in ihren Sitzungen zu diskutieren. Auf der Grundlage eines noch von der Senatskommission für Frauenförderung (KFF) zu erarbeitenden Thesenpapiers wird das Gremium beraten, wie und mit welchen Maßnahmen die Empfehlungen entsprechend der Zuständigkeit der Fakultäten und Senatskommissionen umgesetzt werden können und welche Schlußfolgerungen für die anstehende Überarbeitung der Frauenförderrichtlinien der Universität Potsdam zu ziehen sind. Am 08. Oktober 1998 begannen Vertreter und Vertreterinnen der KFF und Vertreterinnen des Gleichstellungsrates in einer Klausurtagung mit der Evaluation der Frauenförderrichtlinien der Universität Potsdam. Eine überarbeitete Fassung, in die auch die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Chancengleichheit integriert werden, soll im Senat beschlossen werden.
Antonia Kupfer
PUTZ 9/98
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