EIN INSTITUT WIRD GEGRÜNDET
Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH
Im Oktober 1998 wurde die Gründung des gemeinnützigen„Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik GmbH“ (HPI) notariell beurkundet. Als erster Geschäftsführer und wissenschaftlicher Direktor ist Prof. Dr. Siegfried Wendt bestellt. Zwischen der GmbH und der Universität Potsdam wurde ein Kooperationsvertrag abgeschlossen, in dem Zusammenarbeit in Forschung und Lehre sowie die gemeinsame Berufung von Hochschullehrern vereinbart wurde. Die Stiftung von Hasso Plattner umfaßt einen Kapitalgrundstock von 100 Millionen DM, der für 20 Jahre ein jährliches Budget von mindestens fünf Millionen DM garantiert. Damit sei die Stiftung von Hasso Plattner eine der größten in der Geschichte der Bundesrepublik, sagte der Wissenschaftsminister des Landes Brandenburg, Steffen Reiche.
Acht Professoren und zwei Gastprofessoren sollen die Lehrveranstaltungen bestreiten. Darüber hinaus sind Stellen für den wissenschaftlichen Mittelbau vorgesehen. Schwerpunkte der Institutsarbeit werden große Softwaresysteme sein, die zur Unterstützung von betriebswirtschaftlichen Aufgaben, von Verwaltung, von technischen Konstruktionen oder von künstlerischen Entwürfen zu gebrauchen sind. Die Anwerbung des wissenschaftlichen Personals beginnt im Frühjahr 1999 und wird sich voraussichtlich bis ins Jahr 2001 erstrecken. Das Studium am HPI soll insgesamt zehn Semester umfassen und auch die internationalen Abschlüsse Bachelor und Master anbieten. Die Veranstaltungen werden im Grundstudium nach Wahl des Dozenten in Deutsch oder Englisch gehalten, im Hauptstudium durchgehend in Englisch. Dies erleichtert nicht nur die Einbindung von renommierten Gastwissenschaftlern in das Unterrichtsangebot, sondern eröffnet auch Studenten aus dem Ausland die Möglichkeit, am HPI ein Masterstudium aufzunehmen. Immerhin soll das Institut weltweit eine der
_ ersten Stätten sein, die junge Leute gezielt zu Software-Ingenieuren ausbilden, die von der Wirtschaft zur Zeit händeringend gesucht werden.„Die Absolventen des Studiengangs sind die zukünftigen Team- und Projektleiter und können als Systemarchitekten ganzheitliche Aufgaben in der Softwareentwicklung übernehmen“, sagt Prof. Dr. Siegfried Wendt zum Studienziel.
Die ersten hundert Studierenden sollen bereits 1999 das Studium am HPI aufnehmen können. Vorerst finden die Veranstaltungen in den angemieteten Räumen der
N
Potsdamer Luftschiffhafen.
Ostdeutschen Landesbausparkasse am Luftschiffhafen statt. Aber schon im Sommer 1999 sollen auch die Bauarbeiten für ein eigenes Institutsgebäude beginnen. Das Land Brandenburg bringt dafür ein Grundstück in die Stiftung ein, und außer Extramitteln des Stifters stehen auch Gelder des Europäischen Regionalfonds bereit, die 75 Prozent der Baukosten abdekken. Nur um den Standort wird noch gestritten. Hasso Plattner favorisiert das Gelände
Vorläufiges Domizil des Hasso-Plattner-Instituts: Räume der Ostdeutschen Landesbausparkasse am
Foto: Fritze
am Kaiserbahnhof, Wildpark, in der Nähe des Neuen Palais, was aber bislang an den Einwänden der Denkmalschützer scheitert. Zur Debatte steht aber auch ein Grundstück hinter dem Kutschstall am Neuen Markt in Potsdams Stadtmitte und ein Standort am Universitätskomplex Griebnitzsee. ar
Weitere Informationen sind unter http:// wwwı.hpi.uni-potsdam.de abrufbar.
NICHT BASTLER, SONDERN ARCHITEKT
In der Frühzeit des Computerzeitalters mußte gebastelt werden, daß der Lötkolben rauchte. Siegfried Wendt erinnert sich an die Zeit von 1966 bis 1968 als er an der Technischen Hochschule in Karlsruhe promovierte:„Wenn es hieß, bauen Sie mal eine Hardware, die Wurzeln ziehen kann, mußte man das einfach basteln.“ Mit Dioden, Transistoren, Kondensatoren und anderen Bauelementen tüftelten Wissenschaftler Schaltkreise aus, die rechnen konnten. Damals entwickelte Wendt bereits das methodische Entwerfen von Schaltkreisen, das unter dem Namen Steuerkreismethode noch heute gelehrt wird. Später als Professor in Kaiserslautern begann er, sich mit der Analyse von komplexen Computerprogrammen zu beschäftigen.
Vom Herumprobieren hält Wendt noch immer nichts.„Nur Forscher und Erfinder müssen basteln, daraus wird vielleicht eine schöne Idee, aber noch lange kein Produkt“, meint Wendt. Die Ingenieure seien dagegen dafür zuständig, daß aus der neuen Idee ein solides Produkt entsteht. Genau das sollen die Studierenden im Hasso
Plattner-Institut lernen. Sie sollen mit modernen Softwaresystemen umgehen können, an deren Entwicklung hunderte von
Prof. Dr. Siegfried Wendt ist wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer des HassoPlattner-Instituts. Der Software-Ingenieur Wendt schätzt methodisches Vorgehen höher als das Basteln und Hacken, das in den Medien das Image der Computerspezialisten prägt.
Foto: Fritze
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