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(1.1.2019) 09
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EIN INSTITUT WIRD GEGRÜNDET

Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH

Im Oktober 1998 wurde die Gründung des gemeinnützigenHasso-Plattner-In­stituts für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI) notariell beurkundet. Als erster Ge­schäftsführer und wissenschaftlicher Di­rektor ist Prof. Dr. Siegfried Wendt be­stellt. Zwischen der GmbH und der Uni­versität Potsdam wurde ein Kooperations­vertrag abgeschlossen, in dem Zusam­menarbeit in Forschung und Lehre sowie die gemeinsame Berufung von Hoch­schullehrern vereinbart wurde. Die Stif­tung von Hasso Plattner umfaßt einen Ka­pitalgrundstock von 100 Millionen DM, der für 20 Jahre ein jährliches Budget von mindestens fünf Millionen DM garantiert. Damit sei die Stiftung von Hasso Plattner eine der größten in der Geschichte der Bundesrepublik, sagte der Wissenschafts­minister des Landes Brandenburg, Stef­fen Reiche.

Acht Professoren und zwei Gastprofessoren sollen die Lehrveranstaltungen bestreiten. Darüber hinaus sind Stellen für den wissen­schaftlichen Mittelbau vorgesehen. Schwer­punkte der Institutsarbeit werden große Softwaresysteme sein, die zur Unterstüt­zung von betriebswirtschaftlichen Aufga­ben, von Verwaltung, von technischen Kon­struktionen oder von künstlerischen Ent­würfen zu gebrauchen sind. Die Anwer­bung des wissenschaftlichen Personals beginnt im Frühjahr 1999 und wird sich vor­aussichtlich bis ins Jahr 2001 erstrecken. Das Studium am HPI soll insgesamt zehn Semester umfassen und auch die interna­tionalen Abschlüsse Bachelor und Master anbieten. Die Veranstaltungen werden im Grundstudium nach Wahl des Dozenten in Deutsch oder Englisch gehalten, im Haupt­studium durchgehend in Englisch. Dies er­leichtert nicht nur die Einbindung von re­nommierten Gastwissenschaftlern in das Unterrichtsangebot, sondern eröffnet auch Studenten aus dem Ausland die Möglichkeit, am HPI ein Masterstudium aufzunehmen. Immerhin soll das Institut weltweit eine der

_ ersten Stätten sein, die junge Leute gezielt zu Software-Ingenieuren ausbilden, die von der Wirtschaft zur Zeit händeringend gesucht werden.Die Absolventen des Studiengangs sind die zukünftigen Team- und Projektleiter und können als Systemarchitekten ganzheit­liche Aufgaben in der Softwareentwicklung übernehmen, sagt Prof. Dr. Siegfried Wendt zum Studienziel.

Die ersten hundert Studierenden sollen bereits 1999 das Studium am HPI aufneh­men können. Vorerst finden die Veranstal­tungen in den angemieteten Räumen der

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Potsdamer Luftschiffhafen.

Ostdeutschen Landesbausparkasse am Luftschiffhafen statt. Aber schon im Som­mer 1999 sollen auch die Bauarbeiten für ein eigenes Institutsgebäude beginnen. Das Land Brandenburg bringt dafür ein Grundstück in die Stiftung ein, und außer Extramitteln des Stifters stehen auch Gel­der des Europäischen Regionalfonds be­reit, die 75 Prozent der Baukosten abdek­ken. Nur um den Standort wird noch gestrit­ten. Hasso Plattner favorisiert das Gelände

Vorläufiges Domizil des Hasso-Plattner-Instituts: Räume der Ostdeutschen Landesbausparkasse am

Foto: Fritze

am Kaiserbahnhof, Wildpark, in der Nähe des Neuen Palais, was aber bislang an den Einwänden der Denkmalschützer schei­tert. Zur Debatte steht aber auch ein Grund­stück hinter dem Kutschstall am Neuen Markt in Potsdams Stadtmitte und ein Standort am Universitätskomplex Grieb­nitzsee. ar

Weitere Informationen sind unter http:// wwwı.hpi.uni-potsdam.de abrufbar.

NICHT BASTLER, SONDERN ARCHITEKT

In der Frühzeit des Computerzeitalters mußte gebastelt werden, daß der Lötkol­ben rauchte. Siegfried Wendt erinnert sich an die Zeit von 1966 bis 1968 als er an der Technischen Hochschule in Karlsru­he promovierte:Wenn es hieß, bauen Sie mal eine Hardware, die Wurzeln ziehen kann, mußte man das einfach basteln. Mit Dioden, Transistoren, Kondensatoren und anderen Bauelementen tüftelten Wis­senschaftler Schaltkreise aus, die rech­nen konnten. Damals entwickelte Wendt bereits das methodische Entwerfen von Schaltkreisen, das unter dem Namen Steuerkreismethode noch heute gelehrt wird. Später als Professor in Kaiserslau­tern begann er, sich mit der Analyse von komplexen Computerprogrammen zu beschäftigen.

Vom Herumprobieren hält Wendt noch im­mer nichts.Nur Forscher und Erfinder müssen basteln, daraus wird vielleicht eine schöne Idee, aber noch lange kein Pro­dukt, meint Wendt. Die Ingenieure seien dagegen dafür zuständig, daß aus der neu­en Idee ein solides Produkt entsteht. Genau das sollen die Studierenden im Hasso­

Plattner-Institut lernen. Sie sollen mit mo­dernen Softwaresystemen umgehen kön­nen, an deren Entwicklung hunderte von

Prof. Dr. Siegfried Wendt ist wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer des Hasso­Plattner-Instituts. Der Software-Ingenieur Wendt schätzt methodisches Vorgehen höher als das Basteln und Hacken, das in den Medien das Image der Computerspezialisten prägt.

Foto: Fritze

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PUTZ 9/98