Programmierern mehrere Jahre gearbeitet haben. Wie solche Systeme analysiert und entworfen werden können, ist Wendts eigenes Arbeitsgebiet. Ähnlich wie sich ein ArChitekt Pläne in verschiedenen Maßstäben anschaut, um entweder den Überblick zu behalten oder aber einige Details genauer zu betrachten, so muß sich auch ein Software-Ingenieur an Diagrammen orientieren, ohne die dahintersteckenden Programmteile exakt zu kennen.
Software-System-Ingenieure koordinieren die Arbeit der Programmierer. Um dieser Aufgabe gewachsen zu sein, ist nicht nur die analytische Ader von Bedeutung, sondern auch das Kommunikationstalent. Einsam vor dem Bildschirm brütende Hacker haben trotz unbestreitbarer Fähigkeiten nicht die Qualitäten, die sich Wendt von seinen zukünftigen Studierenden wünscht.
Wendt und Plattner lernten sich
1968 kennen
1968 lernte Wendt am Karlsruher Institut für Nachrichtenverarbeitung auch Hasso Plattner kennen. Der war damals noch Student und arbeitete an seiner Diplomarbeit, für die ihm Wendt als erfahrener Programmierer einige Programmiertips gab. Die Zusammenarbeit ging mit der Diplomarbeit Plattners zu Ende. Wendt wurde Professor in Kaiserslautern und Plattner sollte nach einigen Jahren bei IBM mit anderen Informatikern die Firma SAP gründen. Beide hörten nichts mehr voneinander.
22 Jahre später, 1990, klingelt das Telefon bei Wendt:„Hier Plattner, Mensch Wendt, kennen sie mich nicht mehr?“. Plattner war rein zufällig bei einer Arbeit für die Universität Mannheim auf den Namen von Prof. Wendt in Kaiserslautern gestoßen.„Machen Sie immer noch ihre Hardware-Methodik“, fragte Plattner am Ende des Gesprächs.„Nein, ich bin jetzt Software-Ingenieur, seit 15 Jahren modelliere ich komplexe Software”, antwortete Wendt. Er wußte noch nicht, daß sein früherer Student die Firma SAP gegründet hatte, die inzwischen zum Marktführer für betriebswirtschaftliche Anwendungssoftware aufgestiegen war. Drei Tage nach dem Anruf kam Plattner nach Kaiserslautern zu Besuch, und kurze Zeit später war Wendt wissenschaftlicher Berater von Plattner geworden. Zur Zeit arbeitet Wendt zwei Tage bei SAP und drei Tage an der Universität in Kaiserslautern. Um das Hasso-Plattner-Institut aufzubauen und zu leiten, wird er im nächsten Jahr nach Potsdam ziehen- zunächst ohne seine Frau, die als Psychologin in Kaiserslautern beruflich stark engagiert ist. Aber Wendt wird ohnehin alle 14 Tage zu SAP nach Walldorf bei Heidelberg fahren, denn eins will er auf keinen Fall: Ein Hochschullehrer werden, der nicht mehr weiß, was in der Industrie gespielt wird. ar
DER STIFTER UND SEINE IDEE
Hasso Plattner war einer der fünf jungen Softwareentwickler, die 1972 ihre Anstellung bei IBM in Heidelberg aufgaben und die Softwarefirma SAP gründeten. Heute ist SAP(SystemAnalye Programmentwicklung) Weltmarktführer auf dem Gebiet der Softwaresysteme zur Unterstützung aller betriebswirtschaftlichen Aufgaben in Unternnehmen. SAP beschäftigt zur Zeit weltweit rund 18.500 Mitarbeiter. Hasso Plattner ist inzwischen der letzte im Vorstand der SAP AG verbliebene Mitbegründer der Firma.
Hasso Plattner, Mitbegründer der Softwarefirma SAP garantiert dem Institut für Softwaresystemtechnik ein jährliches Budget von mindestens fünf Millionen DM. Foto: SAP AG
In Palo Alto im Silicon Valley, in den Bergen oberhalb der Universität Stanford, hat Hasso Plattner seit 1993 seinen zweiten Wohnsitz. Ungefähr 40 Prozent seiner Zeit verbingt er in Kalifornien. Man könnte also sagen, daß Hasso Plattner inzwischen 40prozentiger Amerikaner geworden ist. So ist er auch mit den Verhältnissen an amerikanischen Universitäten recht gut vertraut. Dort ist es nicht ungewöhnlich, daß viele der Gebäude auf dem Universitätscampus den Namen eines Stifters tragen. Auf dem Campus der Universität Stanford steht beispielsweise das William H. Gates Gebäude für das Com
Nur um den Standort des Instituts wird noch verhandelt. Hasso Plattner favorisiert das Gelände am Kaiserbahnhof, Wildpark, in der Nähe des Neuen Palais(Bild rechts).
puter Science Department. So kam Hasso Plattner auf die Idee, einen beträchtlichen Teil seines privaten Vermögens in eine Stiftung für eine deutsche Universität einzubringen.
Der Gedanke, Potsdam könne für seine Stiftung ein geeigneter Standort sein, kam Plattner bei einem Spaziergang, der ihn am 31. Januar 1998 am Einsteinturm vorbeiführte. Hasso Plattner war immer schon emotional mit Berlin und Potsdam verbunden. Er wurde 1944 in Berlin geboren und wuchs im Grunewald auf. Potsdam mit seinen Schlössern, Seen und seiner Nachbarschaft zum hauptstädtischen Berlin habe das Potential, ein Zentrum für die Ansiedlung informationstechnischer Unternehmen zu werden, meint Plattner. Insbesondere auch deshalb, weil„intelligente und einfallsreiche Wissenschaftler und Ingenieure besonders gerne dorthin gehen, wo es landschaftlich und städtebaulich schön ist und wo es ein reichhaltiges kulturelles Angebot gibt“.
Reformbedürftige Informatikerausbildung
Galileo Galilei konnte noch Mathematiker, Physiker und Ingenieur in einem sein, Heute unterscheidet sich das Physikstudium erheblich von den Ingenieurstudiengängen, in denen die Ergebnisse der Physik und Mathematik zwar genutzt werden, aber nur im Hinblick auf die eigentliche Aufgabe eines Ingenieurs: neue Produkte erfolgreich
"zu entwickeln. Eine entsprechende Not
wendigkeit zur Aufspaltung besteht inzwischen auch bei der Informatik: Die Ausbildung zum Informatikwissenschaftler und die Ausbildung zum Informatikingenieur müssen getrennt werden. Es gibt bislang weltweit weniger als zehn Universitäten, wo diese Trennung konsequent vorangetrieben wird. Hasso Plattner möchte durch seine Stiftung mithelfen, daß sich Potsdam in den Kreis dieser Vorreiter einreihen kann. Neben dem Studiengang Informatik wird in Zukunft der Studiengang„Softwaresystemtechnik“ stehen, der zum größten Teil von den Professoren des Hasso-Plattner-Instituts getragen werden soll.
Siegfried Wendt
A
Fotos: Fritze; Tribukeit
PUTZ 9/98
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