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(1.1.2019) 09
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Programmierern mehrere Jahre gearbeitet haben. Wie solche Systeme analysiert und entworfen werden können, ist Wendts eige­nes Arbeitsgebiet. Ähnlich wie sich ein Ar­Chitekt Pläne in verschiedenen Maßstäben anschaut, um entweder den Überblick zu behalten oder aber einige Details genauer zu betrachten, so muß sich auch ein Soft­ware-Ingenieur an Diagrammen orientie­ren, ohne die dahintersteckenden Pro­grammteile exakt zu kennen.

Software-System-Ingenieure koordinieren die Arbeit der Programmierer. Um dieser Aufgabe gewachsen zu sein, ist nicht nur die analytische Ader von Bedeutung, son­dern auch das Kommunikationstalent. Ein­sam vor dem Bildschirm brütende Hacker haben trotz unbestreitbarer Fähigkeiten nicht die Qualitäten, die sich Wendt von seinen zukünftigen Studierenden wünscht.

Wendt und Plattner lernten sich

1968 kennen

1968 lernte Wendt am Karlsruher Institut für Nachrichtenverarbeitung auch Hasso Platt­ner kennen. Der war damals noch Student und arbeitete an seiner Diplomarbeit, für die ihm Wendt als erfahrener Programmie­rer einige Programmiertips gab. Die Zu­sammenarbeit ging mit der Diplomarbeit Plattners zu Ende. Wendt wurde Professor in Kaiserslautern und Plattner sollte nach einigen Jahren bei IBM mit anderen Infor­matikern die Firma SAP gründen. Beide hörten nichts mehr voneinander.

22 Jahre später, 1990, klingelt das Telefon bei Wendt:Hier Plattner, Mensch Wendt, ken­nen sie mich nicht mehr?. Plattner war rein zufällig bei einer Arbeit für die Universität Mannheim auf den Namen von Prof. Wendt in Kaiserslautern gestoßen.Machen Sie immer noch ihre Hardware-Methodik, frag­te Plattner am Ende des Gesprächs.Nein, ich bin jetzt Software-Ingenieur, seit 15 Jah­ren modelliere ich komplexe Software, ant­wortete Wendt. Er wußte noch nicht, daß sein früherer Student die Firma SAP gegrün­det hatte, die inzwischen zum Marktführer für betriebswirtschaftliche Anwendungs­software aufgestiegen war. Drei Tage nach dem Anruf kam Plattner nach Kaiserslautern zu Besuch, und kurze Zeit später war Wendt wissenschaftlicher Berater von Plattner ge­worden. Zur Zeit arbeitet Wendt zwei Tage bei SAP und drei Tage an der Universität in Kaiserslautern. Um das Hasso-Plattner-Insti­tut aufzubauen und zu leiten, wird er im näch­sten Jahr nach Potsdam ziehen- zunächst ohne seine Frau, die als Psychologin in Kai­serslautern beruflich stark engagiert ist. Aber Wendt wird ohnehin alle 14 Tage zu SAP nach Walldorf bei Heidelberg fahren, denn eins will er auf keinen Fall: Ein Hoch­schullehrer werden, der nicht mehr weiß, was in der Industrie gespielt wird. ar

DER STIFTER UND SEINE IDEE

Hasso Plattner war einer der fünf jungen Softwareentwickler, die 1972 ihre Anstel­lung bei IBM in Heidelberg aufgaben und die Softwarefirma SAP gründeten. Heute ist SAP(SystemAnalye Programment­wicklung) Weltmarktführer auf dem Ge­biet der Softwaresysteme zur Unterstüt­zung aller betriebswirtschaftlichen Aufga­ben in Unternnehmen. SAP beschäftigt zur Zeit weltweit rund 18.500 Mitarbeiter. Hasso Plattner ist inzwischen der letzte im Vorstand der SAP AG verbliebene Mit­begründer der Firma.

Hasso Plattner, Mitbegründer der Softwarefirma SAP garantiert dem Institut für Softwaresystem­technik ein jährliches Budget von mindestens fünf Millionen DM. Foto: SAP AG

In Palo Alto im Silicon Valley, in den Ber­gen oberhalb der Universität Stanford, hat Hasso Plattner seit 1993 seinen zweiten Wohnsitz. Ungefähr 40 Prozent seiner Zeit verbingt er in Kalifornien. Man könnte also sagen, daß Hasso Plattner inzwi­schen 40prozentiger Amerikaner gewor­den ist. So ist er auch mit den Verhältnis­sen an amerikanischen Universitäten recht gut vertraut. Dort ist es nicht unge­wöhnlich, daß viele der Gebäude auf dem Universitätscampus den Namen eines Stifters tragen. Auf dem Campus der Uni­versität Stanford steht beispielsweise das William H. Gates Gebäude für das Com­

Nur um den Standort des Instituts wird noch verhandelt. Hasso Plattner favorisiert das Gelände am Kaiserbahnhof, Wildpark, in der Nähe des Neuen Palais(Bild rechts).

puter Science Department. So kam Hasso Plattner auf die Idee, einen beträchtlichen Teil seines privaten Vermögens in eine Stiftung für eine deutsche Universität ein­zubringen.

Der Gedanke, Potsdam könne für seine Stif­tung ein geeigneter Standort sein, kam Plattner bei einem Spaziergang, der ihn am 31. Januar 1998 am Einsteinturm vorbeiführ­te. Hasso Plattner war immer schon emotio­nal mit Berlin und Potsdam verbunden. Er wurde 1944 in Berlin geboren und wuchs im Grunewald auf. Potsdam mit seinen Schlös­sern, Seen und seiner Nachbarschaft zum hauptstädtischen Berlin habe das Potential, ein Zentrum für die Ansiedlung informa­tionstechnischer Unternehmen zu werden, meint Plattner. Insbesondere auch deshalb, weilintelligente und einfallsreiche Wissen­schaftler und Ingenieure besonders gerne dorthin gehen, wo es landschaftlich und städtebaulich schön ist und wo es ein reich­haltiges kulturelles Angebot gibt.

Reformbedürftige Informatikerausbildung

Galileo Galilei konnte noch Mathematiker, Physiker und Ingenieur in einem sein, Heu­te unterscheidet sich das Physikstudium erheblich von den Ingenieurstudiengängen, in denen die Ergebnisse der Physik und Mathematik zwar genutzt werden, aber nur im Hinblick auf die eigentliche Aufgabe ei­nes Ingenieurs: neue Produkte erfolgreich

"zu entwickeln. Eine entsprechende Not­

wendigkeit zur Aufspaltung besteht inzwi­schen auch bei der Informatik: Die Ausbil­dung zum Informatikwissenschaftler und die Ausbildung zum Informatikingenieur müssen getrennt werden. Es gibt bislang weltweit weniger als zehn Universitäten, wo diese Trennung konsequent vorangetrieben wird. Hasso Plattner möchte durch seine Stiftung mithelfen, daß sich Potsdam in den Kreis dieser Vorreiter einreihen kann. Ne­ben dem Studiengang Informatik wird in Zukunft der StudiengangSoftwaresystem­technik stehen, der zum größten Teil von den Professoren des Hasso-Plattner-Insti­tuts getragen werden soll.

Siegfried Wendt

A

Fotos: Fritze; Tribukeit

PUTZ 9/98

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