ERINNERN, UM MUT ZU MACHEN
Interviews mit Überlebenden der Shoah
Vor 60 Jahren zerstörten Nazis während der Reichskristallnacht Synagogen, legten Wohn- und Geschäftshäuser jüdischer Menschen in Schutt und Asche, demütigten und ermordeten sie. Dies war der Auftakt für eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte: die Verfolgung und Vernichtung europäischer Juden. Das Grauen niemals in Vergessenheit geraten zu lassen und daran zu erinnern, sieht auch das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Geschichte an der Universität Potsdam(MMZ) als Verpflichtung an. Deshalb initiierten Mitarbeiter des Zentrums das Video-Projekt „Archiv der Erinnerung. Interviews mit Überlebenden der Shoah“. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem MMZ, der amerikanischen Yale Universität und dem Medienpädagogischen Zentrum Land Brandenburg.
Zwischen Januar 1995 und Dezember 1996 führten 21 im universitären und therapeutischen Bereich Tätige mit 78 Zeitzeugen insbesondere aus der Region Berlin-Brandenburg mehrstündige wissenschaftliche Interviews. Deren emotionale Qualität ermögliche nach Auffassung von MMZ-Direktor Prof. Dr. Julius H. Schoeps das tiefgreifende Verständnis der. Shoah. Wichtig ist dem Wissenschaftler dabei, die Gesprächspartner nicht als Forschungsobjekte vorzuführen, Ssondern als Subjekte
AN DIESER STELLE STAND DIE DER JÜDISCHEN GEMEINDE
ihrer eigenen Lebensgeschichte vorzustellen.
Nun liegt die Video-Edition vor. Sie ergänzt die 1996 veröffentlichte Dia-Reihe„Jüdisches Leben in Brandenburg“. Sechs exemplarische Lebensgeschichten von während der NS-Zeit verfolgten Juden geben darin einen Überblick über das breite Spektrum der NS-Verfolgung und die persönlichen Verarbeitungsweisen einstiger Opfer. Die Perspektive der Verfolgten gewährt einen besonders individuellen Einblick in diesen Teil deutscher Geschichte, macht die persönliche Dimension des Erlebten erfahrbar. Weder Statistiken noch brillante Abhandlungen oder histotische Abrisse können das leisten oder gar ersetzen. Die Gesprächspartner wurden zwischen 1910 und 1942 geboren, erlebten den Nationalsozialismus als Kinder beziehungsweise Jugendliche, mußten oft mehrfach Identitäten wechseln, Schule und Berufsausbildung abbrechen.
‚Wenn wir einmal dieses Lager verlassen, und wir erzählen, was wir hier erlebt haben, dann glaubt uns das kein normaler Mensch.“ Der zu den wenigen Überlebenden gehörende Werner K., 1919 geboren, versucht dennoch das Entsetzliche zu beschreiben. Er hielt die Schornsteine der Verbrennungsöfen bei seiner Deportation nach Auschwitz zunächst für eine Bäkkerei. Als er jedoch menschliche Hautfetzen durch die Luft fliegen sah, wurde er auf grausame Weise
Potsdamer Sudengeschäfle perschwinden
Die Kreisleitung der NEDADP teilt mit:
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Zum Gedenken an die Pogromnacht vom November 1938 brachten Studenten der Fachhochschule Potsdam Informationstafeln an den Schaufenstern des leeren KarstadtKaufhauses in der Brandenburger Straße an. Das Haus war 1938 das erste, das als„judenfrei“ gemeldet wurde.
Foto: Eckardt
Die 1925 geborene Gisela M. berichtet von Ausgrenzung und Zwangsarbeit nach 1933. Sie galt, im Sprachgebrauch der Faschisten, als jüdischer Mischling ersten Grades. Die Zeitzeugin erzählt vom vergeblichen Kampf der Familie um das Überleben des jüdischen Vaters und von ihrer Teilnahme am einzig öffentlichen Massenprotest während der NS-Zeit in der Berliner Rosenstraße. Lange Zeit konnte sie über ihre furchtbaren Erlebnisse nicht sprechen. Der Bitte um ein Interview hat sie schließlich zugestimmt, um ihrer Mutter und den Ermordeten in ihrer Familie auf diese Weise ein Denkmal zu setzen. BE.
POTSDAMS... eines Besseren be
IN DERNACHT VOM 9. ZUM Auch in Potsdam schändeten Nazis die lehrt. Von Berlin aus IO.NOV. 1938 WURDE SIE Synagoge, die sich am Wilhelmplatz, verschleppte man ihn VON DEN FASCHISTEN AUS- dem jetzigen Platz der Einheit, befand.;n das Chetto Lodz GEPLÜNDERT UND ZERSTÖRT. Fine Gedenktafel erinnert heute daran.„on gort in die Lager
Fotos: aus Robert Kaelter, Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Potsdam, Potsdam 1903; Eckardt
Rawicz, Auschwitz, Sachsenhausen und Buchenwald.
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PUTZ 9/98