Heft 
(1.1.2019) 09
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ERINNERN, UM MUT ZU MACHEN

Interviews mit Überlebenden der Shoah

Vor 60 Jahren zerstörten Nazis während der Reichskristallnacht Synagogen, leg­ten Wohn- und Geschäftshäuser jüdischer Menschen in Schutt und Asche, demüti­gten und ermordeten sie. Dies war der Auftakt für eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte: die Verfolgung und Vernichtung europäischer Juden. Das Grauen niemals in Vergessenheit geraten zu lassen und daran zu erinnern, sieht auch das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Geschichte an der Universität Potsdam(MMZ) als Ver­pflichtung an. Deshalb initiierten Mitar­beiter des Zentrums das Video-Projekt Archiv der Erinnerung. Interviews mit Überlebenden der Shoah. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem MMZ, der amerikanischen Yale Universität und dem Medienpädago­gischen Zentrum Land Brandenburg.

Zwischen Januar 1995 und Dezember 1996 führten 21 im universitären und therapeuti­schen Bereich Tätige mit 78 Zeitzeugen ins­besondere aus der Region Berlin-Bran­denburg mehrstün­dige wissenschaftli­che Interviews. De­ren emotionale Qua­lität ermögliche nach Auffassung von MMZ-Direktor Prof. Dr. Julius H. Schoeps das tief­greifende Verständ­nis der. Shoah. Wichtig ist dem Wissenschaftler da­bei, die Gesprächs­partner nicht als Forschungsobjekte vorzuführen, Sson­dern als Subjekte

AN DIESER STELLE STAND DIE DER JÜDISCHEN GEMEINDE

ihrer eigenen Lebensgeschichte vorzustellen.

Nun liegt die Video-Edition vor. Sie ergänzt die 1996 veröffentlichte Dia-ReiheJüdisches Leben in Brandenburg. Sechs exemplari­sche Lebensgeschichten von wäh­rend der NS-Zeit verfolgten Juden geben darin einen Überblick über das breite Spektrum der NS-Verfol­gung und die persönlichen Ver­arbeitungsweisen einstiger Opfer. Die Perspektive der Verfolgten ge­währt einen besonders individuel­len Einblick in diesen Teil deut­scher Geschichte, macht die per­sönliche Dimension des Erlebten erfahrbar. Weder Statistiken noch brillante Abhandlungen oder histo­tische Abrisse können das leisten oder gar ersetzen. Die Gesprächs­partner wurden zwischen 1910 und 1942 geboren, erlebten den Natio­nalsozialismus als Kinder bezie­hungsweise Jugendliche, mußten oft mehrfach Identitäten wechseln, Schule und Berufs­ausbildung abbre­chen.

‚Wenn wir einmal die­ses Lager verlassen, und wir erzählen, was wir hier erlebt haben, dann glaubt uns das kein normaler Mensch. Der zu den wenigen Überleben­den gehörende Wer­ner K., 1919 geboren, versucht dennoch das Entsetzliche zu beschreiben. Er hielt die Schornsteine der Verbrennungsöfen bei seiner Deportati­on nach Auschwitz zunächst für eine Bäk­kerei. Als er jedoch menschliche Hautfet­zen durch die Luft fliegen sah, wurde er auf grausame Weise

Potsdamer Sudengeschäfle perschwinden

Die Kreisleitung der NEDADP teilt mit:

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Zum Gedenken an die Pogromnacht vom November 1938 brachten Studenten der Fachhochschule Potsdam Informa­tionstafeln an den Schaufenstern des leeren Karstadt­Kaufhauses in der Brandenburger Straße an. Das Haus war 1938 das erste, das alsjudenfrei gemeldet wurde.

Foto: Eckardt

Die 1925 geborene Gisela M. berichtet von Ausgrenzung und Zwangsarbeit nach 1933. Sie galt, im Sprachgebrauch der Faschi­sten, als jüdischer Mischling ersten Gra­des. Die Zeitzeugin erzählt vom vergebli­chen Kampf der Familie um das Überleben des jüdischen Vaters und von ihrer Teilnah­me am einzig öffentlichen Massenprotest während der NS-Zeit in der Berliner Rosen­straße. Lange Zeit konnte sie über ihre furchtbaren Erlebnisse nicht sprechen. Der Bitte um ein Interview hat sie schließlich zugestimmt, um ihrer Mutter und den Er­mordeten in ihrer Familie auf diese Weise ein Denkmal zu setzen. BE.

POTSDAMS... eines Besseren be­

IN DERNACHT VOM 9. ZUM Auch in Potsdam schändeten Nazis die lehrt. Von Berlin aus IO.NOV. 1938 WURDE SIE Synagoge, die sich am Wilhelmplatz, verschleppte man ihn VON DEN FASCHISTEN AUS- dem jetzigen Platz der Einheit, befand.;n das Chetto Lodz GEPLÜNDERT UND ZERSTÖRT. Fine Gedenktafel erinnert heute daran.on gort in die Lager

Fotos: aus Robert Kaelter, Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Potsdam, Potsdam 1903; Eckardt

Rawicz, Auschwitz, Sachsenhausen und Buchenwald.

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PUTZ 9/98