SENAT
Quo vadis, Universität Potsdam?
Nach der Konstituierung durch den Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg am 2. Juli 1991 führte der von ihm berufene Gründungssenat der Universität Potsdam am 22. und 23. Juli seine erste Arbeitstagung durch. Unter dem Vorsitz des Gründungsrektors, Prof. Dr. Mitzner, wurde eine Geschäftsstelle eingerichtet, als deren Leiter Doz. Dr. Belkner(Mathematik) ernannt wurde. Weiterhin. wurden drei Stellvertreter des Gründungsrektors gewählt: Frau Prof. Dr. Gisa Rauh(Universität-Gesamthochschule Wuppertal), Prof. Dr. Grawert(Universität Bochum und Potsdam), Prof. Dr. Kempter(Universität Potsdam). Einstimmig wurde Ministerialrat Prüß mit beratender Stimme in den Gründungssenat kooptiert. Inzwischen fanden am 2./3. September und vom 3. bis 5. Oktober weitere Zusammenkünfte statt, an denen ständig zwei bis drei Vertreter des MWFK teilnahmen.
Eine von ihnen vorgelegte Geschäftsordnung wurde nach einigen Veränderungen angenommen.
Nach grundsätzlicher Diskussion und einstimmigem Beschluß liegt nunmehr ein Vorschlag für eine Fakultätsstruktur mit entsprechendem Fächerkanon vor. Danach soll Potsdam eine klassische Universität mit folgenden fünf Fakultäten erhalten:.
— Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Zu den vorhandenen Fächern kommen Biochemie, Geowissenschaften, Lebensmittelchemie und Umweltwissenschaften hinzu.
— Juristische Fakultät
An der seit dem 1. Januar 1991 bestehenden Fakultät werden die Fächer Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht gelehrt. Sechs Lehrstühle sind ab 1. Oktober besetzt, neun weitere werden in kürze ausgeschrieben. Zum Wintersemester 1991/ 92 wurden 400 Studenten neu immatrikuliert, so‘ daß derzeitig 1000 Studenten Rechtswissenschaft studieren.
— Philosophische Fakultät
Zu den vorhandenen philologischen Fächern(Anglistik/Amerikanistik, Germanistik, Geschichte, Slawistik) kommen
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neu Medienwissenschaft, Philosophie, Romanistik und Allgemeine Sprachwissenschaft hinzu. Im Gespräch sind auch Antropologie, Kunstwissenschaft, Religionswissenschaft und Klassische Philologie(Latein, Griechisch), doch wurden dazu noch keine Festlegungen getroffen.
— Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Sie konzentriert sich vorwiegend auf solche ausgewählten Bereiche, die akut im Lande Brandenburg benötigt werden. Die ersten 100 Studenten begannen ihre Ausbildung am 14. Oktober. Gastdozenten von der Freien Universität und Technischen Universität Berlin übernahmen die Vorlesungen in Betriebswirtschaftslehre, Statistik und einigen anderen Fächern. Die bisherigen Sozialwissenschaften werden integriert, die Politikwissenschaft wird durch den Gründungsbeauftragten für dieses Fach, Prof. Dr. Rohe von der Universität-Gesamthochschule Essen, aufgebaut und ebenfalls an dieser Fakultät, die mit den Rechtswissenschaften in Babelsberg beheimatet sein wird, angesiedelt.
— Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Der Aufbau dieser Fakultät wird unter der Verantwortlichkeit des Gründungssenators Prof. Dr. Edelstein(Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin) und Prof. Dr. Herrmann(Tübingen) in einer Sondersitzung des Gründungssenats im Oktober besprochen.
Die vorliegende Struktur ist als Arbeitsstruktur aufzufassen. Es sind Doppelmitgliedschaften in Fakultäten möglich. Die Einordnung der Fachdidaktiken in diese Fakultätsstruktur ist noch offen. Fachund Didaktikausbildung sollen für Lehramtsstudenten jedoch eine Einheit bilden.
Als zentrale Einrichtungen sind vorgesehen: Rechenstelle, Sprachzentrum, Universitätsbibliothek, Organisationszentrum für Sport und Kultur sowie ein Zentrum für Weiterbildung. Das Sprachzentrum dient der Vermittlung fachsprachlicher Kenntnisse und der Vorbereitung der Studierenden auf ein Auslandsstudium. In den nächsten Jahren wird ein starker Zuwachs an Sonderaufgaben erwartet, z.
B. Aufbaustudien, Drittfachausbildung und Fernstudium; etwa 1000 Bewerbungen liegen dafür bereits vor.
Es wurde damit begonnen, unter der Verantwortlichkeit der Gründungssenatoren für alle Fächer Strukturkommissionen zu bilden.
Diese haben die Aufgabe, möglichst noch bis Ende Oktober tragfähige Konzepte für die Struktur der einzelnen Fächer vorzulegen.
Schwerpunkte sind dabei die Binnenstrukturbzw. das Profil des Faches(qualitative Vertiefungslinien im Zusammenhang mit den vorhandenen Möglichkeiten oder ergänzt durch Übernahme von Teilen ehemaliger Akademieinstitute), Vorschlag für einen Stellenplan, mögliche Studiengänge und-abschlüsse, Anzahl der Drittmittelstellen(Doktorandenausbildungsplätze), der Raumbedarf und die Vorbereitung der Ausschreibung von C-Stellen. Struktur- und Berufungskommissionen sind getrennt. Die Aufgaben der Berufungskommission hat zur Zeit der Gründungssenat selbst übernommen. Nach einer Empfehlung der Kultusministerkonferenz ist die Zusammensetzung der Strukturkommission bindend vorgegeben. Als Vorsitzender fungiert der Geschäftsführende Direktor des Fachbereiches oder ein Mitglied des Gründungssenates oder ein Gründungsbeauftragter; ihr gehören je zwei Hochschullehrer aus den alten und neuen Bundesländern sowie ein Vertreter des Mittelbaus und ein Studierender an der ‚Universität Potsdam an. Bisher wurden in bestehenden und drei neuzugründenden Fachbereichen solche Kommissionen gebildet und in ihrer personellen Zusammensetzung vom Gründungssenat bestätigt. Einige Probleme gibt es derzeitig noch bei den Fachbereichen Medienwissenschaft, Philosophie und Romanistik. Offene Fragen zu den Erziehungswissenschaften, zur Sozialwissenschaft und den Wirtschaftswissenschaften werden in weiteren Diskussionen geklärt, Fragen zur Antropologie, Kunstwissenschaften und Klassische Philologie müssen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Der Gründungsrektor, Prof. Mitzner, wurde vom Gründungssenat ermächtigt, zur Erledigung bestimmter Aufgaben oder zur Absicherung des laufenden Lehr- und
Fortsetzung S. 5
Nr. 15/91