Heft 
(1.1.2019) 15
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SENAT

Quo vadis, Universität Potsdam?

Nach der Konstituierung durch den Mini­ster für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg am 2. Juli 1991 führte der von ihm berufene Gründungs­senat der Universität Potsdam am 22. und 23. Juli seine erste Arbeitstagung durch. Unter dem Vorsitz des Gründungsrektors, Prof. Dr. Mitzner, wurde eine Geschäfts­stelle eingerichtet, als deren Leiter Doz. Dr. Belkner(Mathematik) ernannt wurde. Weiterhin. wurden drei Stellvertreter des Gründungsrektors gewählt: Frau Prof. Dr. Gisa Rauh(Universität-Gesamthochschu­le Wuppertal), Prof. Dr. Grawert(Univer­sität Bochum und Potsdam), Prof. Dr. Kempter(Universität Potsdam). Einstim­mig wurde Ministerialrat Prüß mit bera­tender Stimme in den Gründungssenat kooptiert. Inzwischen fanden am 2./3. September und vom 3. bis 5. Oktober weitere Zusammenkünfte statt, an denen ständig zwei bis drei Vertreter des MWFK teilnahmen.

Eine von ihnen vorgelegte Geschäftsord­nung wurde nach einigen Veränderungen angenommen.

Nach grundsätzlicher Diskussion und einstimmigem Beschluß liegt nunmehr ein Vorschlag für eine Fakultätsstruktur mit entsprechendem Fächerkanon vor. Danach soll Potsdam eine klassische Universität mit folgenden fünf Fakultäten erhalten:.

Mathematisch-Naturwissenschaft­liche Fakultät

Zu den vorhandenen Fächern kommen Biochemie, Geowissenschaften, Lebens­mittelchemie und Umweltwissenschaften hinzu.

Juristische Fakultät

An der seit dem 1. Januar 1991 bestehen­den Fakultät werden die Fächer Zivil­recht, Öffentliches Recht und Strafrecht gelehrt. Sechs Lehrstühle sind ab 1. Okto­ber besetzt, neun weitere werden in kürze ausgeschrieben. Zum Wintersemester 1991/ 92 wurden 400 Studenten neu immatriku­liert, so daß derzeitig 1000 Studenten Rechtswissenschaft studieren.

Philosophische Fakultät

Zu den vorhandenen philologischen Fä­chern(Anglistik/Amerikanistik, Germa­nistik, Geschichte, Slawistik) kommen

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neu Medienwissenschaft, Philosophie, Romanistik und Allgemeine Sprachwis­senschaft hinzu. Im Gespräch sind auch Antropologie, Kunstwissenschaft, Reli­gionswissenschaft und Klassische Philo­logie(Latein, Griechisch), doch wurden dazu noch keine Festlegungen getroffen.

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Sie konzentriert sich vorwiegend auf sol­che ausgewählten Bereiche, die akut im Lande Brandenburg benötigt werden. Die ersten 100 Studenten begannen ihre Aus­bildung am 14. Oktober. Gastdozenten von der Freien Universität und Techni­schen Universität Berlin übernahmen die Vorlesungen in Betriebswirtschaftslehre, Statistik und einigen anderen Fächern. Die bisherigen Sozialwissenschaften werden integriert, die Politikwissenschaft wird durch den Gründungsbeauftragten für dieses Fach, Prof. Dr. Rohe von der Universität-Gesamthochschule Essen, aufgebaut und ebenfalls an dieser Fakul­tät, die mit den Rechtswissenschaften in Babelsberg beheimatet sein wird, ange­siedelt.

Erziehungswissenschaftliche Fakultät

Der Aufbau dieser Fakultät wird unter der Verantwortlichkeit des Gründungssena­tors Prof. Dr. Edelstein(Max-Planck-In­stitut für Bildungsforschung Berlin) und Prof. Dr. Herrmann(Tübingen) in einer Sondersitzung des Gründungssenats im Oktober besprochen.

Die vorliegende Struktur ist als Arbeits­struktur aufzufassen. Es sind Doppelmit­gliedschaften in Fakultäten möglich. Die Einordnung der Fachdidaktiken in diese Fakultätsstruktur ist noch offen. Fach­und Didaktikausbildung sollen für Lehr­amtsstudenten jedoch eine Einheit bil­den.

Als zentrale Einrichtungen sind vorgese­hen: Rechenstelle, Sprachzentrum, Uni­versitätsbibliothek, Organisationszentrum für Sport und Kultur sowie ein Zentrum für Weiterbildung. Das Sprachzentrum dient der Vermittlung fachsprachlicher Kenntnisse und der Vorbereitung der Studierenden auf ein Auslandsstudium. In den nächsten Jahren wird ein starker Zuwachs an Sonderaufgaben erwartet, z.

B. Aufbaustudien, Drittfachausbildung und Fernstudium; etwa 1000 Bewerbungen liegen dafür bereits vor.

Es wurde damit begonnen, unter der Ver­antwortlichkeit der Gründungssenatoren für alle Fächer Strukturkommissionen zu bilden.

Diese haben die Aufgabe, möglichst noch bis Ende Oktober tragfähige Konzepte für die Struktur der einzelnen Fächer vorzu­legen.

Schwerpunkte sind dabei die Binnenstruk­turbzw. das Profil des Faches(qualitative Vertiefungslinien im Zusammenhang mit den vorhandenen Möglichkeiten oder ergänzt durch Übernahme von Teilen ehemaliger Akademieinstitute), Vorschlag für einen Stellenplan, mögliche Studien­gänge und-abschlüsse, Anzahl der Dritt­mittelstellen(Doktorandenausbildungsplät­ze), der Raumbedarf und die Vorberei­tung der Ausschreibung von C-Stellen. Struktur- und Berufungskommissionen sind getrennt. Die Aufgaben der Berufungs­kommission hat zur Zeit der Gründungs­senat selbst übernommen. Nach einer Emp­fehlung der Kultusministerkonferenz ist die Zusammensetzung der Strukturkom­mission bindend vorgegeben. Als Vorsit­zender fungiert der Geschäftsführende Di­rektor des Fachbereiches oder ein Mit­glied des Gründungssenates oder ein Gründungsbeauftragter; ihr gehören je zwei Hochschullehrer aus den alten und neuen Bundesländern sowie ein Vertreter des Mittelbaus und ein Studierender an der ‚Universität Potsdam an. Bisher wur­den in bestehenden und drei neuzugrün­denden Fachbereichen solche Kommis­sionen gebildet und in ihrer personellen Zusammensetzung vom Gründungssenat bestätigt. Einige Probleme gibt es derzei­tig noch bei den Fachbereichen Medien­wissenschaft, Philosophie und Romani­stik. Offene Fragen zu den Erziehungs­wissenschaften, zur Sozialwissenschaft und den Wirtschaftswissenschaften werden in weiteren Diskussionen geklärt, Fragen zur Antropologie, Kunstwissenschaften und Klassische Philologie müssen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Der Gründungsrektor, Prof. Mitzner, wurde vom Gründungssenat ermächtigt, zur Erledigung bestimmter Aufgaben oder zur Absicherung des laufenden Lehr- und

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Nr. 15/91