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(1.1.2019) 15
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An die Anglistikstudenten der 90er Matrikel (und ihre Lehrkräfte): Nach-Betrachtung zu einer empirischen Untersuchung

Sicherlich erinnern sich Anglistikstuden­ten der 90er Matrikel an eine Phonetik­vorlesung im Januar 1991, die vergleichs­weise etwas ungewöhnlich verlief. Im Rahmen längerfristig angelegter theoreti­scher und empirischer Untersuchungen befragten wir u. a. diese Matrikel zu motivationalen Problemstellungen: sprich Studienerwartungen, erste Studienerfah­rungen, Interessen etc., vor allem im Fach Englische Sprachausbildung(ESA). Da eine Anzahl von Studenten reges Interes­se an den Fragestellungen zeigte und um Öffentlichmachung der Ergebnisse bat, möchten wir heute dieser Bitte nachkom­men.

Die Befragung dieser Matrikel war für uns im Vergleich zu anderen befragten Teilpopulationen(89er Matrikel Angli­stik) insofern interessant, als die Matrikel als 1. Jahrgang ihr Studium in dernicht­mehr-existenten-DDR begann. Wenn der 89er Studentenjahrgang noch unmittelbar den Beginn der gesellschaftlichen Um­wälzungsprozesse(politische Wende), damit auch beginnende Veränderungen an der Universität erlebte(damals noch Hochschule), aber dennoch das traditio­nelle Studienprogramm absolvierte, be­gann die 90er Matrikel ihr Studium be­reitsnach neuen Rahmenstudienprogram­men und unter veränderten studienorga­nisatorischen Bedingungen(z. B. Wahl der Ausbildungsform wird von Beginn an in ausschließlicher Verantwortung der Studenten getroffen, neben obligatorischen Kursen sind fakultative Lehrveranstaltun­gen frei wähl- und kombinierbar/wieder­holbar, Kursgruppen funktionieren nach dem Prinzip des Einschreibesystems Stundenplan selbst bauen...). All diese Umstände haben keinen unwesentlichen Einfluß auf die Motivation und Einstel­lung der Studierenden sowohl zum Stu­dium selbst als auch zu ihrem gewählten Studienfach.

Neben den Untersuchungsbefunden, die i. w. S. zur Entwicklung eines soliden englischsprachigen Könnens erwachsener (studentischer) Lernender beitragen wol­len, sind wir der Meinung, daß unsere Erfassung von motivationalen Strukturen auch im Hinblick auf eine aufzubauende allgemeine und fachspezifische Studien­beratung Probleme aufzeigen und Orien­

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tierungspunkte bieten kann. Nicht zuletzt ist es unser Bestreben, dieBetroffenen zu eigenen Überlegungen dazu anzuregen bzw. alle Befragten(Lehrende und Stu­dierende) gegenüber nicht unwichtigen Motivationsfragen zu sensibilisieren. Einige ausgewählte Ergebnisse von allge­meinem Interesse seien hier aufgezeigt. (Auf Kommentare bzw. mögliche Schluß­folgerungen haben wir aus Platzgründen an vielen Stellen verzichtet.)

Foto: Tribukeit

Die Mehrzahl der befragten Studienan­fänger zeichnete sich bei Aufnahme des Studiums durch eine mittelmäßige bis gute Habitualmotivation(Einstellung) zum Studium selbst bzw. zum Studienfach (Englisch, speziell ESA) aus. In dieses Ergebnis fließen einerseits u. a. das Vor­handensein und die Entwicklung des per­sönlichen Interesses für Englisch sowie gemachte positive schulische Lernerfah­rungen ein. Andererseits wird das Ergeb­nis durch ungünstige Voraussetzungen gefärbt angesiedelt im Gesamtbedin­gungsgefüge des Lernens von Englisch an der damals noch BLH-, die sich u. a. aus derWende ergeben. haben;Druck, innerhalb einer bestimmten Zeit eine Anzahl von ‚Scheinen zu machen, unsichere Berufsaussichten,Nichtzu­rechtkommen mit solchen Anforderun­gen, die der bisherigen Schulpraxis fremd waren etc.(s. oben).

Erfreulich ist, daß alle befragten Ver­suchspersonen hinsichtlich ihrer Entschei­dung für ein Anglistikstudium insgesamt ein ausgesprochen sprach- und sprech­orientiertes Spektrum von Motiven aus­weisen(Interesse an Sprache, Land, Kul­tur...). Der Ausprägungsgrad dieser Motivgruppe ist dabei bei Studenten, die keine Lehrer werden wollen, geringfügig höher. Gleicher Motivkomplex hat einen weitaus stärkeren Einfluß auf die Stu­dienfachwahl als PrestigemotiveBerufs­Chancen,Angst vor Naturwissenschaf­teneic:

Die Befunde widerspiegeln jedoch auch erwarteterweise, daßprestige-orien­tierte Motive(als Streben nach Anerken­nung und Geltung) für die Probanden der 90er Matrikel eine höhere Wertigkeit be­sitzen als für die 89er Versuchspopula­tion.(Eine zu starke Entwicklung der ne­gativen Seite dieses Motivs, im Sinne einesegozentrischen Ehrgeizmotivs, sollte u. E. zukünftig unter korrigierenden und regulierenden Gesichtspunkten be­achtet werden.)

Lediglich 53,2% der Befragten im 90er Jahrgang gaben zum Zeitpunkt der Untersuchungen an,(Englisch-)Lehrer werden zu wollen. Dabei setzen die Lehr­amtsbewerber dieser Matrikel ihre Stu­dien- und Berufsinteressen allgemein in einen relativ breiten sozialen, auch inter­nationalen Nützlichkeitsrahmen, der ei­nen möglichen Berufswechsel offen läßt (an 2. Stelle setzen diese Probanden einen Einsatz an Hochschule/Universität, 3. Er­wachsenenbildung, 4. Bibliothek/Archiv, 5. Presse/Wirtschaft).

Berufliche und zukünftige lebensprak­tische Stimuli scheinen für die übrigen Studenten der 90er Matrikel(46,8%) in der Studieneingangsphase aufgrund teil­weise fehlender Berufzsziele kaum eine Rolle zu spielen. Bezüglich der Vorstel­lung dieser Probanden von ihrer Berufs­perspektive stellen sie an 1. Stelle einen Einsatz in der Wirtschaft, 2. Rundfunk/ Fernsehen, Presse/Verlage, Erwachsenen­bildung, 3. Schule/Hochschule.(Sowohl die Fachwissenschaften als auch die Stu­dienberatung müßten sich inhaltlich/the­matisch stärker dem breiter gewordenen

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