Meinungen nach dem Rektor-Gespräch
Mit welchen Erwartungen sind Sie in das eben beendete Gespräch gegangen "und mit welchen persönlichen Eindrükken verlassen Sie jetzt das Rektorat? Dr. Herbert Knoblich: Meine wesent| lichste Erwartung war die, daß heute ein |klares Wort über die Zukunft der hier an | der Universität tätigen Leute gesprochen | würde. Dies war der Fall, sowohl für den sogenannten Mittelbau als auch für dieje
nigen, die hier als Hochschullehrer tätig sein werden. Ich halte das für ganz wichtig, weil die Unruhe und Unsicherheit | unter ihnen doch Ausmaße angenommen |hat, die mich in Sorge geraten lassen. Ich habe zum zweiten erwartet, daß der Stil, |der auch im Parlament geübt wird, näm
lich parteiübergreifend auf Sachziele zuzusteuern, auch für diese Universität und ihre Gründung gilt. Es hat sich bestätigt, daß dem so ist, und ich denke, daß gemeinsam innerhalb des Parlaments sowie
im Konsens zwischen Parlament, Mini"sterium für Wissenschaft, Forschung und Kultur und der Universität doch auf bestem und schnellstem Wege auf dieses Ziel zugegangen wird. Ich bin überzeugt davon, daß all das, was zu den Erwartungen vom Gründungsrektor, die Universiät Potsdam betreffend, gesagt wurde, auch erreichbar ist. Natürlich geht das nur, wenn man die Aufgabe gemeinsam an|packt.
Dr. Peter-Michael Diestel: Ich habe ein sehr angenehmes Gefühl nach diesem |Gespräch. Es waren Vertreter von vier Parteien und die Führung der Universität
‚anwesend. Ich glaube schon, daß hier in Zukunfteine sehr liberale, freiheitlich gesinnte Bildungseinrichtung entstehen wird, ‚und da will ich einfach meinen Anteil
Sind Sie mit den Zwischenergebnissen, die der Gründungsrektor ein halbes Jahr nach der Universitätsgründung orgetragen hat, zufrieden?
Dr. Herbert Knoblich: Ja. Ich glaube 4 daß hier noch einmal zurecht darauf hingewiesen worden ist, daß wir mit |
einer Geschwindigkeit arbeiten, die nach altbundesrepublikanischen Maßstäben atemberaubend ist. Aus diesem Grunde scheint mir hier auch ein vernünftiger Kompromiß gefunden zu sein.
Dr. Peter-Michael-Diestel: Zufrieden
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INTERVIEW
Unsere Interviewpartner Dr. Herbert Knoblich(r.) und Dr. Peter-Michael Diestel(I.) im Gespräch
mit Prof. Mitzner(Mitte). Siehe nebenstehenden Beitrag.
kann man nie sein, aber ich weiß, was in anderen Ländern in vergleichbarer Situation jetzt abgerechnet wird. Da muß ich
Foto: Rüffert
sagen, da sind die Herrschaften hier sehr weit— und das sehe ich mit Freude. Die Fragen stellte Dr. Rammelt.
Fortsetzung folgt?
Im Rahmen des politikwissenschaftlichen Forschungskolloquiums war am 15. Januar Professor Dr. Nevil Johnson(Nuffield College Oxford) als Gast geladen. Er sprach über das„Berufsbeamtentum im modernen Leistungsstaat: eine überholte Tradition?“
Prof. Johnson leitete seinen Vortrag mit Bemerkungen zur Entwicklung des Berufsbeamtentums in Deutschland ein und wies darauf hin, daß das Festhalten am Staatsbeamtentum in der Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben begründet sei.
In der englischen Perspektive, aus der der Vortragende sprach, erschien ihm die verfassungsrechtliche Festschreibung, wonach die Ausübung hoheitlicher Befugnisse in der Regel Angehörigen des öffentlichen Dienstes vorbehalten ist, welche folglich in einem öffentlich-rechtlichen Dienstund Treueverhältnis zum Staat stehen, als reformbedürftig.
Nevil Johnson betonte, daß die Konsequenzen der Regelung, den öffentlichen Dienst nach den hergebrachten Grundsätzen des Berufsbeamtentums zu organisieren, neu überdacht werden müssen.
Der Vortragende machte eindrücklich
darauf aufmerksam, daß das öffentliche Dienstrecht in Deutschland noch keineswegs als abgeschlossen ausgestaltet gelten könne und dem Gesetzgeber— auch im Rahmen der jetzigen Regelungen— ein erheblicher Gestaltungsraum offenstehe; etwa auch im Sinne der Überlegungen, die Nevil Johnson zur Privatisierung öffentlicher Aufgaben anstellte. Gerne hätten die Zuhörer möglicherweise mehr zum spezifisch deutschen Problem des Zusammenhangs von Hochschulausbildung und Staatsdienst, mithin der Bedeutung des Studiensystems für die öffentlich-rechtliche Dienstbefähigung erfahren. Denn alle Überlegungen, die etwa auch von der Gründungskommission des FB Sozialwissenschaften zur Einrichtung eines politikwissenschaftlichen Studiengangs mit verwaltungsrechtlichem Schwerpunkt angestellt werden, sind unauflösbar mit den Anforderungen, die das Laufbahnsystem im Öffentlichen Dienst definiert, verknüpft. Hier wünscht man sich eine Fortsetzung der Diskussion.
Dipl.-Pol. Gerlinde Sommer
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