Heft 
(1.1.2019) 02
Einzelbild herunterladen

Fortsetzung von Seite 1

In der Lehre wurde bei der Grundausstat­tung ein großer Sprung nach vorn getan. Lehrräume wurden rekonstruiert, die Ver­sorgung mit Computern wurde abgesi­chert.

Für die Naturwissenschaften wurden Geräte für mehrere Millionen DM gekauft. Bis Ende Februar 1992 wird dem zuständigen Ministerium der Entwurf für die Struktur der Universität vorgelegt, die danach mit ministerieller Zustimmung in der Öffent­lichkeit diskutiert werden wird. Man habe bisher eine gute Synthese von Innovation und vorhandener personeller und mate­rieller Substanz gefunden. Es habe sich inzwischen mehrfach gezeigt, daß es für das Ansehen der Universität in der deut­schen Hochschulöffentlichkeit von gro­ßer Bedeutung sei, daß ein unabhängiger Gründungssenat mit zahlreichen auswär­tigen Fachleuten die Struktur der Univer­sität Potsdam erarbeitet habe. Das habe sich bisher nach außen sehr positiv ausge­wirkt.Das Renommee unserer Universi­tät ist außerhalb erheblich besser als in Potsdam selbst, räumte Prof. Mitzner ein. Andererseits sei es jedoch schwer, betonte er, die Tätigkeit des Gründungs­senats in allen Fällen für die Mitarbeiter offen darzulegen.

Nach Verabschiedung des Strukturent­wurfes wird die Erarbeitung einer Grund­ordnung für die Universität erfolgen. Beide Dokumente werden dazu beitragen, die unter den Mitarbeitern noch bestehende Unsicherheit abzubauen, die Lage zu entspannen und die Situation transparen­ter zu machen. Derzeitig sind im akade­mischen Mittelbau knapp über 500 Leute beschäftigt, eine Zahl, die weit unterhalb des zukünftigen Bedarfs liegt. Allerdings sind in einigen geisteswissenschaftlichen Fächern die Verhältnisse z. T. noch un­günstig. Es wird jedoch einige Jahre Zeit bleiben, sich der neuen Personalstruktur anzupassen. Der Landtagspräsident Setz­te sich mit Nachdruck für die Interessen des Mittelbaus ein und beurteilte den Stil, mit dem bisher etwas für diese Beschäfti­gungsgruppe getan wurde, als sehr ver­nünftig. Gegenwärtig wird im Wissen­schaftsministerium an einer Novelle ge­arbeitet, welche die Angelegenheiten der wissenschaftlichen Mitarbeiter regelt.Wir wollen Klarheit schaffen und so schnell wie möglich sagen, wenn auch vorerst noch pauschal, wie der Stellenplan sein wird, sagte Minister Enderlein. Dr. Knoblich drängte darauf, diese Novelle

4

BILANZ

möglichst bald abzuschließen und dem Parlament zur Verabschiedung vorzule­gen. Dem stimmten der Minister und die Fraktionsvorsitzenden zu.

In Potsdam muß eine Universität errich­tet werden für Leute, die hier wohnen. Das muß für die Öffentlichkeit deutlich wer­den, betonte Prof. Mitzner. Vorgesehen sind vier Fakultäten mit ca. 30 Fächern, davon 10 Neugründungen, und einigen zentralen Einrichtungen wie Universitäts­bibliothek, Sprachenzentrum, Rechenstel­le, Zentrum für Weiterbildung und Orga­nisationszentrum für Sport und Kultur, die voll in die Struktur der Universität integriert werden. Die Konzeption sieht vor, daß bestimmte Fächer, beispielswei­se Wirtschaftswissenschaften, Sozialwis­senschaften und Rechtswissenschaft oder Biologie, Chemie, Biochemie, Geowis­senschaften und Umweltwissenschaften, fächerübergreifend zusammenarbeiten wer­den. Die Chance zur Erweiterung und Festigung des Spektrums liegt an den Schnittstellen der Fächer. Die Ausbildung von Lehrern für das Land Brandenburg wird ein Schwerpunkt sein. Von der Konzeption her soll etwas Besonderes entstehen; die beteiligten Fachwissenschaft­ler sprechen im Bereich der Erziehungs­wissenschaften von einemPotsdamer Modell. Die Universität muß solche Innovationspunkte aufweisen, damit sie weitere Akzeptanz findet. Zu den gegen­wärtig bestehenden 20 Fächern werden derzeitig 84 verschiedene Studiengänge angeboten, die mit dem Diplom, dem Magister oder mit der Staatsprüfung ab­schließen.

Weiterhin sind seit dem 1. Januar 1992 vier Arbeitsgruppen der Max-Planck­Gesellschaft bei der Universität Potsdam zunächst für fünf Jahre tätig. Danach wird angestrebt, diese profilierten Gruppen in die Universität zu übernehmen. Fünf weitere Einrichtungen werden als kooperative Institute bei der Universität arbeiten. Zusätzlich ist eine Zusammenarbeit mit etwa 25 natur- und geisteswissenschaftli­chen Forschungsgruppen mit mehr als 100 Wissenschaftlern aus dem Territorium und dem Berliner Raum im Rahmen des Wis­senschaftlerintegrationsprogramms für zunächst zwei Jahre vorgesehen. Zur Zeit wird geprüft, welche dieser zur Auswahl stehenden Gruppen in das Forschungspro­fil der Universität passen. Im Zusammen­hang mit dieser Ansiedlung bzw. Über­nahme solcher Einrichtungen verwies der Rektor auf die bestehende prekäre Raum­situation. Zwar liege von maßgeblicher

Stelle eine Zusicherung über eine rege Bautätigkeit in den nächsten vier bis sechs Jahren vor, jedoch werde es in der Über­gangszeit gravierende Raumprobleme geben.

Mit Zustimmung des Wissenschaftsmini­steriums wurden bis einschließlich De­zember 1991 26 Professuren ausgeschrie­ben(Rechtswissenschaft 15, Wirtschafts­wissenschaften 6, Romanistik 4, Ge­schichtswissenschaften 1). Zur Absiche­rung der Lehrveranstaltungen bei gestie­genen Studentenzahlen, zur notwendigen Erweiterung des Profils und zur Wieder­besetzung von Stellen, die durch Emeri­tierung frei geworden sind, wurden im Januar 1992 weitere 48 Professuren öf­fentlich ausgeschrieben(Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 13, Naturwissen­schaften 14, Geisteswissenschaften 21). Dabei wird einheimischen Bewerbern durchaus eine Chance eingeräumt. Das in Brandenburg vorhandene, aus progressi­ven Kräften bestehende wissenschaftli­che Potential müsse genutzt werden, for­derte Dr. Knoblich. Sowohl er als auch

a

der Minister plädierten für Hausberufun­

gen, wie diese als eine von zwei Ausnah­

men vom Hochschulrahmengesetz für

Brandenburg im Landeshochschulgesetz für eine Übergangsperiode gesetzlich festgeschrieben sind. In diesem Sinne äußerte sich auch Dr. Diestel.

Diese Professuren sollen bis zum Winter­semester 1992/93 besetzt sein. Die An­

zahl der Hochschullehrer wird dann etwa|

150 betragen; die Neuberufenen werden

bei einem Verhältnis von 60:40 das Über-|

gewicht ausmachen.

Zusammenfassend sagte Prof. Mitzner mit Nachdruck und absoluter Überzeugung: Was jetzt an der Universität Potsdam passiert, bestimmen keine alten Seilschaf­ten! Es mag sein, daß hier und da in wenigen Fachbereichen noch ‚Seilenden' vorhanden zu sein scheinen, aber diese sind ohne Einfluß.

Im Brandenburger Parlament besteht höchste Akzeptanz darüber, was an der Universität Potsdam getan wird, wie und in welchem Klima die Dinge angepackt werden.

Das Konzept, so die Politiker, werde auch in der Öffentlichkeit über die Länder­grenzen Brandenburgs hinweg Anerken­nung finden. Sie versicherten dem Grün­dungsrektor ihre weitere Unterstützung.

Dr. Rammelt

Nr. 2/92