43. Arbeitstagung„Allgemeine Algebra“
Vom 3104. bis 2. 2.1992 fand an der Universität Potsdam die 43. Arbeitstagung„Allgemeine Algebra“ statt. 70 Mathematiker aus neun Ländern nutzen die im Universitätskomplex II in Golm vorhandenen Möglichkeiten zu intensivem wissenschaftlichem Austausch. Es wurden sechs Hauptvorträge und in zwei Sektionen weitere 35 Vorträge gehalten. Das inhaltliche Spektrum reichte von Themen aus der algebraischen Grundlagenforschung bis hin zur Anwendung algebraischer Methoden in verschiedenen anderen Gebieten, vor allem in der Informatik. Insbesondere algebraisch-ordnungstheoretische Methoden sind geeignet, um Daten, die in verschiedenen Bereichen in großer Zahl erfaßt und verarbeitet werden müssen, nach hierarchischen Gesichtspunkten zu strukturieren und für den Nutzer aufzubereiten. Dieser Thematik widmet sich die sehr erfolgreich arbeitende Arbeitsgruppe„Begriffsanalyse‘“ der Technischen Hochschule Darmstadt, die mit 14 Wissenschaftlern und mehreren Vorträgen vertreten war. Fragen der formalen Begriffsanalyse spielen zunehmend in Forschungen zur künstlichen Intelligenz eine Rolle.
Einen weiteren Schwerpunkt der Arbeitstagung bildeten algebraische Grundlagen des automatischen Theorembeweisens, ein Gebiet, das ebenfalls in engem Zusammenhang mit Untersuchungen zur künstlichen Intelligenz steht. Hier ordnen sich die von der Abteilung Algebra des Fachbereichs Mathematik der Universität Potsdam vorgetragenen Ergebnisse zur Theorie und Anwendung von Hyperidentitäten und die von Mathematikern aus Wroctaw, Opole und Berlin vorgestellten Resultate zur Form von Identitäten und zu einem neuen algebraischen Ableitbarkeitsbegriff ein.
Mit der Bearbeitung dieser und weiterer Themen leistete die Tagung auch einen Beitrag zur weiteren Profilierung der algebraischen Forschung an der Potsdamer Universität. Durch die Angliederung von fünf Wissenschaftlern der ehemaligen Akademie der Wissenschaften besteht die einmalige Chance, daß an der Potsdamer Universität ein leistungsfähiges Zentrum für universalalgebraische und kategorientheoretische Untersuchungen zur Theoretischen Informatik als Komponente anwendungsorientierter mathematischer Grundlagenforschung entsteht. Die Struk
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turkommission des Fachbereichs Mathematik, die dem Gründungssenat Vorschläge über die weitere Zielrichtung mathematischer Forschungen unterbreitet hat, strebt an, in der künftigen Struktur Theoretische Informatik und Mathematik zu verbinden. Es bleibt zu hoffen, daß der Gründungssenat der Universität, in dem leider kein Mathematiker und zu wenig Naturwissenschaftler Mitspracherecht haben, die Meinung der Fachleute dennoch berücksichtigt.
Ungeachtet dieser Unsicherheiten wollen die Potsdamer Algebraiker die Leistungsfähigkeit ihrer Arbeitsgruppe weiter er
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höhen. Dazu gehört in besonderem Maß die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. In der Abschlußsitzung der 43. Arbeitstagung wurde auf eine weitere Initiative hingewiesen: die VII. Konferenz Junger Algebraiker, die am 15. und 16. Mai 1992 an der Universität Potsdam stattfinden wird und in der Diplomanden und Doktoranden, die algebraische Themen bearbeiten, die Möglichkeit gegeben wird, erste eigene Forschungsergebnisse vorzutragen und die Meinung von Fachleuten dazu zu hören. Prof. Dr. K. Denecke FB Mathematik
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