Ausbildungswünsche in West und Ost überwiegend verwirklicht
Alles in allem befindet sich die überwiegende Mehrheit der Studienanfänger in Ost und West nach eigenen Aussagen in ihrem Wunschstudium. Dies ist im Westen sicher auch ein Ergebnis der erfolgreichen Bemühungen der Hochschulen, trotz enger werdender Ressourcen das Studium offenzuhalten. Erwartungsgemäß bleiben Studienwünsche für Fächer mit Zulassungsbeschränkungen oder Aufnahmeprüfungen(Medizin bzw. Kunst) relativ häufig unerfüllt.
Frauen haben bei der Realisierung ihrer Ausbildungswünsche immer noch vergleichsweise häufiger Schwierigkeiten, männliche Schulabgänger mit Fachhochschulreife am seltensten Probleme. Schon kurz nach Studienbeginn kündigt etwa jeder zehnte Studienanfänger eine nach
trägliche Korrektur seiner Studienwahl an, meistens einen Fachwechsel.
Insgesamt betrachtet ergibt sich in bezug auf die Verwirklichung von Ausbildungswünschen bei Studienanfängern in West und Ost ein sehr ähnliches Bild: Hier wie dort studieren über 80% der Erstimmatrikulierten an Universitäten in ihrem Wunschfach. Zulassungsbeschränkungen und erwartete schlechte Berufsaussichten werden als wichtige Gründe für die Wahl eines Ausweichstudiums genannt. Unterschiede, die sich bei fächerspezifischer Betrachtung auftun, sind überwiegend auf Kapazitätsengpässe(z. B. in Mathematik/ Naturwissenschaften) und die Umstrukturierung an ostdeutschen Universitäten (z. B. in Wirtschafts-/Sozialwissenschaften, Sprach-/Kulturwissenschaften/Sport
und Jura) zurückzuführen. Unverändert etwa ein Fünftel der Studienanfänger in den alten Ländern ist durch Zulassungsbeschränkungen in seiner Studienwahl (gewünschter Studiengang, gewünschte Hochschule, gewünschter Zeitpunkt) behindert. Diese finden sich unverändert unter den Frauen häufiger als unter den Männern, unter Abiturienten häufiger als unter Studienanfängern mit Fachhochschulreife, unter denen an Universitäten häufiger als unter denen an Fachhochschulen. Gravierende Unterschiede hierzu— soweit die Daten vergleichbar sind- können in den neuen Ländern nicht beobachtet werden.
(aus: HIS Kurzinformation A9/91, S. 11)
Universität lowa an Kooperation mit Potsdam interessiert
Im Auftrag der Universität Iowa besuchte der Historiker Prof. Mitchell C. Ash am 15. Januar unsere Universität. Sein Interesse galt den Möglichkeiten einer wissenschaftlichen Kooperation zwischen beiden Hochschulen. Am Gespräch nahmen der Gründungsrektor, Prof. R. Mitzner, der stellvertretende Gründungsrektor, Prof. G. Kempter, sowie aus den Fachbereichen die Professoren B. Kirsch(FB Psychologie), W. Rieck(FB Germanistik) und J. H. Schoeps(FB Geschichtswissenschaften) teil. Die im vorigen Jahrhundert gegründete Universität Iowa ist die größte der drei Hochschulen des gleichnamigen Bundesstaates. Derzeit sind 29 000 Studenten an zehn Fakultäten immatrikuliert: Business Administration; Dentistry; Education, Engineering, Graduate; Law; Liberal arts; Medicine; Nursing; Pharmacy. Der Jahresetat der Universität beträgt 900 Mio. Dollar(!), wobei 30% vom Bundesstaat kommen, 13-15% über Studiengebühren erbracht werden und der „große Rest“ als Drittmittel eingeworben wird. Diese Einwerbung, so berichtet Ash, gehört für viele Professoren zu ihren wichtigsten Aufgaben. An vorderster Front stehen hierbei die Mediziner.
Trotz umfangreicher Verwaltungsarbeit bemühe man sich in Iowa, die Verwaltung personalmäßig klein zu halten und möglichst vieles ohne großen Instanzenweg zu erreichen. Nach diesem Grund
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satz werden auch die zahlreichen internationalen Beziehungen zu Partnern auf allen Kontinenten organisiert.
Neben einer großen medizinischen Ausbildungsstätte verfügt Iowa über profilierte naturwissenschaftliche Bereiche wie Biochemie, Weltraumphysik, Geo- und Astrophysik sowie ein Laserforschungszentrum. Wirtschaftsgeschichte, internationales Recht und eine stark interdisziplinär geprägte Risikoforschung sind weitere ausgewiesene Lehr- und Forschungsgebiete. Bei der Klinischen Psychologie gehört Iowa zu den zehn führenden Ausbildungszentren in den USA. Prof. Ash selbst—er hat 1982 in Harvard promoviert und forschte in den letzten beiden Jahren als Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin — befaßt sich mit Wissenschaftsgeschichte sowie deutscher und europäischer Geschichte. Momentan forscht er zur Emigration von Wissenschaftlern aus Deutschland nach 1933. Insofern interessiert er sich auch für die Forschungen von Prof. Schoeps. Angesiedelt in Iowa ist ferner das Gebiet der historischen Frauenforschung; eine ihrer Begründerinnen in den USA lehrt dort.
Der Gast informierte im weiteren Gespräch über die Germanistik und die Anglistik/Amerikanistik in Iowa. Mit fünfzig Lehrkräften sei letztere Fachrichtung stark vertreten. Zahlenmäßig kleiner ist die Germanistik, die für Potsdam inso
fern aber von Interesse sein könnte, als es Spezialisten für DDR-Literatur, für Linguistik und vergleichende Literaturwissenschaft gibt. Zu den Besonderheiten von Iowa zählt eine Schriftstellerwerkstatt, an der jährlich zwanzig bis dreißig Schriftsteller aufgenommen werden.
Bereits im ersten Zusammentreffen zeigte sich, daß es eine Reihe von interessanten Berührungspunkten mit Potsdam gibt. Bei der Vorstellung unserer Universität betonte der Gründungsrektor, daß Interesse an einem gegenseitig bereichernden Austausch bestehe und er sich durchaus hiesige Hochschullehrer an der Universität Iowa vorstellen könne. Potsdam schaue auch gern über Deutschland hinaus, um bei den Neugründungsprozessen auf vielfältige Erfahrungen zurückgreifen zu können. Wie Prof. Ash mitteilte, favorisiere seine stark interdisziplinär ausgerichtete Universität zur Zeit den Austausch von Professoren; später wolle man eventuell Studenten einbeziehen. Vereinbart wurde die Aufstellung von fachübergreifenden Interessenlisten, die Namen sowie Schwerpunkte von Lehre und Forschung enthalten sollen. Auf der Basis dieser Listen und des demnächst zu erwartenden Strukturkonzeptes der Univer
sität Potsdam sollen dann weitere Schritte folgen.
Regine Derdack
Nr. 3/92