Heft 
(1.1.2019) 03
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Ausbildungswünsche in West und Ost überwiegend verwirklicht

Alles in allem befindet sich die überwie­gende Mehrheit der Studienanfänger in Ost und West nach eigenen Aussagen in ihrem Wunschstudium. Dies ist im We­sten sicher auch ein Ergebnis der erfolg­reichen Bemühungen der Hochschulen, trotz enger werdender Ressourcen das Studium offenzuhalten. Erwartungsgemäß bleiben Studienwünsche für Fächer mit Zulassungsbeschränkungen oder Aufnah­meprüfungen(Medizin bzw. Kunst) rela­tiv häufig unerfüllt.

Frauen haben bei der Realisierung ihrer Ausbildungswünsche immer noch ver­gleichsweise häufiger Schwierigkeiten, männliche Schulabgänger mit Fachhoch­schulreife am seltensten Probleme. Schon kurz nach Studienbeginn kündigt etwa jeder zehnte Studienanfänger eine nach­

trägliche Korrektur seiner Studienwahl an, meistens einen Fachwechsel.

Insgesamt betrachtet ergibt sich in bezug auf die Verwirklichung von Ausbildungs­wünschen bei Studienanfängern in West und Ost ein sehr ähnliches Bild: Hier wie dort studieren über 80% der Erstimmatri­kulierten an Universitäten in ihrem Wunschfach. Zulassungsbeschränkungen und erwartete schlechte Berufsaussichten werden als wichtige Gründe für die Wahl eines Ausweichstudiums genannt. Unter­schiede, die sich bei fächerspezifischer Betrachtung auftun, sind überwiegend auf Kapazitätsengpässe(z. B. in Mathematik/ Naturwissenschaften) und die Umstruk­turierung an ostdeutschen Universitäten (z. B. in Wirtschafts-/Sozialwissenschaf­ten, Sprach-/Kulturwissenschaften/Sport

und Jura) zurückzuführen. Unverändert etwa ein Fünftel der Studienanfänger in den alten Ländern ist durch Zulassungs­beschränkungen in seiner Studienwahl (gewünschter Studiengang, gewünschte Hochschule, gewünschter Zeitpunkt) behindert. Diese finden sich unverändert unter den Frauen häufiger als unter den Männern, unter Abiturienten häufiger als unter Studienanfängern mit Fachhochschul­reife, unter denen an Universitäten häufi­ger als unter denen an Fachhochschulen. Gravierende Unterschiede hierzu so­weit die Daten vergleichbar sind- können in den neuen Ländern nicht beobachtet werden.

(aus: HIS Kurzinformation A9/91, S. 11)

Universität lowa an Kooperation mit Potsdam interessiert

Im Auftrag der Universität Iowa besuchte der Historiker Prof. Mitchell C. Ash am 15. Januar unsere Universität. Sein Inter­esse galt den Möglichkeiten einer wissen­schaftlichen Kooperation zwischen bei­den Hochschulen. Am Gespräch nahmen der Gründungsrektor, Prof. R. Mitzner, der stellvertretende Gründungsrektor, Prof. G. Kempter, sowie aus den Fachberei­chen die Professoren B. Kirsch(FB Psy­chologie), W. Rieck(FB Germanistik) und J. H. Schoeps(FB Geschichtswissen­schaften) teil. Die im vorigen Jahrhundert gegründete Universität Iowa ist die größ­te der drei Hochschulen des gleichnami­gen Bundesstaates. Derzeit sind 29 000 Studenten an zehn Fakultäten immatriku­liert: Business Administration; Dentistry; Education, Engineering, Graduate; Law; Liberal arts; Medicine; Nursing; Pharma­cy. Der Jahresetat der Universität beträgt 900 Mio. Dollar(!), wobei 30% vom Bundesstaat kommen, 13-15% über Stu­diengebühren erbracht werden und der große Rest als Drittmittel eingeworben wird. Diese Einwerbung, so berichtet Ash, gehört für viele Professoren zu ihren wichtigsten Aufgaben. An vorderster Front stehen hierbei die Mediziner.

Trotz umfangreicher Verwaltungsarbeit bemühe man sich in Iowa, die Verwal­tung personalmäßig klein zu halten und möglichst vieles ohne großen Instanzen­weg zu erreichen. Nach diesem Grund­

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satz werden auch die zahlreichen interna­tionalen Beziehungen zu Partnern auf allen Kontinenten organisiert.

Neben einer großen medizinischen Aus­bildungsstätte verfügt Iowa über profi­lierte naturwissenschaftliche Bereiche wie Biochemie, Weltraumphysik, Geo- und Astrophysik sowie ein Laserforschungs­zentrum. Wirtschaftsgeschichte, interna­tionales Recht und eine stark interdiszi­plinär geprägte Risikoforschung sind wei­tere ausgewiesene Lehr- und Forschungs­gebiete. Bei der Klinischen Psychologie gehört Iowa zu den zehn führenden Aus­bildungszentren in den USA. Prof. Ash selbster hat 1982 in Harvard promoviert und forschte in den letzten beiden Jahren als Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin befaßt sich mit Wissenschaftsgeschich­te sowie deutscher und europäischer Ge­schichte. Momentan forscht er zur Emi­gration von Wissenschaftlern aus Deutsch­land nach 1933. Insofern interessiert er sich auch für die Forschungen von Prof. Schoeps. Angesiedelt in Iowa ist ferner das Gebiet der historischen Frauenfor­schung; eine ihrer Begründerinnen in den USA lehrt dort.

Der Gast informierte im weiteren Ge­spräch über die Germanistik und die Anglistik/Amerikanistik in Iowa. Mit fünfzig Lehrkräften sei letztere Fachrich­tung stark vertreten. Zahlenmäßig kleiner ist die Germanistik, die für Potsdam inso­

fern aber von Interesse sein könnte, als es Spezialisten für DDR-Literatur, für Lin­guistik und vergleichende Literaturwis­senschaft gibt. Zu den Besonderheiten von Iowa zählt eine Schriftstellerwerk­statt, an der jährlich zwanzig bis dreißig Schriftsteller aufgenommen werden.

Bereits im ersten Zusammentreffen zeig­te sich, daß es eine Reihe von interessan­ten Berührungspunkten mit Potsdam gibt. Bei der Vorstellung unserer Universität betonte der Gründungsrektor, daß Inter­esse an einem gegenseitig bereichernden Austausch bestehe und er sich durchaus hiesige Hochschullehrer an der Universi­tät Iowa vorstellen könne. Potsdam schaue auch gern über Deutschland hinaus, um bei den Neugründungsprozessen auf viel­fältige Erfahrungen zurückgreifen zu können. Wie Prof. Ash mitteilte, favori­siere seine stark interdisziplinär ausge­richtete Universität zur Zeit den Aus­tausch von Professoren; später wolle man eventuell Studenten einbeziehen. Verein­bart wurde die Aufstellung von fachüber­greifenden Interessenlisten, die Namen sowie Schwerpunkte von Lehre und For­schung enthalten sollen. Auf der Basis dieser Listen und des demnächst zu er­wartenden Strukturkonzeptes der Univer­

sität Potsdam sollen dann weitere Schritte folgen.

Regine Derdack

Nr. 3/92