Heft 
(1.1.2019) 03
Einzelbild herunterladen

Der Autor der nachfolgenden Rezen­sion ist Professor an der Universität­Gesamthochschule-Siegen. Er beschäf­tigte sich schon vor derWende mit fremdsprachenmethodischen Arbeiten aus der ehemaligen DDR und stellte diese auch in seinen Lehrveranstaltun­gen vor.Meine Studenten haben diese theoretisch überzeugenden und in ih­rem konkreten Praxisbezug gerade für Anfänger sehr hilfreichen Anregungen immer sehr gern aufgenommen und in ihren Praktika ausprobiert.

Walter Apelt: Lehren und Lernen frem­der Sprachen. Grundorientierungen und Methoden in historischer Sicht. Berlin: Volk und Wissen, 1991. Kart. 298 S., DM 29,50.

Wer unvoreingenommen die Entwicklung der Fremdsprachendidaktik-West und der Fremdsprachendidaktik-Ost in den Jah­ren vor der Wende vergleicht, stößt auf verblüffende Parallelen. Er entdeckt frei­lich auch, daß letztere die größere Ge­schlossenheit, Detailliertheit und Tiefe aufwies. Als Autor des umfangreichsten und vielseitigsten Opus aus dem Kreise seiner Fachkolleginnen und-kollegen in der ehemaligen DDR konnte der Potsda­mer Fremdsprachenmethodiker Prof. Dr. habil. Walter Apelt das Gesamtbild ent­scheidend mitgestalten. Gerade hat er als krönenden Abschluß seiner akademischen Laufbahn eine Monographie vorgelegt, die die Grundlage seiner fachlichen Sou­veränität offenbart: eine umfassende Sicht der Geschichte unserer Disziplin, für die weder heute noch aus früherer Zeit eine ebenbürtige Entsprechung zu finden wäre. Daß Apelt in den Methoden der Vergan­genheit eine Quelle fachmethodischer Inspiration sieht, während andere nur historischen Plunder zu erkennen glau­ben, hat einen für seinen wissenschaftli­chen Standpunkt charakteristischen Grund: Sein Anfang sieht die fachlichen Gege­benheiten als dialektischeEinheit des Historischen und Logischen. Auch die

BÜCHER

REZENSION

ältesten Zeugnisse des Fremdsprachenun­terrichts verweisen trotz aller Zeitbedingt­heit auf einen konzeptuellen Kern, der für die fachdidaktische Reflexion der Gegen­wart und der Zukunft relevant ist. Diese, die jeweiligen Zeitumstände transzendie­renden Prägungen nennt ApeltGrund­orientierungen, und mit ihnen gewinnt er zugleich einen strukturierenden Ansatz für die Darstellung seines fast unüber­schaubaren Materials. Natürlich spiegeln sich auch in denGrundorientierungen historische Prozesse, und so verwundert es nicht, daß Apelt die Fachgeschichte von den Anfängen des europäischen Fremd­sprachenunterrichts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem Blickwinkel der sich ständig wandelnden Manifesta­tionen von zwei grundsätzlichen Einstel­lungen vorführen kann, dergrammati­sierenden und dernatürlichen Grund­orientierung. Letztere, die von den lebens­praktischen Verwendungsweisen der Sprache ausgeht und auf solche abzielt, tritt verstärkt seit der Renaissance auf und hat in den Reformbewegungen des ausge­henden 19. Jahrhunderts die Vorherrschaft der grammatisierenden Grundorientierung überwunden. Aber auch diese stellt keine willkürliche Setzung dar. Sie hält sich an die früh erkannte Strukturiertheit der Sprache, ohne deren Bewußtmachung nachhaltiger und auf Anwendungsbereit­schaft abzielender Spracherwerb nicht möglich wäre. Apelt führt seinen Lesern also vor Augen, daß in den beiden großen die Geschichte des abendländischen Fremdsprachenunterrichts prägenden Grundorientierungen nichts anderes als die Dialektik seines Gegenstandes selbst erkennbar wird: ergon und energeia, Sprachsystem und kommunikative Pra­xis, Kennen und Können. Von drei wei­teren Grund-orientierungen her derau­diolingualen, deraudiovisuellen und derkommunikativ-integrativen be­schreibt Apelt die fachmethodischen Entwicklungen unseres Jahrhunderts mit

dem Nachweis, daß ihre Wurzeln weit in die Fachgeschichte zurückreichen. Dies ist ein Buch, das nicht nur durch seine Einsichten überzeugt, mehr noch bereitet es ausgesprochenes Lesevergnügen. Mit sicherem Blick für das Charakteristische, das Eingängige und das Selbstdeutige führt Apelt aus seinen Quellentexten knapp gewählte Ausschnitte vor, die dem Leser ein anschauliches Bild der verschiedenen historischen Profilierungen vermitteln. Diese Vignetten erscheinen eingebettet in analysierende Abschnitte, in denen der Autor die Konstellation von Einzelzügen beschreibt, die die Grundorientierung je­weils umschließen und modifizieren, dazu immer wieder Hinweise auf die determi­nierenden geistes- und gesellschaftsge­schichtlichen Umstände. Jedes Kapitel enthält einen umfangreichen Anmerkungs­apparat, in den alles verwiesen ist, was den historisch-logischen Diskurs stören würde zahlreiche Statistiken haben hier ihren Platz. Schlußabschnitte unter der ÜberschriftZusammenfassung und Schlußfolgerungen besorgen jeweils den Brückenschlag zu Gegenwart und Zukunft. Daß dieses facettenreiche Buch mit sei­nen unterschiedlichen Darstellungsebe­nen so lesbar geraten ist, spiegelt nicht zuletzt die souveräne Formulierungskunst Walter Apelts. Westdeutsche Leser wer­den mit Erstaunen bemerken, wie unpre­ziös und präzise hier ein komplexer Ge­genstandsbereich von einem Autor abge­handelt werden konnte, der eine konse­quent entwickelte Fachsprache mit sei­nem persönlichen Denk- und Sprachstil zu verbinden weiß. Der dialektische Grund­charakter des Buches wird sich auch in seiner Wirkung zeigen: Als glänzender Ausklang der Fachmethodik der ehemali­gen DDR ist es mit Sicherheit dazu be­stimmt, noch lange die fremdsprachendi­daktische Diskussion in der neuen Bun­desrepublik zu orientieren.

Prof. Dr. Helmut Jochems(Siegen)

Buchtip

Zum Jahresende 1991 erschien ein neues Pflan­zenbestimmungsbuch für Schüler und interes­sierte Laien:

Pflanzen der Heimat

Bestimmungsbuch für jedermann

Volk und Wissen Verlag GmbH

Berlin 1991

Preis 29,80 DM

Dieser Titel unterscheidet sich von zahlrei­

Nr.3/92

chen Naturführern durch neue Eigenschaften:

Ererlaubt sichere Identifizierung(nicht nur Objekt-Bild-Vergleich).

Die Bestimmungsmerkmale sind allgemein­verständlich und so einfach wie möglich formuliert und

durch ca. 1 200 Detailzeichnungen darge­stellt.

Über 1 000 farbige Fotos erlauben die Kontrolle der Bestimmungsergebnisse.

Familien-Tabellen mit farbigen Zeichnun­

gen fassen übersichtlich die wichtigsten Merkmale zusammen.

Bestimmbar sind alle wildwachsenden Farn­und Samenpflanzen(außer wenigen Selten­heiten) der neuen Bundesländer.

Also ein Buch zur Vorbereitung auf den Früh­

ling für alle Naturfreunde(die es nicht nur

unter den Biologen gibt!) und besonders für die künftigen Biologielehrer alsschülerge­rechtes Bestimmungsbuch.

Prof. Dr. K. Klopfer, Dr. M. Neubauer

5