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(1.1.2019) 03
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BIOGRAPHIEN

Neue Lehrkräfte an der Universität PROF. DR. RER. NAT. DR. PHIL. H. C. DIPLOM-PSYCHOLOGE GUSTAV OTTO KANTER

Geb. 1927; nach dem Krieg Ausbildung als Volks- und Hilfsschullehrer; längere Zeit im Schuldienst tätig; Studium der Psychologie, Physiologie und Pädagogik an der Philipss-Universität in Marburg; Assistent, Promotion mit einer experi­mentalpsychologischen Arbeit zu Proble­men der Lernbehinderten zum Dr. rer. nat.; in Marburg Mitarbeit am Aufbau eines der ersten Institute für Sonderpäda­gogik in der Nachkriegszeit; Professur für Psychologie an der Pädagogischen Hoch­schule Lüneburg; 1970 Berufung auf eine Professur für Pädagogik der Lernbehin­derten und der geistig Behinderten an die Universität Köln; Vorstand des Seminars für Lernbehinderten-, Geistigbehinderten­und Erziehungsschwierigenpädagogik der dortigen Heilpädagogischen Fakultät. Prof. Kanter war in der akademischen Selbst­verwaltung vielfältig.tätig(Institutsdirek­tor, Senator, Dekan, Prorektor, Rektor); er arbeitete in zahlreichen Wissenschafts­gremien(DfG, DAAD) sowie Bildungs­kommissionen(Deutscher Bildungsrat, Stu­dienreformkommission NRW, Curriku­lumkommission) mit und ist Mitglied mehrerer Wissenschaftsgesellschaften und Fachverbände. Zum Ende des Winterse­mesters 1991/92 wird Prof. Kanter in Köln emeritiert.

Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeiten sind empirische Untersuchun­gen zu Behinderungsfragen, zur Systema­

tik der Lernbe­hindertenpäda­gogik, zu bil­dungstheoreti­schen- organisa­torischen und ­politischen Pro­blemen. Die Li­teraturliste zählt über 60 Beiträ­ge; Ende 1991 ist Bd. 12 des Handbuchs der Sonderpädagogik erschie­nen, zu dessen Mitherausgeber Prof. Kanter gehört; derzeit erfolgt die Überarbeitung einschlägiger Aufsätze in der SchriftBe­hinderte Jugendliche vor der Berufswahl (Hrsg. Bundesanstalt für Arbeit, Nürn­berg 1990). Prof. Kanter ist ferner Wis­senschaftlicher Leiter des Projektes Son­derpädagogik an der Fernuniversität Hagen; Entwicklung von Fernstudiengängen zur Sonderpädagogik(Lehramt sowie Fort­und Weiterbildung); 1982 Auszeichnung mit der Ehrendoktorwürde der Fernuni­versität Hagen für seine wissenschaftliche Arbeit und seine Verdienste um das son­derpädagogische Fernstudium. 1988 wurde Prof. Kanter für seine Arbeiten und Leistungen vom Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse geehrt. Als Mitglied einer Expertenkommission der alten BRD kam ich in engere Verbin­dung zur Rehabilitationspädagogik der

DDR und konnte offizielle, aber auch viele inoffizielle Kontakte knüpfen. Ver­ständnis für Land und Leute sind über die Familie meiner Frau, die im Eichsfeld beheimatet ist, in langen Jahren mit guten und weniger guten Erfahrungen gewach­sen. So blieb es nicht aus, daß ich nach der Wende die Entwicklung in der sonderpä­dagogischen Landschaft nicht nur aus der Ferne, sondern in unmittelbarer Anteil­nahme verfolgte und mit Rat und Tat einsprang.

Das Land Brandenburg verfügte bislang über keine universitäre Sonderpädago­genausbildung. Es herrscht aber wie überall in den neuen übrigens auch den alten Bundesländern ein großer Bedarf an Studienplätzen für Sonderpädagogen. Der Bitte, hier übergangsweise Hilfestel­lung zu geben, komme ich nach so Brandenburg dies will und hinreichend unterstützt, zusammen mit KollegInnen aus Ost und West, an der Universität Pots­dam den.Aufbau eines Lehr- und For­schungsbereichs Sonderpädagogik so in die Wege zu leiten, daß dieser bald einen anerkannten und würdigen Platz in der Reihe der sonderpädagogischen Studien­stätten einnehmen kann. Einerster Schritt konnte mit tatkräftiger Hilfe aller zustän­digen Gremien und großer Kraftanstren­gung getan werden, indem der Studienbe­trieb zum Wintersemester 91/92 für ca. 150 Studierende aufgenommen wurde.

PROF. DR. PETER-MICHAEL HAHN

Geb. 1951; Abitur; Stu­dium der Ge­schichte und Erziehungs­wissenschaf­ten sowie spä­ter der Volks­

lin(TU); 1975­1980 Assistent an der Pädagogischen Hoch­schule Berlin, 1977 Promotion; seit 1980 an der Freien Universität Berlin; 1986 Habilitation für Neuere Geschichte und deutsche Landesgeschichte; 1990 apl. Pro­fessor.

Seit der Dissertation Forschungen zur Geschichte Brandenburg-Preußens vom

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späten Mittelalter bis ins frühe 19. Jh.; thematische Schwerpunkte verschiedener Aufsatz- und Buchpublikationen waren die Sozial- und Kulturgeschichte des nied­rigen Adels sowie die Ausbreitung des frühmodernen Staates von seinen mittel­alterlichen Ursprüngen bis zu den preußi­schen Reformen; Prof. Hahns besonderes Interesse galt der Rechtswirklichkeit im Spiegel von Gerichtsakten. Die landesge­schichtliche Ausrichtung seiner For­schungstätigkeit brachte seit 1975 den regelmäßigen Besuch gemeinsam mit Studentengruppen von historischen Stät­ten vornehmlich in Brandenburg, Sach­sen-Anhalt und Sachsen mit sich; hier bestand Gelegenheit zu persönlichen Kontakten und Einblick in die Lebensum­stände der DDR-Bewohner,die man gemeinhin aus den westdeutschen Me­

dien nicht erfuhr.

Prof. Hahn weiter:Deshalb bin ich ohne Zögern einer Bitte aus Potsdam gefolgt, an der Umgestaltung der Geschichtsleh­rerausbildung mitzuwirken. Gerade ein ideologierelevantes Fach wie Geschichte zeigt, daß die in Jahrzehnten entstande­nen Gräben nicht binnen weniger Seme­ster zugeschüttet werden können. Gleich­wohl haben mir die freundschaftliche Unterstützung einiger Kollegen und das lebhafte Interesse der Studenten bewie­sen, daß im Dialog die verschiedenen historischen Erklärungsmuster und Sprach­regelungen auf deutschem Boden einan­der näher gebracht werden können. Wobei mir allerdings im Laufe meiner Tätigkeit klar wurde, daß das Tempo und der Grad der Veränderungen von beiden Seiten sehr unterschiedlich bewertet wurden.

Nr. 3/92