BIOGRAPHIEN
Neue Lehrkräfte an der Universität PROF. DR. RER. NAT. DR. PHIL. H. C. DIPLOM-PSYCHOLOGE GUSTAV OTTO KANTER
Geb. 1927; nach dem Krieg Ausbildung als Volks- und Hilfsschullehrer; längere Zeit im Schuldienst tätig; Studium der Psychologie, Physiologie und Pädagogik an der Philipss-Universität in Marburg; Assistent, Promotion mit einer experimentalpsychologischen Arbeit zu Problemen der Lernbehinderten zum Dr. rer. nat.; in Marburg Mitarbeit am Aufbau eines der ersten Institute für Sonderpädagogik in der Nachkriegszeit; Professur für Psychologie an der Pädagogischen Hochschule Lüneburg; 1970 Berufung auf eine Professur für Pädagogik der Lernbehinderten und der geistig Behinderten an die Universität Köln; Vorstand des Seminars für Lernbehinderten-, Geistigbehindertenund Erziehungsschwierigenpädagogik der dortigen Heilpädagogischen Fakultät. Prof. Kanter war in der akademischen Selbstverwaltung vielfältig.tätig(Institutsdirektor, Senator, Dekan, Prorektor, Rektor); er arbeitete in zahlreichen Wissenschaftsgremien(DfG, DAAD) sowie Bildungskommissionen(Deutscher Bildungsrat, Studienreformkommission NRW, Currikulumkommission) mit und ist Mitglied mehrerer Wissenschaftsgesellschaften und Fachverbände. Zum Ende des Wintersemesters 1991/92 wird Prof. Kanter in Köln emeritiert.
Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeiten sind empirische Untersuchungen zu Behinderungsfragen, zur Systema
tik der Lernbehindertenpädagogik, zu bildungstheoretischen- organisatorischen und politischen Problemen. Die Literaturliste zählt über 60 Beiträge; Ende 1991 ist Bd. 12 des Handbuchs der Sonderpädagogik erschienen, zu dessen Mitherausgeber Prof. Kanter gehört; derzeit erfolgt die Überarbeitung einschlägiger Aufsätze in der Schrift„Behinderte Jugendliche vor der Berufswahl‘‘ (Hrsg. Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg 1990). Prof. Kanter ist ferner Wissenschaftlicher Leiter des Projektes Sonderpädagogik an der Fernuniversität Hagen; Entwicklung von Fernstudiengängen zur Sonderpädagogik(Lehramt sowie Fortund Weiterbildung); 1982 Auszeichnung mit der Ehrendoktorwürde der Fernuniversität Hagen für seine wissenschaftliche Arbeit und seine Verdienste um das sonderpädagogische Fernstudium.— 1988 wurde Prof. Kanter für seine Arbeiten und Leistungen vom Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse geehrt. „Als Mitglied einer Expertenkommission der alten BRD kam ich in engere Verbindung zur Rehabilitationspädagogik der
DDR und konnte offizielle, aber auch viele inoffizielle Kontakte knüpfen. Verständnis für Land und Leute sind über die Familie meiner Frau, die im Eichsfeld beheimatet ist, in langen Jahren mit guten und weniger guten Erfahrungen gewachsen. So blieb es nicht aus, daß ich nach der Wende die Entwicklung in der sonderpädagogischen Landschaft nicht nur aus der Ferne, sondern in unmittelbarer Anteilnahme verfolgte und mit Rat und Tat einsprang.
Das Land Brandenburg verfügte bislang über keine universitäre Sonderpädagogenausbildung. Es herrscht aber wie überall in den neuen— übrigens auch den alten— Bundesländern ein großer Bedarf an Studienplätzen für Sonderpädagogen. Der Bitte, hier übergangsweise Hilfestellung zu geben, komme ich nach— so Brandenburg dies will und hinreichend unterstützt—, zusammen mit KollegInnen aus Ost und West, an der Universität Potsdam den.Aufbau eines Lehr- und Forschungsbereichs Sonderpädagogik so in die Wege zu leiten, daß dieser bald einen anerkannten und würdigen Platz in der Reihe der sonderpädagogischen Studienstätten einnehmen kann. Einerster Schritt konnte mit tatkräftiger Hilfe aller zuständigen Gremien und großer Kraftanstrengung getan werden, indem der Studienbetrieb zum Wintersemester 91/92 für ca. 150 Studierende aufgenommen wurde.“‘‘
PROF. DR. PETER-MICHAEL HAHN
Geb. 1951; Abitur; Studium der Geschichte und Erziehungswissenschaften sowie später der Volks
“ lin(TU); 19751980 Assistent an der Pädagogischen Hochschule Berlin, 1977 Promotion; seit 1980 an der Freien Universität Berlin; 1986 Habilitation für Neuere Geschichte und deutsche Landesgeschichte; 1990 apl. Professor.
Seit der Dissertation Forschungen zur Geschichte Brandenburg-Preußens vom
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späten Mittelalter bis ins frühe 19. Jh.; thematische Schwerpunkte verschiedener Aufsatz- und Buchpublikationen waren die Sozial- und Kulturgeschichte des niedrigen Adels sowie die Ausbreitung des frühmodernen Staates von seinen mittelalterlichen Ursprüngen bis zu den preußischen Reformen; Prof. Hahns besonderes Interesse galt der Rechtswirklichkeit im Spiegel von Gerichtsakten. Die landesgeschichtliche Ausrichtung seiner Forschungstätigkeit brachte seit 1975 den regelmäßigen Besuch— gemeinsam mit Studentengruppen— von historischen Stätten vornehmlich in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen mit sich; hier bestand Gelegenheit zu persönlichen Kontakten und Einblick in die Lebensumstände der DDR-Bewohner,„die man gemeinhin aus den westdeutschen Me
dien nicht erfuhr“‘.
Prof. Hahn weiter:„Deshalb bin ich ohne Zögern einer Bitte aus Potsdam gefolgt, an der Umgestaltung der Geschichtslehrerausbildung mitzuwirken. Gerade ein ideologierelevantes Fach wie Geschichte zeigt, daß die in Jahrzehnten entstandenen Gräben nicht binnen weniger Semester zugeschüttet werden können. Gleichwohl haben mir die freundschaftliche Unterstützung einiger Kollegen und das lebhafte Interesse der Studenten bewiesen, daß im Dialog die verschiedenen historischen Erklärungsmuster und Sprachregelungen auf deutschem Boden einander näher gebracht werden können. Wobei mir allerdings im Laufe meiner Tätigkeit klar wurde, daß das Tempo und der Grad der Veränderungen von beiden Seiten sehr unterschiedlich bewertet wurden.“
Nr. 3/92