Heft 
(1.1.2019) 04
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STANDPUNKTE

Nr. 4/92 Seite 3

Gleichstellungsbeauftragte beim Gründungssenat

Die einjährige Amtszeit der Gleich­stellungsbeauftragten der Univer­sität möchte ich zum Anlaß neh­men, um über Ergebnisse und Probleme der Arbeit zu berichten. Zur gleichen Thematik sprachen die Gileichstellungsbeauftragten auch am 7. Februar im Gründungs­senat. Auch darüber soll hier berichtet werden. Doch vorweg erlaube ich mir einige Gedanken in eigener Sache. Als vor einem Jahr eine Initiativ­gruppe von Mitarbeiterinnen, un­terstützt durch den Rektor, Prof. Mitzner, die Wahl der Gleichstel­lungsbeauftragten auf den Weg brachte, hatte sich in den neuen Bundesländern eine frauenpoliti­sche Neuorientierung vollzogen. Anstelle der bisherigen Gleichbe­rechtigungspolitik waren frauen­politische Forderungen getreten, die tatsächlich etwas zur wirkli­chen Gleichstellung von Frauen und Männern leisteten. Ausdruck dieser Bewegung war die Etablierung von Gleichstel­lungsbeauftragten in den Kommu­nen und Institutionen. An der Universität Potsdam ver­lief dieser Prozeß mit Besonder­heiten, wie sie symptomatisch für einige gesellschaftliche Prozesse in den neuen Bundesländern sind. Wir übernehmen aus den alten Bundesländern die institutionali­sierte Form von Gleichstellungs­politik, die dort ein Ergebnis der sozialen Bewegungen der 60er und 70er Jahre war und greifen damit Erfahrungen der Frauenbewegung auf, ohne uns auf eine qualitativ und quantitativ gleichwertige Be­wegung stützen zu können. Das notwendige Verständnis für Frauenpolitik ist wenig entwik­kelt. Im Bewußtsein hat sich aus­geprägt, daß durch die Gleichbe­rechtigungspolitik Frauen alle Mög­lichkeiten für Chancengleichheit hatten. Ein Blick auf den Anteil von Frauen im Hochschulwesen der DDR 1990 zeigt aber, wie es tatsächlich mit der Gleichstellung bestellt war. Befristete Assistentinnen 37,3% Unbefristete Assistentinnen 40,0%

Oberassistentinnen 17,1%

Dozentinnen 11,8%

Professorinnen 4,8%

(lt. Zentralinstitut für Hochschul­bildung Berlin)

Ausdruck der beschriebenen Symptome an der Universität ist der nach wie vor kleine Kreis von Aktivistinnen, die im Gleichstel­lungsrat mitarbeiten oder in der für mich noch nicht immer zufrie­denstellenden Resonanz auf das Sonntags-Frauen-Vorlesungsange­bot. Gerade mit diesen Vorlesun­gen sollte u. a. versucht werden, frauenpolitisch relevantes Wissen an die Frau und den Mann zu brin­gen.

Zum anderen wollten die Initiato­rinnen einen Beitrag zur Zustands­analyse der sozialen, politischen, moralischen und psychischen Be­findlichkeit leisten und dies aus­drücklich mit demweiblichen Blick" bewußt als Pendant zu sonst männlich dominierten Gremien und Veranstaltungen der Universität. Die Vorlesungsreihe im Sommer­semester stellt ein interessantes Angebot dar, das weit überFrau­enthemen" hinausgeht und es wert sein sollte, ZuhörerInnen zu fin­den.

Ich möchte hier auch die Gelegen­heit nutzen, besonders die Mitar­beiterinnen der nichtwissenschaft­lichen Bereiche anzusprechen, da sie bisher unzureichend im Gleich­stellungsrat vertreten sind. Gera­de aber im Umstrukturierungspro­zeß sollten die weiblichen Beschäf­tigten bewußt in einer Interessen­vertretung mitarbeiten.

Der Gleichstellungsrat beabsich­tigt, im Sommersemester eine Frauenversammlung einzuberufen, um über Inhalte eines Frauenför­derplanes an der Universität zu informieren und zu diskutieren. Als bisher wichtigstes Ergebnis unserer Arbeit betrachten wir die Befürwortung unseres Antrags auf die Einrichtung eines Lehrstuhls für Frauenforschung an der Uni­versität Potsdam. Damit realisiert sich unsere Vorstellung, daß Frau­enpolitik an der Universität nur wissenschaftsbegleitend wirklich effizient ist.

Nach dem gegenwärtigen Stand

* in der Potsdam-Information

Kartenvorverkauf * im Foyer des Kabaretts Di.bis Sa. von 17.00-19.30

ist vorgesehen, diese Professur im Fachbereich Geschichte zu eta­blieren. Über die weitere Entwick­lung werden wir demnächst in der Universitätszeitung berichten.

Vorrangige Aufgabe und Forde­rung des Gileichstellungsrates während der Umstrukturierung der Universität ist der Erhalt des pro­zentualen Frauenanteils in allen Statusgruppen. Diese Forderung wurde auch durch die Gleichstel­lungsbeauftragten beim| Grün­dungssenat vertreten und fand all­gemeine Zustimmung der Senato­rinnen und Senatoren. Frau Dr. Kramme regte an, bei der anste­henden Umstrukturierung über eine

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Kabaretts(Büro)

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oder 2 17 38

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strukturierung. Dieser Katalog wird veröffentlicht. Das Gespräch im Gründungssenat hatte nicht nur frauenspezifische Fragen zum Gegenstand. Auch andere aktuel­le Probleme wurden berührt. So beispielsweise konnte auf ein Ergebnis der Befragung der Gleich­stellungsbeauftragten unter den weiblichen Beschäftigten verwie­sen werden, in dem deutlich wur­de, daß die MitarbeiterInnen die nichtvorhandene Transparenz des Gründungssenates kritisieren. Betroffen über dieses harte Urteil unterstrichen die Senatorinnen/ Senatoren, daß es auch in ihrem Interesse liege, ihre Entscheidungs­

Die Gleichstellungsbeauftragten Frau Dr. Zapf(I.) und Frau

Stein(r.).

Quotierung entsprechend des jet­zigen Beschäftigungsverhältnisses von Frauen und Männern nachzu­denken.

Um aber solchen unverbindlichen Absichtserklärungen entgegenzu­wirken und in den anstehenden Prozessen aktiv im Sinne der weiblichen Beschäftigten zu wir­ken, arbeitet der Gleichstellungs­rat gegenwärtig. an einem Maß­nahmekatalog zur Frauenförderung besonders in der Phase der Um­

Foto: Rüffert

findungen durchsichtig zu machen. In diesem Zusammenhang bemer­kenswert das Angebot Prof. Mit­zners, nach den Beratungen des Gründungssenates eine öffentli­che Fragestunde einzurichten. Sollte dies eine neue Qualität bei der Wahrnehmung von demokra­tischer Mitwirkung in der Um­strukturierung sein?

Monika Stein Gleichstellungsbeauftragte