STANDPUNKTE
Nr. 4/92— Seite 3
Gleichstellungsbeauftragte beim Gründungssenat
Die einjährige Amtszeit der Gleichstellungsbeauftragten der Universität möchte ich zum Anlaß nehmen, um über Ergebnisse und Probleme der Arbeit zu berichten. Zur gleichen Thematik sprachen die Gileichstellungsbeauftragten auch am 7. Februar im Gründungssenat. Auch darüber soll hier berichtet werden. Doch vorweg erlaube ich mir einige Gedanken in eigener Sache. Als vor einem Jahr eine Initiativgruppe von Mitarbeiterinnen, unterstützt durch den Rektor, Prof. Mitzner, die Wahl der Gleichstellungsbeauftragten auf den Weg brachte, hatte sich in den neuen Bundesländern eine frauenpolitische Neuorientierung vollzogen. Anstelle der bisherigen Gleichberechtigungspolitik waren frauenpolitische Forderungen getreten, die tatsächlich etwas zur wirklichen Gleichstellung von Frauen und Männern leisteten. Ausdruck dieser Bewegung war die Etablierung von Gleichstellungsbeauftragten in den Kommunen und Institutionen. An der Universität Potsdam verlief dieser Prozeß mit Besonderheiten, wie sie symptomatisch für einige gesellschaftliche Prozesse in den neuen Bundesländern sind. Wir übernehmen aus den alten Bundesländern die institutionalisierte Form von Gleichstellungspolitik, die dort ein Ergebnis der sozialen Bewegungen der 60er und 70er Jahre war und greifen damit Erfahrungen der Frauenbewegung auf, ohne uns auf eine qualitativ und quantitativ gleichwertige Bewegung stützen zu können. Das notwendige Verständnis für Frauenpolitik ist wenig entwikkelt. Im Bewußtsein hat sich ausgeprägt, daß durch die Gleichberechtigungspolitik Frauen alle Möglichkeiten für Chancengleichheit hatten. Ein Blick auf den Anteil von Frauen im Hochschulwesen der DDR 1990 zeigt aber, wie es tatsächlich mit der Gleichstellung bestellt war. — Befristete Assistentinnen 37,3% — Unbefristete Assistentinnen 40,0%
— Oberassistentinnen 17,1%
— Dozentinnen 11,8%
— Professorinnen 4,8%
(lt. Zentralinstitut für Hochschulbildung Berlin)
Ausdruck der beschriebenen Symptome an der Universität ist der nach wie vor kleine Kreis von Aktivistinnen, die im Gleichstellungsrat mitarbeiten oder in der für mich noch nicht immer zufriedenstellenden Resonanz auf das Sonntags-Frauen-Vorlesungsangebot. Gerade mit diesen Vorlesungen sollte u. a. versucht werden, frauenpolitisch relevantes Wissen an die Frau und den Mann zu bringen.
Zum anderen wollten die Initiatorinnen einen Beitrag zur Zustandsanalyse der sozialen, politischen, moralischen und psychischen Befindlichkeit leisten und dies ausdrücklich mit dem„weiblichen Blick" bewußt als Pendant zu sonst männlich dominierten Gremien und Veranstaltungen der Universität. Die Vorlesungsreihe im Sommersemester stellt ein interessantes Angebot dar, das weit über„Frauenthemen" hinausgeht und es wert sein sollte, ZuhörerInnen zu finden.
Ich möchte hier auch die Gelegenheit nutzen, besonders die Mitarbeiterinnen der nichtwissenschaftlichen Bereiche anzusprechen, da sie bisher unzureichend im Gleichstellungsrat vertreten sind. Gerade aber im Umstrukturierungsprozeß sollten die weiblichen Beschäftigten bewußt in einer Interessenvertretung mitarbeiten.
Der Gleichstellungsrat beabsichtigt, im Sommersemester eine Frauenversammlung einzuberufen, um über Inhalte eines Frauenförderplanes an der Universität zu informieren und zu diskutieren. Als bisher wichtigstes Ergebnis unserer Arbeit betrachten wir die Befürwortung unseres Antrags auf die Einrichtung eines Lehrstuhls für Frauenforschung an der Universität Potsdam. Damit realisiert sich unsere Vorstellung, daß Frauenpolitik an der Universität nur wissenschaftsbegleitend wirklich effizient ist.
Nach dem gegenwärtigen Stand
* in der Potsdam-Information
Kartenvorverkauf * im Foyer des Kabaretts Di.bis Sa. von 17.00-19.30
ist vorgesehen, diese Professur im Fachbereich Geschichte zu etablieren. Über die weitere Entwicklung werden wir demnächst in der Universitätszeitung berichten.
Vorrangige Aufgabe und Forderung des Gileichstellungsrates während der Umstrukturierung der Universität ist der Erhalt des prozentualen Frauenanteils in allen Statusgruppen. Diese Forderung wurde auch durch die Gleichstellungsbeauftragten beim| Gründungssenat vertreten und fand allgemeine Zustimmung der Senatorinnen und Senatoren. Frau Dr. Kramme regte an, bei der anstehenden Umstrukturierung über eine
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Friedrich-Ebert-Straße: täglich von 9.00- 18.00 Uhr 3 Tel.: 2 11 00 N im Hof des
Kabaretts(Büro)
Mo. bis Fr. 8.00- 16.00 Uhr Tel.:(0 37 33) 2:10.69
oder 2 17 38
Tel.: Geschäftsführung 2 17 38
strukturierung. Dieser Katalog wird veröffentlicht. Das Gespräch im Gründungssenat hatte nicht nur frauenspezifische Fragen zum Gegenstand. Auch andere aktuelle Probleme wurden berührt. So beispielsweise konnte auf ein Ergebnis der Befragung der Gleichstellungsbeauftragten unter den weiblichen Beschäftigten verwiesen werden, in dem deutlich wurde, daß die MitarbeiterInnen die nichtvorhandene Transparenz des Gründungssenates kritisieren. Betroffen über dieses harte Urteil unterstrichen die Senatorinnen/ Senatoren, daß es auch in ihrem Interesse liege, ihre Entscheidungs
Die Gleichstellungsbeauftragten Frau Dr. Zapf(I.) und Frau
Stein(r.).
Quotierung entsprechend des jetzigen Beschäftigungsverhältnisses von Frauen und Männern nachzudenken.
Um aber solchen unverbindlichen Absichtserklärungen entgegenzuwirken und in den anstehenden Prozessen aktiv im Sinne der weiblichen Beschäftigten zu wirken, arbeitet der Gleichstellungsrat gegenwärtig. an einem Maßnahmekatalog zur Frauenförderung besonders in der Phase der Um
Foto: Rüffert
findungen durchsichtig zu machen. In diesem Zusammenhang bemerkenswert das Angebot Prof. Mitzners, nach den Beratungen des Gründungssenates eine öffentliche Fragestunde einzurichten. Sollte dies eine neue Qualität bei der Wahrnehmung von demokratischer Mitwirkung in der Umstrukturierung sein?
Monika Stein Gleichstellungsbeauftragte