Heft 
(1.1.2019) 04
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Nr. 4/92 Seite 4

FORSCHUNG

Lexikon entsteht mit Potsdamer Beteiligung

Die Redaktion nahm die Gele­genheit wahr, mit Herrn Prof. Knut Kiesant(FB Germanistik) über dessen Beteiligung an der Entstehung eines neuen litera­turwissenschaftlichen Lexikons ins Gespräch zu kommen. Der Potsdamer Wissenschaftler, dessen Spezialgebiet die Litera­tur des Barock-Zeitalters ist, erläuterte uns gern Einzelhei­ten dazu.

PUZ: Im November vorigen Jahres wurde in Berlin ein interna­tional besetztes Experten-Kollo­quium zum LexikonDie deut­sche Literatur durchgeführt. Die Freie Universität und die Thys­sen-Stiftung waren Träger der Ver­anstaltung. Welchem Anliegen diente dieses Experten-Treffen? K. Kiesant: Es ging dabei um die Weiterführung des gesamten Pro­jektes Lexikon ‚Die deutsche Literatur, ein biographisches und bibliographisches Lexikon in sechs Reihen. Als Herausgeber des Werkes fungiert Hans-Gert Ro­loff(FU Berlin).

In den Debatten ging es vor allem um Probleme der Artikelstruktur, der Kooperation, des Zeitplanes, der Kosten und der eventuellen Einrichtung einer Datenbank. PUZ: Würden Sie bitte unseren Lesern das Lexikon näher vorstel­len? Welche Spezifika weist es auf?

K. Kiesant: Das Nachschlagewerk ist so angelegt, daß sich eine chro­nologische Aufteilung der gesam­ten deutschen Literatur in sechs Reihen ergibt. Das sieht im ein­zelnen wie folgt aus:

ReiheI Die dt. Literatur von den Anfängen bis 1450

Reihe IT Die dt. Lit. zwischen 1450-1620

Reihe III Die dt. Lit. zwischen 1620-1720 Die dt. Lit. zwischen 1720-1830 Die dt. Lit. zwischen 1830-1890 Die dt. Lit. zwischen 1890-1990

Reihe IV Reihe V

Reihe VI

Die jeweiligen Reihen wiederum sind in die Abteilungen A=Auto­renlexikon und B=Forschungs­literatur aufgeteilt. Hier wird also das traditionelle Lexikon mit der bibliographischen Darstellung von Forschungsliteratur kombiniert. Die Artikel beinhalten sowohl Biogra­phisches, die Aufzählung der ver­öffentlichten Werke(mit Standor­tangaben!), deren Beschreibung und literaturhistorische Einordnung als auch das Verzeichnis dazuge­höriger Forschungsliteratur. Unser Ziel ist.es, die. gesamte deutsche Literaturgeschichte in sinnvoller Vollständigkeit zu do­kumentieren.

Dabei wird ein breiter Literatur­begriff zugrundegelegt. Das heißt, es erfolgt keine ausschließliche Konzentration auf bestimmte lite­rarische Höhepunkte, sondern den Literaturbegriff der jeweiligen Zeit berücksichtigend, werden auch als Autoren wirkende Mediziner, Botaniker, Philosophen usw. ihre Erwähnung finden.

PUZ: Welche Beziehungen gibt es, realisiert durch die Arbeit am Lexikon, zwischen der FU Berlin und der Potsdamer Universität? K. Kiesant: Gleich nach 1989 lag das Angebot Prof. Roloffs zu meiner Mitarbeit an der Reihe 3 vor. Durch diesen Kontakt wurde es dann möglich, auch andere KollegIn­nen des Fachbereiches(mit ande­ren Spezialgebieten) in die Arbeit einzubinden. Ich habe die Hoff­nung, daß im Zuge der Neukon­zeption der Universität eine wei­

tere Förderung des Projekts durch Sach- und Personalmittel erfolgen könnte. Mit unserem Vorhaben sind wir räumlich schon in Berlin/ Bran­denburg verankert, die Koopera­tion von Wissenschaftlern, For­schungseinrichtungen, Museen usw. geschieht jedoch auf breiter internationaler Ebene.

PUZ: Das Angebot zur Mitar­beit stieß bei Ihnen sicherlich von Anfang an auf großes Interesse? K. Kiesant: Natürlich, die Teil­nahme an einer so umfangreichen internationalen Forschungsaufga­be ist sehr attraktiv. Gerade die Konzentration auf die Jahre zwi­schen 1620-1720 erfordert die Auf­arbeitung eines nicht nur in der da­maligen DDR vernachlässigten Zeitraumes. Hier gilt es, große For­schungslücken auch international zu schließen.

PUZ: Welche Vorstellungen gibt es hinsichtlich zeitlicher Abfol­gen der Veröffentlichung?

K. Kiesant: Die Forschungsar­beit verläuft kontinuierlich. Das

wird auch durch die entsprechen- ­

den Publikationen dokumentiert. Im Peter Lang Verlag sind bisher 3000 Seiten erschienen; das be­trifft vor allem die Reihen zwei und sechs. Im Moment werden Möglichkeiten der Einbeziehung von EDV erwogen und durch eine Experten-Kommission beraten. Dies hätte natürlich den Vorteil der Einarbeitung aktuellster Er­kenntnisse und kritischer Hinwei­Se;

Insgesamt werden wohl 10-15 Jahre vergehen, bis die wesent­lichsten Teile des Lexikons publi­ziert sind.

PUZ: Abschließend muß die nicht unwesentliche Frage nach der finanziellen Absicherung der Le­xikon-Arbeit kommen. Wie sieht es aus?

K. Kiesant: Für jede Reihe soll es

entsprechende Herausgebergrup­pen und Redaktionen geben. Dies setzt eine entsprechende materiel­le und personelle Ausstattung voraus. Mit der vorhandenen An­schubfinanzierung konnte die Arbeit in diesem Sinne begonnen werden.

Nun sind jedoch derartige Dimen­sionen erreicht, daß die Freie Uni­versität allein nicht alle Voraus­setzungen, eben auch finanzieller Art, erbringen kann. Jetzt müssen Entscheidungen fallen. Wir benö­tigen dringend Sponsoren, viel­leicht auch ein auf diese Gemein­schaftsarbeit zugeschnittenes Stif­tungsmodell, um unser Vorhaben in der gewünschten Weise und in angemessener Zeit realisieren zu können.

Herzlichen Dank für das Ge­spräch und für die Zukunft viel Erfolg bei der Verwirklichung des Projektes.

Für die PUZ fragte P. Görlich.

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