Nr. 4/92— Seite 4
FORSCHUNG
Lexikon entsteht mit Potsdamer Beteiligung
Die Redaktion nahm die Gelegenheit wahr, mit Herrn Prof. Knut Kiesant(FB Germanistik) über dessen Beteiligung an der Entstehung eines neuen literaturwissenschaftlichen Lexikons ins Gespräch zu kommen. Der Potsdamer Wissenschaftler, dessen Spezialgebiet die Literatur des Barock-Zeitalters ist, erläuterte uns gern Einzelheiten dazu.
PUZ: Im November vorigen Jahres wurde in Berlin ein international besetztes Experten-Kolloquium zum Lexikon„Die deutsche Literatur‘ durchgeführt. Die Freie Universität und die Thyssen-Stiftung waren Träger der Veranstaltung. Welchem Anliegen diente dieses Experten-Treffen? K. Kiesant: Es ging dabei um die Weiterführung des gesamten Projektes Lexikon ‚Die deutsche Literatur“, ein biographisches und bibliographisches Lexikon in sechs Reihen. Als Herausgeber des Werkes fungiert Hans-Gert Roloff(FU Berlin).
In den Debatten ging es vor allem um Probleme der Artikelstruktur, der Kooperation, des Zeitplanes, der Kosten und der eventuellen Einrichtung einer Datenbank. PUZ: Würden Sie bitte unseren Lesern das Lexikon näher vorstellen? Welche Spezifika weist es auf?
K. Kiesant: Das Nachschlagewerk ist so angelegt, daß sich eine chronologische Aufteilung der gesamten deutschen Literatur in sechs Reihen ergibt. Das sieht im einzelnen wie folgt aus:
ReiheI Die dt. Literatur von den Anfängen bis 1450
Reihe IT Die dt. Lit. zwischen 1450-1620
Reihe III Die dt. Lit. zwischen 1620-1720 Die dt. Lit. zwischen 1720-1830 Die dt. Lit. zwischen 1830-1890 Die dt. Lit. zwischen 1890-1990
Reihe IV Reihe V
Reihe VI
Die jeweiligen Reihen wiederum sind in die Abteilungen A=Autorenlexikon und B=Forschungsliteratur aufgeteilt. Hier wird also das traditionelle Lexikon mit der bibliographischen Darstellung von Forschungsliteratur kombiniert. Die Artikel beinhalten sowohl Biographisches, die Aufzählung der veröffentlichten Werke(mit Standortangaben!), deren Beschreibung und literaturhistorische Einordnung als auch das Verzeichnis dazugehöriger Forschungsliteratur. Unser Ziel ist.es, die. gesamte deutsche Literaturgeschichte in sinnvoller Vollständigkeit zu dokumentieren.
Dabei wird ein breiter Literaturbegriff zugrundegelegt. Das heißt, es erfolgt keine ausschließliche Konzentration auf bestimmte literarische Höhepunkte, sondern den Literaturbegriff der jeweiligen Zeit berücksichtigend, werden auch als Autoren wirkende Mediziner, Botaniker, Philosophen usw. ihre Erwähnung finden.
PUZ: Welche Beziehungen gibt es, realisiert durch die Arbeit am Lexikon, zwischen der FU Berlin und der Potsdamer Universität? K. Kiesant: Gleich nach 1989 lag das Angebot Prof. Roloffs zu meiner Mitarbeit an der Reihe 3 vor. Durch diesen Kontakt wurde es dann möglich, auch andere KollegInnen des Fachbereiches(mit anderen Spezialgebieten) in die Arbeit einzubinden. Ich habe die Hoffnung, daß im Zuge der Neukonzeption der Universität eine wei
tere Förderung des Projekts durch Sach- und Personalmittel erfolgen könnte. Mit unserem Vorhaben sind wir räumlich schon in Berlin/ Brandenburg verankert, die Kooperation von Wissenschaftlern, Forschungseinrichtungen, Museen usw. geschieht jedoch auf breiter internationaler Ebene.
PUZ: Das Angebot zur Mitarbeit stieß bei Ihnen sicherlich von Anfang an auf großes Interesse? K. Kiesant: Natürlich, die Teilnahme an einer so umfangreichen internationalen Forschungsaufgabe ist sehr attraktiv. Gerade die Konzentration auf die Jahre zwischen 1620-1720 erfordert die Aufarbeitung eines nicht nur in der damaligen DDR vernachlässigten Zeitraumes. Hier gilt es, große Forschungslücken auch international zu schließen.
PUZ: Welche Vorstellungen gibt es hinsichtlich zeitlicher Abfolgen der Veröffentlichung?
K. Kiesant: Die Forschungsarbeit verläuft kontinuierlich. Das
wird auch durch die entsprechen-
den Publikationen dokumentiert. Im Peter Lang Verlag sind bisher 3000 Seiten erschienen; das betrifft vor allem die Reihen zwei und sechs. Im Moment werden Möglichkeiten der Einbeziehung von EDV erwogen und durch eine Experten-Kommission beraten. Dies hätte natürlich den Vorteil der Einarbeitung aktuellster Erkenntnisse und kritischer HinweiSe;
Insgesamt werden wohl 10-15 Jahre vergehen, bis die wesentlichsten Teile des Lexikons publiziert sind.
PUZ: Abschließend muß die nicht unwesentliche Frage nach der finanziellen Absicherung der Lexikon-Arbeit kommen. Wie sieht es aus?
K. Kiesant: Für jede Reihe soll es
entsprechende Herausgebergruppen und Redaktionen geben. Dies setzt eine entsprechende materielle und personelle Ausstattung voraus. Mit der vorhandenen Anschubfinanzierung konnte die Arbeit in diesem Sinne begonnen werden.
Nun sind jedoch derartige Dimensionen erreicht, daß die Freie Universität allein nicht alle Voraussetzungen, eben auch finanzieller Art, erbringen kann. Jetzt müssen Entscheidungen fallen. Wir benötigen dringend Sponsoren, vielleicht auch ein auf diese Gemeinschaftsarbeit zugeschnittenes Stiftungsmodell, um unser Vorhaben in der gewünschten Weise und in angemessener Zeit realisieren zu können.
Herzlichen Dank für das Gespräch und für die Zukunft viel Erfolg bei der Verwirklichung des Projektes.
Für die PUZ fragte P. Görlich.
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Im Haus der Wannsee-Konferenz wurde aus Anlaß des 50. Jahrestages dieses unheilvollen Treffens führender NS-Größen eine Gedenkund Bildungsstätte eröffnet. Die ständige Ausstellung ist unter die Thematik„Die Wannsee-Konfe
renz und der Völkermord an den europäischen Juden" gestellt und dokumentiert die Konferenz, ihre Vorgeschichte und Folgen sowie die Geschichte des Hauses. Es wird eine Grundinformation über den gesamten Prozess der Ausgren
zung, Verfolgung und Ermordung der Juden Europas vermittelt. Zu finden ist die Gedenkstätte in 1000 Berlin 39, Am Großen Wannsee 56-58. Öffnungszeiten der Ausstellung sind: Mo-Fr 10.00-18.00 Uhr und So 14.00-18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Führungen sind nach Vereinbarung möglich. Nutzen Sie am besten die Verkehrs
verbindung S1 und S3 bis S-Bahnhof Wannsee, dann den Bus 114 bis Löwendenkmal.