WISSENSCHAFT
Nr. 4/92— Seite 5
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Hochschulbibliotheken im Land Brandenburg werden zügig aufgebaut
Vergangene Woche hat die vom Wissenschaftsminister Hinrich Enderlein berufene Expertengruppe, der auch der Direktor der Universitätsbibliothek Potsdam, Herr Sigurd Praetorius angehört, ihre Empfehlungen zu den Brandenburgischen Hochschulbibliotheken
vorgelegt: Ein Konzept für gut sortierte Hochschulbibliotheken modernen Standards, die den drei Universitäten, der Hochschule für Film- und Fernsehen und den fünf Fachhochschulen im Land gerecht werden wollen.
Alle Hochschulbibliotheken sol
len nun zügig aufgebaut werden. Und an allen Hochschulstandorten sind Bibliotheksneubauten geplant. Dazu sieht ein von Bund und Ländern für zwölf Jahre gefördertes Programm eine umfassende Grundausstattung der Bibliotheken mit Buch- und Zeitschriftenbeständen vor. Mit der Ausstattung moderner EDV-Techniken für Bibliothekare bis hin zu EDV-Arbeitsplätzen für Studenten und Hochschullehrer hat man bereits begonnen, so daß die Brandenburger Bibliotheken bald das Niveau der Hochschulbibliotheken in den alten Bundesländern erreichen werden. In diesen Bereich gehört auch der Anschluß an wichtige Datenbanken, der schnell realisiert werden soll. Mit der Höhe der Einzelansätze für die Hochschulbibliotheken— allein für die
Universitätsbibliothek Potsdam ein Erwerbungsetat von rund 4,5 Mio Mark in 1992— will Minister Enderlein alle Hochschulen, insbesondere aber die Universitätsstandorte, zügig zu attraktiven Forschungsstätten ausbauen.
Das Gutachten, das im Rahmen der Länderpartnerschaft zwischen Nordrhein-Westfalen und Brandenburg mit Beteiligung der Leitenden Bibliotheksdirektoren der Hochschulen erstellt wurde, ist bislang einzigartig für die neuen Bundesländer. Der Wissenschaftsrat empfahl auf seiner letzten Sitzung im Januar dieses Jahres die Entwicklung solcher Konzeptionen für alle neuen Bundesländer. Pressemitteilung des MWFK vom 10. 02. 1992
POTSDAM ALS EIN HISTORISCHER ORT
Ein Kurzbericht von Eduard Gloeckner
Vom 17. Juli bis 2. August 1945 fand eine Konferenz der drei Kriegsalliierten über Hitler-Deutschland statt. Der ursprünglich vorgesehene Ort, die Hauptstadt Berlin, lag größtenteils in Schutt und Asche, so daß sich die Staatsführer der Siegernation für Potsdam entschieden. Der letzte Schloßbau der Hohenzollern, das Schloß Cecilienhof, wurde zwar nicht zum Domizil, aber zur historischen Tagungsstätte der Sieger auserkoren. Seither gilt es als historische Gedenkstätte.
Am 19. Februar 1992 wurde im kb Rahmen einer Neugestaltung al-| ler Gedenkstätten in den neuen W
Bundesländern von der Generaldirektion der Stiftung Schlösser und Gärten die Bildung eines wissenschaftlichen Beirates bekannt
gegeben, der bei der Umgestal-|
tung der Gedenkstätte des Potsda
Prof. Dr. Alexander Fischer(Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn), an. Weitere deutsche, vor allem auch an der Universität Potsdam tätige Fachwissenschaftler auf dem Gebiet von Politik und Zeitgeschichte werden in Zukunft sicher ebenso mitwirken, wie Vorgesprä
zentrum fungieren, wobei ich neben der Koordinierung der Tätigkeit des Beirates eine Projektgruppe betreuen werde, die die Empfehlungen. in..die Praxis... vor..,Ort (Ausgestaltung der Gedenkstätte durch Dokumentation und Führungskonzeption) umzusetzen hat.
mer Abkommens, Schloß Ceci- KW
lienhof, mit wissenschaftlich begründetem Rat in den nächsten Jahren zur Verfügung steht. Dem Beirat gehören bislang der Zeithistoriker und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Arnulf Baring(Freie Universität Berlin) und der Osteuropa-Historiker und Verfasser einer wissenschaftlichen Dokumentation über das Potsdamer Abkommen,
che vermuten lassen. Dabei ist an internationale Profilierung zu denken, was die Einbeziehung russischer, amerikanischer und englischer Historiker und Politikwissenschaftler bedeutet.
Die Universität Potsdam wird darüber hinaus als Koordinations
Foto: Archiv
Des weiteren steht„Potstausend“‘, das tausendjährige Stadtjubiläum Potsdams, bevor. Im Hinblick auf die facettenreiche Geschichte dieser Stadt wird ein internationales Symposium vorzubereiten sein, das natürlich auch das Potsdamer Abkommen zum Thema haben
wird. Das Jahr 1995 wird schließlich erneut an das Potsdamer Abkommen auf jener Konferenz der Siegermächte des 2. Weltkrieges erinnern. Zu diesem Datum der 50. Wiederkehr jener„Berliner Konferenz‘ wird eine international besetzte Konferenz in den Cecilienhof nach Potsdam einberufen, welche nicht nur Verlauf und Hintergründe des Abkommens, sondern auch die Folgewirkungen in der Nachkriegszeit zusammenfassend werten und die mögliche Entwicklung der neuentstehenden Staatenwelt nach dem Zusammenbruch des sowjetkommunistischen Hegemonialsystems aufzuzeigen oder bereits zu analysieren haben wird. Natürlich wird es ein Anliegen sein, auch andere Träger dieser Vorhaben und Veranstaltungen zu finden, wobei bereits bei der Bundes- wie bei der Landesregierung großes Interesse und die Bereitschaft zur Kooperation und
4 zur finanziellen Unterstützung ge
weckt werden konnte. Schließlich aber geht es nicht allein um die Stadt Potsdam, sondern um viele Schritte zur Aufarbeitung der deutschen und europäischen Nachkriegsgeschichte, wozu die Universität Potsdam sicher einen Beitrag leisten wird.
(Der Autor arbeitet an der Forschungsstelle für Politik und Zeitgeschichte Mittel- und Osteuropas.)