Nr. 5/92— Seite 6
FORSCHUNG
Große Chancen für die Universität
Arbeitsgruppen der Max-Planck-Gesellschaft
Vier Arbeitsgruppen der MaxPlanck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. sind seit dem 1. Januar 1992 bei der Universität Potsdam tätig. Es handelt sich um:
— AG„Ostelbische Gutsherrschaft als sozialgeschichtliches
Phänomen‘‘
— AG„Fehlertolerantes Rechnen‘‘
— AG„Partielle Differentialgleichungen und komplexe Analysis‘‘
— AG„Nichtlineare Dynamik‘‘. Diese Arbeitsgruppen werden
Vorgestellt: Arbeitsgruppe„Ostelbische Gutsherrschaft als sozialgeschichtliches Phänomen‘‘
Die zu dieser Thematik forschende Arbeitsgruppe der Max-PlanckGesellschaft wurde im Januar 1992 neu gegründet und an der Universität Potsdam angesiedelt. Sie ist eine von insgesamt 25 Gruppen, die auf Grund von Vorschlägen einzelner Max-Planck-Institute ins Leben gerufen werden. Deren Existenz ist auf fünf Jahre befristet. Geleitet wird das Team von dem renommierten Berliner Historiker Prof. Jan Peters. Zehn wissenschaftliche Kräfte, eingeschlossen sind hier die Doktoranden, bilden den Stamm der Mitarbeiter. Dazu kommen noch einige technische Kräfte. Einen intensiven Kontakt gibt es zum Göttinger Max-Planck-Institut für Geschichte, das die Betreuung der Arbeitsgruppe übernommen hat.
Eine Gruppe gerade mit dieser Forschungsaufgabe zu betrauen, hat seine Ursachen, so Prof. Peters, in bestimmten forschungspolitischen Erfahrungen. Zum einen geriet man in der ehemaligen DDR, trotz unbestrittener Erfolge in der Agrargeschichtsforschung, an gewissen Punkten in eine Stagnation. So gab es eine Konzentration auf ökonomische, sozialstrukturelle und vor allem politische Erscheinungen der Gutsherrschaft, die den Blick einengten und die Sicht auf moderne Fragestellungen verstellten, etwa auf Lebensweise, Verhaltens- und Anpassungsmuster sowie andere alltagsund mentalitätshistorische Aspekte. Der so notwendige moderne sozialgeschichtliche Gesichtspunkt galt als„subjektivistisch‘* oder „modernistisch‘‘.
Zum anderen aber existierten be
reits seit langem gegenseitige fachliche Verbindungen. Seit den 70er Jahren gab es nie abreißende Kontakte zwischen dem Institut für Wirtschaftsgeschichte an der ehemaligen AdW der DDR und dem Max-Planck-Institut für Geschichte. Der Boden für eine gemeinsame, erfolgreiche Forschung war gut vorbereitet. So hatte Prof. Peters wiederholt selbst in Göttingen gearbeitet, und umgekehrt waren Göttinger Wissenschaftler zu Gast an der Berliner Einrichtung.
Der Forschungsansatz der Arbeitsgruppe ist historisch-anthropologisch ausgerichtet. Das Leben der Menschen selbst, sich aus der Realität ergebende Wahrnehmungs- und Erfahrungsformen stehen im Zentrum des Interesses. Um hierzu aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, sollen Methoden der Anthropologie, der Psychologie und der Ethnologie zur Anwendung kommen.
Am Ende des Forschungsprogramms soll ein neues Wissen über die Funktionsfähigkeit des gutsherrschaftlichen Systems in Ostelbien als soziales, weniger als ökonomisches und politisches System stehen. Auf Fragen nach der historischen Wirkungsmächtigkeit, nach der mentalen Prägekraft für die Entwicklung im ostelbischen Raum im 19. und 20. Jahrhundert wird es dann vielleicht neue Antworten geben.
Herr Prof. Peters beabsichtigt, zwei kleinere, auf angrenzenden Gebieten selbständig arbeitende Projektgruppen in seine Arbeit einzubinden. Dies hat zur Folge, daß sowohl aus Selbstzeugnissen von
von der Max-Planck-Gesellschaft für fünf Jahre finanziert. Sie haben einen eigenen Stellenplan und Haushalt. An der Universität wurden ihnen Räume zur Verfügung gestellt. Nach dem genannten Zeitraum gehen die materiellen Werte
Bauern abgesicherte Erkenntnisse als auch sozialanthropologische Untersuchungen zur Geschichte der Landwirtschaft der ehemali
wie Computer oder Bücher in das Eigentum der Universität über.
In den nächsten Ausgaben der PUZ werden wir die angeführten Gruppen näher vorstellen. (Die Reihenfolge ist keine Rangfolge.)
gen DDR in den Forschungsprozeß miteinfließen werden.
P. Görlich
Vorgestellt: Arbeitsgruppe„Partielle Differentialgleichungen und komplexe Analysis‘‘
Im November 1991 traf der Senat der Max-Planck-Gesellschaft die Entscheidung, die AG„Partielle Differentialgleichungen und komplexe Analysis‘‘ bei der Universität Potsdam anzusiedeln. Sie ist eine von vier ehemals zum Bereich„Reine Mathematik‘‘ des Karl-Weierstraß-Institutes gehörenden Arbeitsgruppen. Das Institut wurde aufgelöst. Der Wissenschaftsrat gab die Empfehlung für die weitere Perspektive der Gruppen. Eine der beiden von der MaxPlanck-Gesellschaft übernommenen Gruppen ist die hier vorzustellende. Die andere wurde der Humboldt-Universität angegliedert.
Alle Formalitäten sind in einem zwischen der Max-Planck-Gesellschaft und der Universität Potsdam abgeschlossenen Vertrag geregelt.
Noch ist alles im Aufbau begriffen: das Einrichten der Räume, der Bibliothek, die Kontakte zu den Kollegen der Universität. Prof.
Sport auf über 1000 Quadratmetern
Großauswahl in allen Preislagen!
Bert-Wolfgang Schulze ist der Leiter der vorwiegend mit Forschungsaufgaben beschäftigten Gruppe. Inhaltliche Schwerpunkte ihrer Arbeit sind: — Partielle Differentialgleichungen mit Beziehungen zur Geometrie und zur Mathematischen Physik (Prof. Schulze) — Fragen der stochastischen Spektralanalysis in der Mathematischen Physik(Dr. Demuth) Beide Wissenschaftler arbeiten auch am Sonderforschungsbereich „Differentialgeometrie und Quantenphysik‘‘ als Teilprojektleiter mit. Um diese und andere Aufgaben erfüllen zu können, wird folgende Maximalstruktur der Forschungsgruppen angestebt: 1 Leiter, 4 Mitarbeiter, 2 Doktoranden-, 1 Stipendiaten-, 0,5 Gaststellen und eine Sekretärin. Herr Dr. habil. Michael Demuth, stellvertretender Leiter, ist der Meinung, daß die Anbindung von Wissenschaftspotentialen an die PotsFortsetzung S. 7
ZINTERSPORT'|
OLYMPIA
1560 Potsdam, Friedrich-Ebert-Straße 6, Tel. 2 27 81
ON
n