GRÜNDUNGSKONZEPT
Nr. 6/92— Seite 3
Denkschrift der Öffentlichkeit vorgestellt
„Der Gründungssenat hat seine Denkschrift zur Gründung der Universität Potsdam fertiggestellt. Das ist der erste Entwurf über Profil, Ausmaß und materielle Bedingungen zur Ausführung des Vorhabens.‘‘ Mit diesen Worten eröffnete Magnifizenz, Prof. Mitzner, am 17. März 1992 die Pressekonferenz, in der die Denkschrift erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Mit diesen Empfehlungen hat der Gründungssenat eine weitere Diskussionsphase, auch für die zuständigen Ministerien eröffnet. Als größte Hochschule des Landes und wegen der Ausbildung aller Lehramtsstudenten ist die Universität einer der Eckpfeiler im brandenburgischen Hochschulsystem und hat somit eine
Reihe von Landesaufgaben zu erfüllen. Daneben ergeben sich jedoch für die als klassische Universität konzipierte Bildungseinrichtung einige innovative Besonderheiten, die sowohl Minister Enderlein als auch der Gründungsrektor hervorheben. Da ist zunächst eine enge Verbindung zwischen neu etablierten außeruniversitären Forschungseinrichtungen und MaxPlanck-Arbeitsgruppen im Potsdamer Raum und den Universitätsinstituten, besonders im Bereich der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, zu nennen. Unterstützt wird die Kooperation noch dadurch, daß eine größere Anzahl von Wissenschaftlern der ehemaligen ADW über das Wissenschaftlerintegrationsprogramm zu uns gekommen ist. Das wird als Hilfe empfunden, denn es ermöglicht uns das Be
schreiten neuer Wege. Ein anderer Aspekt ergibt sich aus der starken Stellung der Geschichte, die als Kristallisationspunkt für die geisteswissenschaftlichen Fächer dienen wird. Das ist u. a. dadurch bedingt, daß es ein An-Institut gibt, das Moses Mendelssohn Zentrum für deutsch-jüdische Geschichte, und die Max-Planck-Gesellschaft ein Zentrum für Zeitgeschichte in Potsdam aufbauen wird, das ebenfalls an die Universität kommen wird. Die reichhaltige Archivlandschaft in und um Potsdam tut ein übriges dazu. Drittens spielt die Lehrerbildung eine erhebliche Rolle. Dafür wurde konzeptionell ein neues, das sogenannte Potsdamer Modell, konzipiert, das die
Erziehungswissenschaften zwar auf
Foto: Rüffert
die Lehrerbildung hin abstellt, aber auf einer professionellen Grundlage Fachleute zur Vermittlung von Kenntnissen ausbilden möchte; man strebt eine bessere psychologische und soziologische Grundlage für den Lehrerberuf an, so daß die Absolventen vielseitig verwendbar sein werden, nicht nur in der Schule allein. Eine vierte Spezialität wird darin gesehen, daß es in der Konzeption, aber auch in der Realität gelungen ist, in Babelsberg die Rechtswissenschaft, die Sozialwissenschaften und die Wirtschaftswissenschaften personell in einen Verbund zu bekommen, der relativ einmalig ist. Dieser angestrebte interdisziplinäre Charakter wird durch fachübergreifende Fakultäten gefördert. Dabei geht es darum, die Soziologie, die Verwaltungswissenschaften und die Politikwissenschaften
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mit volkswirtschaftlichen und sprachlichen Elementen anzureichern. Das gilt auch für die Rechtswissenschaft, so daß diese nicht nur dem Deutschen Richtergesetz entspricht.
Mit dem geplanten Aufbau eines Sprachenzentrums steht auch eine starke Sprachbetonung im Vordergrund. Eine solche empfiehlt der Minister auch allen anderen Universitäten und Fachhochschulen des Landes, denn der internationale Austausch müsse im Vordergrund stehen. Sein Ministerium werde hier einen finanziellen Schwerpunkt setzen.„Es wird wichtig sein, daß die Universität Potsdam möglichst viele Partnerhochschulen im Ausland hat‘‘, resümmierte er.
Die Diskussionen um die Reali
3! sierung des Gründungskonzeptes
werden auch mit den landesweiten Hochschulstrukturkommissio
| nen geführt, damit eine Abstim
mung bezüglich ähnlicher Vorhaben in manchen Fächern mit den anderen Universitäten des Landes und Berlin stattfinden und gleiche Studiengänge an verschiedenen Standorten unterschiedlich profiliert werden können. Minister Enderlein betonte, daß jedoch die Zusammenarbeit mit Berlin„keine Einbahnstraße‘‘ sein dürfe. Es gehe nicht an, daß Berlin den Status quo erhalte und Brandenburg die Nischen ausfüllt. Vielmehr werden in Brandenburg Universitäten und Fachhochschulen gegründet,
PO SAN
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die in Lehre und Forschung ein umfassendes Angebot aufweisen werden.„Wir werden sehr selbstbewußt eine komplette Planung für eine Universität vornehmen und auf diesem Hintergrund bereit sein, uns mit den Berlinern abzustimmen‘‘, erklärte er dazu. In Potsdam habe man deutlich gemacht, die Universität an einem wirklich historischen Ort zu betreiben. Daher werde auch nach wie vor an dem Standort in der Nähe des Neuen Palais festgehalten.„Ich denke, die Stiftung Schlösser und Gärten wird sich damit nicht nur abfinden, sondern auch anfreunden, zumal wenn sie sieht, wie die Studenten in den Communs für ein erfrischendes Leben sorgen‘‘, sagte der Minister. Die Konzeption soll nach breiter Diskussion im Verlaufe des Sommersemesters in überarbeiteter Form vorliegen; ab Herbst dieses Jahres soll ihre Realisierung verstärkt fortgeführt werden. Die personelle Besetzung hofft man, bis 1995 abgeschlossen zu haben. Dann werden sich in Golm auch drei wichtige Bauvorhaben in der Endphase befinden. Als nächste Aufgabe steht vor dem Gründungssenat die Erarbeitung einer Grundordnung für die Universität Potsdam. Dabei ist die„Ööffentliche Beteiligung der Studenten und Hochschulangehörigen sicher zu stellen‘‘, forderte Minister Enderlein.
Dr. Rolf Rammelt
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