Nr. 6/92— Seite 8
TAGUNG
Alte Windmühle im neuen Kleide|Fachtagung„Sozial-emotionales Lernen“, 1992
Wer weiß schon, daß zur Universität Potsdam auch eine alte Windmühle gehört. Mit der Bockwindmühle am Naturschutzgebiet Gülper See besitzt die Universität ein Feldlabor von einzigartigem Reiz. Die Kombination eines Kulturdenkmals aus der friderizianischen Zeit mit der aktuellen Nutzung als Beobachtungsstation im NSG Gülper See macht die Aufgabe des Bewahrens in doppelter Hinsicht deutlich: einerseits durch den Schutz der natürlichen Lebensräume eine möglichst große Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren, wie andererseits ein technisches Denkmal zu erhalten.
che Bauwerk vor weiterem Verfall zu schützen. Über lange Zeit waren keine finanziellen Mittel für den Erhalt der Mühle verfügbar, also wurde improvisiert. Nachdem die baulichen Mängel immer deutlicher wurden und die Standfestigkeit des Bockes zunehmend gefährdet war, gelang nach aufwendigen Verhandlungen der Durchbruch, um mit der Instandsetzung zu beginnen.
Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg sowie das Kulturamt der Kreisverwaltung Rathenow gewährten der Universität Potsdam finanzielle Unterstützung für die Restaurierungsarbeiten. Diese Einrichtungen fördern auch die weitere Nutzung der Windmühle als Beobachtungsstation und für Ausstellungen zum Feuchtgebietsund Artenschutz. Die weitere Restauration unter denkmalpflegerischem Gesichtspunkt wird vom Mühlenverein Berlin-Brandenburg fachlich betreut, und so bleibt zu hoffen, daß auch ein
7 Teil des 200 Jahre alten techni
Die für die Gegend typische Bockwindmühle wurde im Jahre 1773 vom Mühlenbaumeister ZEMMELIN aus Berlin erbaut und stand schon lange still, als sie Anfang der 60er Jahre auf Initiative von Prof. Rutschke vor
dem Abriß bewahrt wurde, um|
wenig später eine Beobachtungsstation daraus zu machen. Inzwischen haben viele Generationen, besonders ornithologisch interessierter Potsdamer Studenten die spartanischen Unterbringungsbedingungen in der Mühle„genossen“ und von hier aus seltene Vogelarten beobachtet.
Seinerzeit wurde die Windmühle mit Wellbitumenplatten verschalt, um die Naturfreunde vor der Zugluft und das altersschwa
schen„Wunderwerks‘“ wiederhergestellt werden kann.
Die Bauarbeiten haben am 25. November 1991 begonnen, und inzwischen ist schon ein gutes Stück alter Zimmermannskunst von den Fachleuten der Brücker Hoch- und Tiefbau GmbH geleistet worden.
Text und Fotos: Dr. R. Mühle, FB Biologie
Am 14. und 15. 3. 1992 fand in Nümbrecht-Bierenbachtal— unweit Kölns— eine Fachtagung zum Thema„Ist Geschlecht noch zeitgemäß?“ statt.
Diese Tagung wurde vom„Verein zur Förderung sozialen und emotionalen. Lernens z..e., V.‘ veranstaltet, zu der Mitarbeiter des Fachbereichs Psychologie der Uni eingeladen wurden.
Die Leitung lag in den Händen von Herrn Prof. G. Liebetrau, der schon bei Studenten und Mitarbeitern durch Lehrveranstaltungen an unserer Uni bekannt ist sowie durch den Fakt, einmal erster Student unserer alma mater gewesen zu sein. Impulsgebende Referate wurden von Frau Diplompsychologin E. Graff(Köln), Frau Prof. B. Kirsch (Potsdam) und Herrn Prof. M. Bellermann(Bochum) gehalten. In diesen Referaten wurden Leitbilder, Rollen von Mann und Frau sowie Erwartungen an Mann und Frau verdeutlicht. Es wurde über Ursachen referiert, die helfen, das Verhältnis von Angeborenem und Erworbenem im geschlechtstypischen Verhalten zu klären.
In Arbeitsgruppen wurde dann das Thema„gestaltet‘‘, um im Ergebnis bei den Akteuren sozial-emotionale Lerneffekte zu erzeugen. Informativ und interessant waren für die Potsdamer Teilnehmer die erlebten vielfältigen Möglichkeiten des Umgangs mit diesem Thema in den Arbeitsgruppen. Agitationen, um Meinungen zu bilden, wurden als grundsätzlich falsch angesehen. Richtig war, daß Wärme, Wertschätzung, Echtheit und Einfühlungsvermögen zu den wesentlichsten Voraussetzungen einer„guten Gestaltung‘ sozialer Kontakte gehören. Deshalb war nicht nur die private Position des Teilnehmers zu diesem — auch provozierenden— Thema bedeutend, sondern auch die Art und Weise des Umgangs miteinander bei der Gestaltung des Themas. Die Annahme, daß
sozial-emotionales Lernen nur in konkreter Sozialhandlung mit Selbstreflexion in bezug auf andere Menschen möglich ist, ist allgemein bekannt. Doch die Art und Weise der Gestaltung von sozialen Kontakten zu diesem Thema-es ist so alt wie die Menschen selbst— brachte für uns Potsdamer viele neue beeindruckende Erkenntnisse und Erfahrungen. Wir danken dafür dem Veranstalter!
J. Herboth
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