Nr. 8/92— Seite 8
EXPEDITION
Hmm, so'n Schmuddelwetter hüt weder mol..., brummt der bärtige Seemann neben mir in plattdeutscher Redensart und weist auf die graue See hin.
So begegnet die Nordsee den meisten Fahrensleuten— nämlich ungemütlich und grau in grau. An den folgenden Tagen sollte ich schließlich noch mehr davon kennenlernen, wobei es zur Abwechslung auch des Öfteren mächtig stürmte.
Bei Windstärke 9 hieß es dann: „Nordsee ist Nordsee!‘“
Doch die Seeleute konnten das „Landei‘, welches ich war, zur Entledigung der Übelkeit an der Reling. nicht überreden. Und so
hatte man als nicht seekrank| Werdender bei ihnen schon ge
wonnen. Vom Atlantik her machte sich häufig eine kräftige Dünung bemerkbar. Dann waren Wellen von ca. 6—7 m Höhe keine Seltenheit. Dennoch wurde für mich ein Traum wahr.
Lange zuvor hatte ich mir schon oft ausgemalt, einmal auf einem Forschungsschiff an einer meeresbiologischen Expedition teilnehmen zu können. Ich bewarb mich für die Semesterferien ganz einfach bei der Biologischen Anstalt Helgoland in der Zentrale in Hamburg und hatte Glück. Man suchte noch einen studentischen Assistenten für eine vierwöchige Expedition mit dem Forschungsschiff„HEINCKE*“. So erfüllte sich mein Traum.
Die„HEINCKE* ist ein‘ sehr modernes Forschungsschiff, das allen Anforderungen der multidisziplinären Meeresforschung, ganz besonders der ökologischen Meeresüberwachung, gewachsen ist. Helle und geräumige Naß- und Trockenlaboratorien stehen den Wissenschaftlern zur Verfügung und ermöglichen ein den Umständen entsprechend angenehmes Arbeiten. Durch ein spezielles Sondensystem können ständig die aktuellen Werte von Salzgehalt, Windgeschwindigkeit, Lottiefe usw. vom Monitor abgelesen und in die wissenschaftliche Arbeit einbezogenen werden. Ein Echolotschirm zeichnet die Struktur des
Träume werden wahr!
Student beteiligte sich an einer Nordsee-Forschungsexpedition
Meeresbodens mit seinen Untiefen auf, auch Fischschwärme werden sichtbar gemacht. Umfangreiche Windensysteme, Krananlagen sowie das Fischereigeschirr ermöglichen einen vielseitigen Einsatz.
Vor Fahrtantritt, als das Schiff noch im Hafen lag, wurde besonderer Wert darauf gelegt, das, was nicht niet- und nagelfest war, anzubinden, festzuschrauben und einzu
Unser Autor mit einem 50-PfundKabeljau, einem der größten und wirtschaftlich bedeutungsvollsten Raubfische der Nordsee
keilen, damit bei Seegang auch alles weitestgehend an seinem vorgesehenen Platz bleiben konnte. Die Mikroskope und Binokulare wurden mit Schraubzwingen dingfest gemacht. Die Computer, ja sogar die Kaffeetassen erhielten einen klebrigen, kaugummiähnlichen Kitt an der Unterseite, um standfest zu bleiben.
Dann endlich am 25. Februar bei Einbruch der Dunkelheit hieß es: „Leinen los— wir stechen in See!“ Schon bald war von Cuxhaven nur noch die„Kugelbake*“, ein uraltes erleuchtetes Seezeichen, sichtbar, welches auch bald in der Ferne erlosch.
Trotzdem die Nordsee wohl eines der am besten untersuchten Meeresgebiete ist, sollte die Expedition in den kommenden Tagen und Wochen neue wertvolle Daten für die ökologische Meeresüberwachung liefern. Hierbei wurde das Hauptaugenmerk auf Mißbildungsraten von pelagischen Fischem
bryonen als Folge von Umweltschadstoffeinwirkungen gelegt, wovon bisher nur wenig genau bekannt ist. Untersucht werden sollten ausgedehnte Bereiche der Nordsee bis zum Atlantik in nördlicher sowie bis zum Übergang zum Englischen Kanal in südlicher Richtung. Dabei wurde die Nordsee ratenweise abgefahren und alle 18 Seemeilen Station gemacht. Derartige Untersuchungen sind integrierter Bestandteil eines EGProjektes, wobei man annimmt, daß Umweltschadstoffe wie Pestizide(PCB, Lindan und andere Organochlorverbindungen) und Schwermetallverbindungen auf Mißbildungsraten der Nordseefischembryonen einen großen Einfluß haben. Es ist bereits bekannt, daß ein gewisser Anteil der Mißbildungen auf natürliche Einflüsse zurückzuführen ist, wie z. B. auf schwankenden Salzgehalt etc. Dennoch ist der Einfluß von Umweltschadstoffen in der Nordsee sicher nicht mehr zu leugnen. Dahingehend waren besonders die Küstengewässer und die Flußmündungen wie die des Rheins, der Elbe, Weser sowie der Themse als kritische Bereiche von Interesse, aber auch die vielen Bohrinseln des Schelfgebietes, die man sich niemals so zahlreich vorgestellt hätte.
) Ganz einfach gut
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Gefischt wurde mit großen Calcofi-Planktonnetzen(1 m Durchmesser und ca. 5 m Länge) von der Wasseroberfläche bei einer Fahrtgeschwindigkeit von 1-2 Knoten. Die erhaltenen planktischen Fischembryonen wurden danach im Labor artgerecht bestimmt, das Entwicklungsstadium sowie die Form der Mißbildung festgestellt und per Computer registriert und ausgewertet.
Neben der Planktonfischerei erfolgte auch das Fischen mit dem Grundschleppnetz. Hierbei trat die gesamte Vielfalt der Nordsee- und Nordatlantikmeeresfauna erst so richtig in Augenschein und ließ das Herz eines interessierten Meeresbiologen höher schlagen. Faustgroße Islandmuscheln sowie Wellhorn- und Spindelschnecken, See- und Sonnensterne, Seespinnen, Kaisergranate(hummerähnliche Krebse), auch Rochen, große Kabeljaue und Seewölfe(Fi
sche mit gewaltigem Gebiß) wa
ren im Netz. Viele dieser Tiere wurden für das Aquarium der Biologischen Anstalt auf Helgoland vorgesehen und mußten, damit sie keinen Schaden nahmen, so schnell wie es ging in vorbereitete große Aquarienbehälter und Transportwannen gesetzt werden.
Fortsetzung S. 9
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